• vom 20.10.2015, 16:56 Uhr

Kunst

Update: 20.10.2015, 17:48 Uhr

Galerien

Kunst




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Galerien

Süßes oder Magensäure? Maria Grüns "Organ" (mit Motor) wäre "der" Star auf jeder Halloweenparty. Der Magen verdaut lebhaft. - © Maria Grün

Süßes oder Magensäure? Maria Grüns "Organ" (mit Motor) wäre "der" Star auf jeder Halloweenparty. Der Magen verdaut lebhaft. © Maria Grün

Bis dass der Tod sie kleidet

(cai) Er hat in diversen Krimis mitgespielt. In einem Horrorfilm war er sogar der Hauptdarsteller. (In "The Fog - Nebel des Grauens". Für eine Oscar-Nominierung hat’s freilich nicht gereicht, trotz seines intensiven, dichten Spiels.) Und in der Galerie Michaela Stock spielt er seine Rolle jetzt ebenfalls sehr überzeugend. Nämlich der Nebel.


Sabine Groschup hat ihn in ihren düster melancholischen Schwarzweißfotos (na ja, im Nebel sind alle Farben grau) feinfühlig eingefangen. Wie er dort, wo sich Hänsel und Gretel Gute Nacht sagen, malerisch umherstreift. So eine "Wolke mit Bodenkontakt" wird bei Bedarf auch leibhaftig erzeugt. Kochplatte, Nebelsalz drauf. Wie im Theater. Überhaupt ist hier alles ziemlich theatralisch inszeniert. Die Sicht ist dabei jedoch nie so vernebelt, dass man die Gebrauchsanweisung für die Ausstellung nimmer lesen könnte: "Please touch, but softly." Bitte berühren? Äh, die heiße Kochplatte?

Blödsinn. Die drei unheimlichen Gestalten natürlich, die im Raum schweben. Die "Sweet Ladies Of Darkness". Eigentlich Kapuzenumhänge. Wie sie der Tod im Film trägt. Fehlt bloß die Sense. Dafür sind lustige Glöckchen aufgenäht. Und Münzen. Und wenn man die bunten Kutten schüttelt (die eben nichtin einem nekrophilen Depressionsschwarz gehalten sind), klingen sie wie . . . Bauchtänzerinnen. (Ist das nicht pietätlos? Nein, wieso? Es gibt doch den Totentanz, oder?) Verspielte Kostüme für die modebewusste Tödin? Aber, gell: "berühren", nicht anziehen!

Am Ende: eine "Kletterwand". Studien zum Matterhorn (das hat über 500 Bergsteiger umgebracht). Der Schatten der Künstlerin wirft sich kryptisch drauf. He, führen im Hades die Toten nicht ein Schattendasein? Die Schau passt perfekt zum Herbstwetter. Und Allerheiligen kommt ja auch bald.

Galerie Michaela Stock
(Schleifmühlgasse 18)
Sabine Groschup, bis 7. November
Di. - Fr.: 16 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr

Frankensteins Gänsehaut

(cai) Fehlt da nicht ein Warnhinweis? "Die folgende Ausstellung ist für Besucher mit viel Empathie nicht geeignet." Weil die kriegen sicher Bauchweh. Jedenfalls sobald sie einen Blick in die Kühlbox werfen. Da drin geht’s ja zu wie in "Die Nacht der Organe spendenden Zombies". Der Magen, bereit zur Transplantation, ist dermaßen untot (das liegt am Motor), in dem rumort es so heftig, fast möchte man aus Mitleid ein Rennie lutschen ("räumt den Magen auf").

Maria Grün hat aus dem artist run space ein klinisches Gruselkabinett gemacht. Körperfunktionen werden imitiert und irritierend echt aussehende Körperteile werden verpackt in - Pizzaschachteln? Betreibt die Wienerin einen Lieferservice für Kannibalen (die auf Rohkost stehen dürften und nicht auf Pizza Cannibale)? Nein. Ellbogen und Daumen stammen aus ihrem Prothetikfachgeschäft, einem gemeinsamen Kunstprojekt mit ihrer Schwester Eva.

"Did you ever see a man with eight fingers on his hand" (ein Zitat aus einem Song der Rockband Ween): Unter diesem körperbetonten Titel fasst Teil drei des Zyklus "The human body as a surreal machine" die beiden ersten Teile nun quasi zusammen. Die fragmentarische Wahrnehmung des Körpers. Überall verschwimmen die Grenzen zwischen Medizin und Kunst, Chirurgie und Bildhauerei. Ist der Unterschenkelamputierte, der auf einem Podest posiert, eine hyperrealistische Skulptur? (Den antiken Statuen im Museum fehlt doch auch oft was.) Oder zeigt das Foto (in Kooperation mit Max Berner entstanden) eine Performance?

Gänsehaut ist hier garantiert. Na ja, sie wird im Gänsehautsimulator künstlich erzeugt. Ein Stück Haut (Silikon, behaart), Elektronik aus einem Fernseher (zur Erzeugung der Spannung), und man kann fasziniert zuschauen, wie sich die Haare aufstellen. Spannend. (Nicht nur in elektrischer Hinsicht.)

Artist run space
(Schleifmühlgasse 12 - 14)
Maria Grün, bis 24. Oktober
Do., Fr.: 14 - 19 Uhr
Sa.: 10 - 15 Uhr




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-10-20 16:59:04
Letzte Änderung am 2015-10-20 17:48:16



Bildende Kunst

Anna Jenner

Geboren 1948 in Frauenkirchen; Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst; 1975-76 Stipendium für einen einjährigen Studienaufenthalt in... weiter




Fotografie

William Albert Allard

Geboren 1937 in Minneapolis, Minnesota; Studium an der Minneapolis School of Fine Arts und an der University of Minnesota; ab 1964 arbeitete Allard 50... weiter




Fotografie

Wolfgang Zurborn

Wolfgang Zurborn entführt uns mit den Bildern seiner Arbeit "Catch" in eine ganz eigenwillige, skurrile Welt, in der Szenen und Objekte des... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Höchste Gefühle
  2. Der Nächste, bitte
  3. Bruckner als Kraftwalze
  4. Bob Dylan kommt nach Österreich
  5. Kleine Stimme, große Kunst
Meistkommentiert
  1. Mit indignierter Distanz
  2. Johnny Hallyday tot
  3. Kleine Stimme, große Kunst
  4. Bruckner als Kraftwalze


CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung