• vom 05.06.2013, 16:27 Uhr

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Rollende Steine mit Paul




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Kunsthaus Wien: Weltweit erste umfassende Retrospektive über Linda McCartney

Auch Promifotografin: Linda McCartney s Porträt von John Lennon (London, 1969). - © Linda McCartney

Auch Promifotografin: Linda McCartney s Porträt von John Lennon (London, 1969). © Linda McCartney

Es ist ein seltsam sentimental stimmender Rückblick in die 60er bis 80er Jahre, den die in New York 1941 als Linda Eastman geborene Fotografin, seit 1969 Ehefrau des Ex-Beatles Paul McCartney, mit ihren Werkblöcken auslöst. Das hat sicher zwei Gründe: Die Art wie sie Menschen fotografierte und wen sie vor ihre Linse bekam. Doch auch ihre Pflanzen, Landschaften, sozialen Studien und Tierfotografien lassen nicht kalt. Durch ihren frühen Erfolg als professionelle Fotografin der Musikszene bekannt, ist der spätere Rückzug in die Familie, als sie durch ihre Prominenz ihr Privatleben schützen und ähnlich wie Yoko Ono unter der Ablehnung hysterischer Beatles-Fans leiden musste, auch Themenvorgabe. In der Zeit als Begleiterin und Mitwirkende eines Musikers wurde sie auch zu einer im und aus dem Auto knipsenden Künstlerin, wobei die erzwungene "Street Photography" auch ihre Kenntnis der Fotografiegeschichte erkennen lässt.

In der Musikszene der
60er Jahre gefragt

Die Seriosität entwickelte sich aus einem Kunstgeschichte-Studium und ihrem frühen Umgang mit Künstlern wie Willem de Kooning in New York, die ihr Vater als Rechtsanwalt vertrat. Ihrem Studium schloss sie einen Fotokurs bei der bekannten Fotografin Hazel Archer an, was zufällig, gemeinsam mit einer Freundin passierte. So begegnete sie dem Werk historischer Größen wie Paul Strand, Walker Evans oder Dorothea Lange.


In den 60er Jahren schnell in der Musikszene gefragt, schaffte sie es als erste Frau auf das Cover der Zeitschrift "Rolling Stone". Als Einzige zur Präsentation eines Albums der Rolling Stones auf einem Schiff am Hudson River eingeladen, entstanden Ikonen - doch ist ihr Porträt von Mick Jagger mit Vorhang ebenso kunstvoll wie das Gähnen von Jimi Hendrix. Eric Clapton oder Jim Morrison erscheinen in sehr intimen Momenten. Die schwebende Frage, warum eine junge Frau, die sich als schüchtern beschrieb, so leicht eine starke psychologische Nähe aufbauen konnte, bleibt ihr Geheimnis.

Auswahl aus dem umfangreichen Archiv
Das Kunsthaus Wien konnte für die umfassende Retrospektive im Archiv der schon 1998 an Krebs verstorbenen Linda McCartney frei wählen. Es finden sich viele, teils signierte Vintage-Prints, reizvolle Serien auf Kontaktabzügen. Bilder von ihrem Mann sind darunter sowie aus Fotos kombinierte Filme, späte Experimente mit alten Techniken nach Henry Fox Talbot, auch Polaroids und Cyanotypien. Mehrere Themenkreise werden neben Platten- und Magazin-Covers in Wien präsentiert. Schon die Selbstbildnisse machen schnell klar, dass es sich nicht um eine reine Promifotografin handelt, sondern wie professionell sie ihren Beruf ausübte.

Schatten und Spiegel, auch die Autorückspiegel nutzend, im Atelier des Malers Francis Bacon vor gebrochener Scheibe, und im Kreis ihrer Familie tauchen zuweilen Ironie und ein Hang zu skurrilen Situationen auf, die an den Surrealistenfotografen Philipp Halsmann denken lassen. Nur, dass es dabei um ihren am Zaun balancierenden Mann und ihre Kinder geht.

Eine Reportage über die "Swinging Sixties" für ein Buch und die Präsentation der Beatles-LP "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" brachte Linda und Paul McCartney zusammen. Seine Faszination für ihre Arbeit und die Art wie sie diese unaufdringlich und mit einer Gabe Überraschungsmomente festzuhalten, ausübte, beschreibt er sympathisch in der Monografie, die auch das Gefühl der Jahrzehnte zu übermitteln vermag. Vieles von ihrem Werk war bis dato unbekannt, vor allem ihre Liebe zu Tieren, vorzugsweise Pferde, die sie in Blumen-, Nebel- und Schneelandschaften platziert, ohne diese Ansichten zu verkitschen. Es ist bedauerlich, dass ihr kein längeres Alterswerk möglich war.

Ausstellung

Linda McCartney. Retrospektive

Andreas Hirsch (Kurator)

Kunsthaus Wien

bis 6. Oktober




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Dokument erstellt am 2013-06-05 16:33:04



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