• vom 21.09.2016, 16:19 Uhr

Kunst

Update: 21.09.2016, 16:50 Uhr

Kunstmesse

Wenn Vögel flügge werden




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Von Christof Habres

  • Die Kunstmesse Viennacontemporary mit ihrer zweiten Ausgabe in St. Marx.

Die Galerie Martin Janda zeigt die spielerische Seite der zeitgenössischen Kunst. - © Alexander Murashkin

Die Galerie Martin Janda zeigt die spielerische Seite der zeitgenössischen Kunst. © Alexander Murashkin

Wien. Das Abwarten ist vorbei. Außerdem scheint die Zeit gekommen zu sein, endlich erwachsen zu werden. Als im vergangenen Jahr das neue Wiener Kunstmessenformat Viennacontemporary aus der Taufe gehoben wurde, waren einige nationale und internationale Galerien skeptisch bis pessimistisch, ob die Schau mit neuem Namen und Standort Erfolg haben wird. Zu oft haben seit Bestehen einer zeitgenössischen Messe in der Donaumetropole mit dem Fokus auf Zentral- und Osteuropa die Betreiber und das Management gewechselt, häufig haben offen ausgetragene Querelen zwischen heimischen Institutionen, Galerien und politisch Verantwortlichen potenzielle Teilnehmer abgeschreckt. Jedoch in diesem Jahr verliefen die Vorbereitungen zur Messe fast verdächtig ruhig, keine Unkenrufe und keine kollegialen Untergriffe waren zu verzeichnen. Außerdem ist die im letzten Jahr fast zeitgleich stattfindende Messe-Konkurrenz mit dem ehemaligen Namen nach einem Debakel sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden und musste das zeitgenössische Revier der Viennacontemporary überlassen.

Die Rückkehrer

Information

Viennacontemporary
Rinderhallen St. Marx, 1030 Wien; www.viennacontemporary.at

Parallel Vienna
Alte Post, Dominikanerbastei, 1010 Wien
www.parallelvienna.com

Beide bis Sonntag, 25. September

Das professionelle Auftreten bei der Premiere und die Planung hat abwesende Galeristen-Kapazunder dazu bewogen, ihre Schauen-wir-uns-das-mal-an-Position zu verlassen und sich wieder zu bewerben. Unter den Comeback-Kids sind heuer erfreulicherweise zum Beispiel Gregor Podnar aus Berlin (zuvor Laibach, Slowenien) und Georg Kargl aus Wien. Einen weiteren Wiedereinstieg verzeichnet die Erste Bank, die nach einem Jahr Absenz wieder als Hauptsponsor und wichtiger Unterstützer des Messeschwerpunkts Zentral- und Osteuropa fungiert.

Neben den Rückkehrern ist es dem Messeteam rund um Christina Steinbrecher-Pfandt, Renger van Heuvel und Investor Dmitry Aksenov gelungen, 112 Galerien und Institutionen in die ehemaligen Rinderhallen St. Marx zu locken. Fast drei Viertel der Teilnehmer kommen aus dem Ausland, wobei 24 Galerien aus den CEE-Fokusländern stammen. Die Anzahl war schon beträchtlich höher, war aber oftmals, aufgrund stark schwankender künstlerischer Qualitäten, Auslöser herber Kritik. Mit der Reduzierung der Galerien und Steigerung der Qualität ist es der Messe gelungen, Raum für weitere interessante Kooperationen - der Blick wurde gegen Norden gerichtet - zu schaffen. So wurde heuer der Austausch mit skandinavischen Galerien intensiviert und sieben Galerien aus Dänemark, Finnland und Schweden werden dem Titel "Nordic Highlights" durchwegs gerecht.

Beim ersten Rundgang durch die Messe verstärkt sich der Eindruck, dass die Wiener zeitgenössische Kunstmesse erwachsen und seriös geworden ist. Ein Eindruck, der sich ebenfalls an einer erstmals teilnehmenden Galerie festmachen lässt. Donnerstagabend eröffnet die Galerie Lisa Kandlhofer im vierten Bezirk mit einer Gruppenausstellung ihre neuen Pforten. In den Jahren zuvor firmierte die Galerie noch unter dem etwas romantisch-naiv klingenden Namen "Lisabird Gallery". Jetzt ist das Vögelchen flügge geworden und darf sich gleich bei der Premiere über den mit 5000 Euro dotierten "Austrian Gallery Prize 2016" für die überaus gelungene Standpräsentation mit einer Installation der jungen Künstlern Frauke Dannert freuen.

Der "International Gallery Prize" geht an die Londoner Fold Gallery mit unterschiedlichen skulpturalen Positionen der Künstler Simon Calley, Ellen Hyllemose, Finbar Ward und Michaela Zimmer.

Andere Höhepunkte der diesjährigen Edition finden Sammler und Interessierte auf den Ständen von Georg Kargl mit den feinen Arbeiten von Liddy Scheffknecht, von Ursula Krinzinger mit der Malerei des finnischen Künstlers Janne Räisänen, von Rosemarie Schwarzwälder mit einem poppigen Herbert Brandl, der Zürcher Galerie Rotwand mit den Pigment-Drucken von Mikko Rikala oder der Warschauer Galerie Raster mit den verstörenden Fotografien von Aneta Grzeszykowska.

Jugendlicher Satellit

Überaus gelungene Einzelpräsentationen sind bei der Galerie Crone mit den zarten, feingliedrigen Mobiles von Constantin Luser, bei Agnes Reinthaler mit der Installation von Ulrike Königshofer (die dafür ein Produktionsstipendium zu 5000 Euro gewonnen hat) oder bei Viktor Bucher mit der beeindruckenden wir ironischen Präsentation des bulgarischen Künstlers Michail Michailov.

Ein weiteres, untrügliches Anzeichen des Erwachsenwerdens einer Kunstmesse ist das Vorhandensein zumindest einer gleichzeitig stattfindenden, betont jugendlichen Satellitenmesse. In Wien nimmt diese Position die von Stefan Bidner organisierte Parallel-Vienna-Messe ein. Ein künstlerisches Zusammentreffen von Galerien, Initiativen, Künstlerinnen und Künstler auf den unterschiedlichsten Qualitätsebenen im ehemaligen Postgebäude in der Dominikanerbastei. Ein etwas chaotischer Parcours, der dem Besucher sowohl beeindruckende Positionen als auch grenzwertiges Kunsthandwerk bietet. Auf jeden Fall sehenswert sind die Präsentation (Video und Skulpturen) von Harald Hund, die Arbeiten von Julia Avramidis bei Project Statements und die Soloshow von Eric Kressnig bei rittergallery aus Klagenfurt.

Ob jugendlich oder erwachsen: Den heimischen wie internationalen Kunst-Aficionados wird in den kommenden Tagen in Wien einiges geboten.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-21 16:23:05
Letzte nderung am 2016-09-21 16:50:59



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