• vom 18.10.2016, 16:16 Uhr

Kunst


Galerien

Kunst




  • Artikel
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Galerien

Die Torte lebt! Dana Sherwood lädt Mehlkäferlarven und Achatschnecken zum Essen ein.

Die Torte lebt! Dana Sherwood lädt Mehlkäferlarven und Achatschnecken zum Essen ein. Die Torte lebt! Dana Sherwood lädt Mehlkäferlarven und Achatschnecken zum Essen ein.

Man schaut ja auch

mit dem Hirn


(cai) "Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht." Ach, wie der John F. Kennedy? ("Ich bin ein Berliner!") Nein. Angeblich geht’s eher um die künstlerischen Wurzeln. Und um einen Trend: Statt den Vater ödipal zu ermorden, adoptiert man lieber einen Großvater. (Hä?) Angeblich. Eher. Könnte also trotzdem ein Stammbaum-Anpinkler dabei sein. (Kompliziert.)

Das Galerien-Kuratoren-Verpartnerungs-Festival "Curated by_" zu obigem Thema ist zwar grad aus, aber ein paar Galerien halten noch wacker die Stellung. Wie die Galerie Mauroner. Dort hinterfragt Kurator Luigi Fassi aus Turin (falls er sich seine Herkunft nicht selbst ausgedacht hat) den Eurozentrismus. "Nur im Okzident" beginnt ein Satz des Philosophen Max Weber. (Bloß im Westen wäre man rational.) Und so heißt auch die intellektuell anspruchsvolle Schau. Dauernd muss man was verstehen. Warum verhängt der Exilkubaner Diango Hernández eine Rede von Fidel Castro mit einem Taschentuch? Daneben hat er sie in Wellenlinien übersetzt. Sie optisch im Meeresrauschen ertränkt.

Kolonialismus, Migration, kulturelle Identität sind die zentralen Motive (also eh die geographische Herkunft). Kiluanji Kia Henda lässt etwa einen leeren Sockel in Angola, von dem ein Kolonialherr gestürzt worden ist, von einem Kämpfer für Schwulenrechte besteigen. Ja, die Ästhetik kommt bei so viel Botschaft oft ein bissl zu kurz. Drum sollte man unbedingt in den Keller gehen. Da macht Hilario Isola Nägel mit Köpfen. Mit den Porträtköpfen von berühmten Philosophen. An denen hängt quasi das komplette Weltbild des Abendlands. Genial. So gefällt mir die Kopflastigkeit. Fehlt höchstens der Hammer. Dem Nietzsche würden Feministinnen ja sicher gern eine in die Fresse hauen.

MAM - Mario Mauroner

Contemporary Art

(Weihburggasse 26)

Nur im Okzident, bis 5. November

Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Schnecken

sind Naschkatzen

(cai) Keine Ahnung, ob sich hier irgendwer seine Herkunft selbst ausgedacht hat (und sich also brav an das "Curated by_"-Thema hält), Kunst kommt in der Galerie Thoman derzeit aber definitiv von Können. Und sie ist nah verwandt mit den Naturwissenschaften.

Mit "RE-CODING" ist dem Kuratorenteam Dieter Buchhart und Anna Karina Hofbauer eine anregende, durch und durch stimmige Ausstellung gelungen. Über unseren Umgang mit der Natur. Und da kann der Mensch alles sein: vom Massenmörder, der in Ego-Shooter-Manier mit der Windschutzscheibe Insekten "abschießt" (Günther und Loredana Selichar in ihrem beschaulich skurrilen Gewaltvideo "GT GRANTURISMO"), bis zum Schöpfergott im Laborkittel. Wobei die Künstler modernste Technologien nutzen. Okay, Brandon Ballengée genügt ein Skalpell. (Und ein Streichholz oder Feuerzeug für später.) Oh, wie kann er historische Drucke bloß so verstümmeln! Er schneidet nämlich die inzwischen ausgestorbenen Viecher einfach raus. Macht die Lücke, die sie im Ökosystem hinterlassen, sichtbar. Und indem er die "Kadaver" verbrennt und in Urnen bestattet, lädt er uns ein, unsere Werte zu überdenken. He, wir sorgen uns mehr um altes Papier als um die Artenvielfalt!

Mathias Kessler braucht immerhin einen Computer. Seine ultimativ kitschige Tapete (Palmen bei Sonnenuntergang) ist reine Fiktion. Und Thomas Feuerstein ist ein origineller "Stoffwechsel"-Künstler. Nein, nix mit Igitt. Er wandelt Bücher in Skulpturen um. Aus den Seiten gewinnt er Zucker (andere kriegen da bestenfalls Papiermaché raus) und formt aus dem dann Objekte. Oder füttert die Hirnzellen im Glastank. Letztere ernährt er sehr einseitig. Aha, das wird aus dem Gehirn, wenn man ausschließlich Hegel liest: Feuersteins Monster. (Hat er den Dr. Frankenstein als Urururgroßvater adoptiert?) Von Dana Sherwood: lebende Torten, die nachhaltig beeindrucken. Noch Minuten später juckt’s einen überall. Denn die Esskultur wird wilden Tieren (Mehlwürmern und Schnecken) zum Fraß vorgeworfen. Das große Krabbeln in echt. Und live. (Kratz!)

Galerie Elisabeth &

Klaus Thoman

(Seilerstätte 7)

RE-CODING, bis 29. Oktober

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr




Schlagwörter

Galerien, Kunst, Kultur, curated by

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-10-18 16:20:10



Fotografie

Gerd Ludwig

- © Gerd Ludwig Gerd Ludwig hat in den letzten 20 Jahren Tschernobyl neun Mal besucht. Und er hat sich weiter als jeder andere Fotograf in den "Bauch" von Reaktor #4... weiter




Fotografie

Tina Lechner

- © Tina Lechner Tina Lechner bedient sich in ihren Arbeiten der analogen Fotografie. Sie entwirft mit einfachen Mitteln eine skulpturale Formensprache... weiter




Fotografie

Stephan Rindler

- © Stephan Rindler Stephan Rindler widmet sich der kuriosen Schönheit der Vergänglichkeit. Seine Bilder zeigen verlassene Räume – und in diesem Fall eine... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Vielfraß im Zuckerguss
  2. "Striche sind eine Notwendigkeit"
  3. Der König mit der groben Klinge
  4. Flirt mit Minidramen
  5. Auf der dunklen Seite der Welt
Meistkommentiert
  1. Der König mit der groben Klinge
  2. Vielfraß im Zuckerguss
  3. Auf der dunklen Seite der Welt



Zu Gast bei der äthiopischen Nacht: Der Circus Debre Berhan aus Äthiopien.

Der kanadische Sänger Leonard Cohen posiert auf einer Schienenschwelle, aufgenommen am 25.04.1976 anlässlich eines Konzertes in Frankfurt am Main. Vanitas-Köpfe (Memento Mori), 1. Hälfte 17. Jahrhundert, Elfenbein, 
Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer.

Dieses Papier sorgt derzeit für Diskussionen in Hollywood: Angelina Jolie hat "aufgrund unüberbrückbarer Differenzen" die Scheidung von Brad Pitt eingereicht.

Werbung



Werbung