• vom 02.10.2014, 16:05 Uhr

Kunst


Galerien

Der Arbeitsplatz einer jungen Generation




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Von Christof Habres

  • Der 6. Galerienmarathon curated by_vienna animiert zum Sich-Niederlegen.

Ausstellung "In real Life", Luca Lo Pinto, Christine König Galerie.

Ausstellung "In real Life", Luca Lo Pinto, Christine König Galerie.© Karl Kühn, curated by_Vienna 2014 Ausstellung "In real Life", Luca Lo Pinto, Christine König Galerie.© Karl Kühn, curated by_Vienna 2014

Wien. Ein klassischer Interessenkonflikt. Wenn man die Ausstellungen aller 20 teilnehmenden Galerien in einem Durchgang besuchen möchte, muss man relativ früh den Ort verlassen, der im Mittelpunkt der diesjährigen curated-by_vienna-Serie steht. Die spanische Architekturhistorikerin und -theoretikerin Beatriz Colomina hat für die heurige Ausgabe um nichts weniger als das "Century of the Bed" ausgerufen. Ihrem kuratorischen Leitkonzept stellt sie einen Bericht des Wall Street Journals des Jahres 2012 voran: Demzufolge arbeiten 80 Prozent aller jungen New Yorker Berufstätigen vom Bett aus. Dieser Trend findet natürlich Unterstützung durch die umfassende Digitalisierung zeitgenössischer Lebenswelten.

Mit Laptop und WLAN ist es möglich, täglich 24 Stunden und sieben Tage die Woche E-Mails zu beantworten oder zu verfassen. Die Vorteile örtlicher Unabhängigkeit von traditionellen Büroräumlichkeiten und die damit verbundene Flexibilität bei Arbeitsabläufen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ständige virtuelle Präsenz die Grenzen zwischen Beruf und Privat verschwimmen lassen. Dadurch entstehen besondere Erwartungshaltungen, sowohl gegenüber Beschäftigten als auch gegenüber Privatpersonen, und oft herrscht Verständnislosigkeit, wenn man nicht innerhalb kurzer Zeit auf elektronische Anfragen oder Aufträge reagiert. Selbst zu nachtschlafender Zeit, wenn man in vergangenen Epochen selig in seinem Bett schlummerte.


Anhand dieses Zusammenbruchs traditioneller Unterscheidungen, wie es Beatriz Colomina konstatiert, formuliert sie Fragen, die die meisten der engagierten internationalen Kuratorinnen und Kuratoren in ihre Zusammenarbeit mit den Galerien einfließen lassen. Es sind etwa Fragen nach der zeitgenössischen Architektur eines Raumes, der sowohl als Arbeits- als auch Ruheplatz dienen muss. Ein Raum, indem man sich permanent unter Beobachtung befindet.

Die Galerien präsentieren zu diesen Fragen vielfältige Herangehensweisen: von sehr nah am Thema über weitgehende Abstraktion bis hin zur generellen Infragestellung von kuratorischer Arbeit. Wie in der Galerie Meyer Kainer, wo Galerist Christian Meyer zwei renommierte Künstler, Rachel Harrison und Liam Gillick, beauftragt hat, die Ausstellung - wie umschreibt man das jetzt am besten, wenn es eben nicht ums Kuratieren geht? - zu organisieren.

Alles auf einer Fototapete
In der Galerie Christine König hat Luca Lo Pinto, seit einigen Monaten Kurator in der Kunsthalle Wien, das Thema stark abstrahiert. Die ganze Ausstellung passiert nur auf einer Fototapete im Maßstab 1:1. Darauf sind Arbeiten verschiedener Künstler, wie von Cory Arcangel, Gerhard Rühm oder Pierre Bismuth, abgebildet. Die Werke selbst lehnen verpackt im hinteren Galerienraum und werden, falls der Besucher sie in natura sehen möchte, ausgepackt. Lo Pintos Analogie zum Thema kann dadurch geknüpft werden, dass neue Technologien es ermöglichen, Ausstellungen quasi vom Bett aus zu besuchen und die physische Präsenz im Galerienraum nicht mehr notwendig ist. Weder die vom Besucher noch die vom Kunstwerk.

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