• vom 25.08.2015, 15:52 Uhr

Kunst

Update: 26.08.2015, 11:20 Uhr

Ausstellung

Trauma und Gegenwart




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Manisha Jothady

  • Die japanische Künstlerin Hana Usui gedenkt der Opfer von Hiroshima und Nagasaki.

Haargenau: Hana Usuis Auseinandersetzung mit den Opfern der Atombombe, Abbildung aus der Serie "Haare", 2015.

Haargenau: Hana Usuis Auseinandersetzung mit den Opfern der Atombombe, Abbildung aus der Serie "Haare", 2015.© Hana Usui Haargenau: Hana Usuis Auseinandersetzung mit den Opfern der Atombombe, Abbildung aus der Serie "Haare", 2015.© Hana Usui

Der Blick fällt mehr zufällig und erst gegen Ende des Besuchs der Ausstellung auf eine kleine Schwarzweißfotografie. Sie bildet jedoch den Ausgangspunkt zu Hana Usuis Präsentation im Anfang August eröffneten Salon M im 7. Wiener Bezirk.

Es ist das Porträt einer Gruppe von Kindern, darunter die Mutter der Künstlerin, aufgenommen 1945, während die Erwachsenen im Wald nach Pinienwurzeln suchten, aus denen Japan damals Treibstoff für Kampfflugzeuge gewann. Ihr metaphorisches Pendant findet diese Fotografie in einer von Usuis Grafiken, die ein Wurzelgebilde zeigt. Einem Röntgenbild ähnlich heben sich weiße Liniengebilde vom tiefschwarzen Hintergrund ab. Doch so hart wie hier sind die Kontraste in den Öl- und Tuschezeichnungen der Künstlerin nicht immer. Hana Usuis Zeichenkunst zieht ihre Bahnen mehr im Schattenreich transparent wirkender Einzelblätter oder einander überlagernder Papierschichten und ist bisweilen durch eine extrem reduzierte Liniensetzung definiert. Abstraktion und Reduktion sind in ihren Arbeiten stets an eine übergeordnete Erzählung gekoppelt. Im konkreten Fall an jene über das Trauma einer ganzen Nation, ausgelöst vor 70 Jahren durch die US-Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Bis heute leiden Tausende unter den Spätfolgen der nuklearen Verseuchung.

Information

Ausstellung
Schwarzer Regen
Salon M, Myrtheng. 4, 1070 Wien
bis 5. September

Link zur Ausstellung


Mit "Schwarzer Regen" ist die Ausstellung überschrieben. Im Gedenken an die Atombombenopfer wurde sie konzipiert. Als schwarzer Regen wird jener radioaktive Niederschlag bezeichnet, der nach einer Kernwaffenexplosion oder nach einem Kernreaktorunglück fällt. "Schwarzer Regen" lautet auch der Titel des 1965 erschienen Romans von Masuji Ibuse. Schonungslos schildert der Schriftseller darin die apokalyptischen Ereignisse von 1945, die auf Tagebuchaufzeichnungen von Überlebenden basieren und bettet diese in eine Rahmenhandlung ein, welche die Folgen der Katastrophe für die japanische Nachkriegsgenerationen verdeutlicht. Wenn Hana Usui in einer neunteiligen Arbeit den Verlust der weiblichen Kopfbehaarung als Folge der Verstrahlung darstellt, bezieht sie sich auf ein zentrales Thema des Romans. Hier ist es die Nichte des Protagonisten, die als sogenannte "Hibakusha", als von der Strahlenkrankheit Betroffene, diskriminiert wird.

"Der Leichenhaufen war schwarz vor Fliegen", schreibt Ibuse an einer Stelle. "Manchmal störte sie etwas, ein Windhauch vielleicht, dann flogen alle mit lautem Gesumm hoch, nur um sich im nächsten Moment schon wieder auf dem Haufen niederzulassen." Hana Usuis "Requiem", eine von der Decke herabhängende, mit buddhistischen Sutren versehene Zeichenbahn, lässt entsetzliche Schilderungen wie diese nahezu physisch spürbar werden. Dennoch schwingt in allen Arbeiten eine über Grauen, Trauer und Verlust erhabene Schönheit mit, weshalb dieses Werk auch rein formal, abseits des narrativen Bezugs überzeugt.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-08-25 15:56:05
Letzte ńnderung am 2015-08-26 11:20:36



Fotografie

Hans Weiss

Geboren 1950 in Hittisau/Vorarlberg; seine fotografische Ausbildung erhielt Hans Weiss am International Center of Photography in New York und an der... weiter




Fotografie

Gerlinde Miesenböck

Geboren 1978 in Freistadt; PhD an der Kunstuniversität Linz; Mag.art. für Visuelle Mediengestaltung/Grafik-Design & Fotografie an der Kunstuniversität... weiter




Fotografie

Robert Rutöd

Geboren 1959 in Wien, Fotograf und Filmemacher; seine Arbeiten wurden weltweit auf zahlreichen Festivals und Ausstellungen gezeigt und erhielten... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tausend Tränen tief
  2. Fulminantes Beethoven-Finale mit der Fünften
  3. Die flüchtigen Klänge des Humanismus
  4. Cool und vital
  5. Stimme schonen mit Charme
Meistkommentiert
  1. Dialekt jenseits seiner Grenzen
  2. Intensität ohne Netz
  3. Sängerin der Cranberries gestorben
  4. Tausend Tränen tief
  5. Mit breitem Pinsel dünn aufgetragen


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung