• vom 07.10.2016, 16:01 Uhr

Kunst

Update: 07.10.2016, 16:56 Uhr

Ausstellungskritik

Astronautovic und Gleitgel




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das MAK zeigt in "100 beste Plakate 15" die stilistische Vielfalt an deutschsprachigem Grafikdesign.

"Spiel mit dem Feuer" nennt Lex Drewinski seine Grafik.

"Spiel mit dem Feuer" nennt Lex Drewinski seine Grafik.© Drewinski "Spiel mit dem Feuer" nennt Lex Drewinski seine Grafik.© Drewinski

Das MAK zeigt zum 11. Mal im Kunstblättersaal - sowie bereits 2015 - erweitert in die Säulenhalle 100 beste Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese wurden von einer Fachjury im letzten Jahr in einem Dreischrittverfahren ausgewählt. Neu ist heuer die Präsentation auf schwebendem weißem Gestänge als Hintergrund, einem an Friedrich Kiesler erinnernden Entwurf, der die Siegerprojekte gut zur Geltung bringt. Im Katalog mit dem Untertitel "Atlas 15" wird zudem statistisch zurückgeblickt auf die Tradition des Wettbewerbs seit 2001.

Bei den rund 2000 anonymen Einreichungen für die Erstauswahl zeigt sich der anhaltende Trend, dass die Schweizer derzeit eindeutig die Nase vorn haben: Mit 50 Projekten sind sie vor 48 aus Deutschland erneut siegreich, die zwei (aus 64 Einreichungen) verbliebenen Positionen aus Österreich lassen die Frage aufkommen, wieso die Plakatkunst hierzulande derart zurückgefallen ist. Liegt es an der fehlenden Ausbildung, gepaart mit abnehmendem Interesse der Lehrenden an dem Medium? Auf jeden Fall sind die voranschreitende Netzkunst und 3D-Techniken nicht schuld, denn sie zeigen diesmal, wie spannend technische Neuerungen auf die alten Formen der Typografie und in Sachen Farb- und Raumgestaltungen sein können - eben eine Herausforderung für die bleibende Maxime, im Wust der Bilder doch aufzufallen.

Information

Ausstellung
100 beste Plakate 15. Deutschland, Österreich, Schweiz.
MAK
Bis 15. Februar
http://www.mak.at/aktuell

Graffitikunst ist keine Gefahr für die Bedeutung des Plakats

Zu erweiterten Drucktechniken und experimentellen Typografien von Eyecatchern kommen Einflüsse aus der Jugendszene, da doch einige Graffitikünstler zurück in die Designerszene gewechselt sind. Da sind handschriftliche Zitate ebenso wie Pinselstrich, Signatur und malerische Collage ein besonderes Thema der Übersetzung ins flache Medium. Die Jury ist sich daher einig darüber, dass die Bedeutung des Plakats im öffentlichen Raum keineswegs gefährdet ist.

Natürlich steht hier nicht zum ersten Mal die künstlerische Qualität durch eine erfahrene Fachjury vor der kommerziellen, doch ist mit dem Hauptthema in der Schweiz das 200 Jahre alte Thema Tourismus angesprochen, das durchaus zweischneidig auch mit dem Heimatbegriff - Stichwort Bernhardiner am St. Gotthard - umgeht. Das "Weltformat" (die Schweizer Plakate unterscheiden sich in der Formatgröße) nimmt ironische wie poppige Zitate neben einigen Retro-Ansagen mit alten Fotografien und traditionellen Collagetricks auf. Jedoch kann dies auch für die deutschen Beispiele heuer gelten, wo die strenge Typoskriptszene einen Schwerpunkt in Leipzig hat.

Die zwei österreichischen Beispiele überzeugen nicht wirklich, auch wenn das eine mit dem in Deutschland geprägten Spitznamen des Fußballers Marko Arnautović agiert: Ein "cooles" Foto Michael Kranewetters wurde vom Atelier Zwupp zum "Astronautovic" verwandelt.

Schutzanzug und Weltraumhelm für einen abgehobenen Sportler lassen mehr Interpretation zu als die strenge Typoskriptarbeit von "Beton - Gruppe für visuelle Gestaltung", die für die Schwandorfer Doku-Filmtage ein "Z" als widerständige Form "umkehrt". Da können Timo Lenzens Studentenentwurf (aus Offenbach) für ein Gleitgel des Durexkonzerns mit konturierten Linien über eine Hügellandschaft aus Körpern, Beiträge von Fons Hickmann oder Lex Drewinskis angeschnittener türkischer Halbmond mit Militärflugzeug im Sturzflug mehr überzeugen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-07 16:05:07
Letzte Änderung am 2016-10-07 16:56:26



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