• vom 29.11.2016, 15:37 Uhr

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Köpfe kann man halt nie genug haben. Vögel auch nicht. Und Floras sowieso nicht. ("Aus Absurdistan" von Paul Flora.) - © Galerie Gerersdorfer

Köpfe kann man halt nie genug haben. Vögel auch nicht. Und Floras sowieso nicht. ("Aus Absurdistan" von Paul Flora.) © Galerie Gerersdorfer

Vorsicht,

zerbrechlicher Mann!


(cai) So fühl ich mich auch oft. Wenn ich mir den Kopf zerbreche. Zum Beispiel darüber, warum das Objektiv rund ist und das Foto dann trotzdem eckig. Als würden sich die Scherben in meine Graue Substanz bohren. Andreas J. Hirsch hat sich freilich nicht nur den Kopf zerbrochen. Sondern den Rest ebenfalls noch. Oder eigentlich war er’s gar nicht selber. Der Ronnie Niedermeyer hat das mit ihm gemacht. Aber er hat ihn eh gleich wieder zusammengepuzzelt.

Keine Angst, kein Kurator (und Andreas J. Hirsch ist ja einer) ist für diesen Beitrag zum Monat der Fotografie zu Schaden gekommen. Zuerst das Modell mit der Kamera zerstückeln. Es auf acht Bilder aufteilen. Zwecks verzerrungsfreier Optik. Eine Glasscheibe dazugeben, alles zerkleinern und die "Mosaikteilchen" auf eine menschlich geformte graue Masse drücken. Fertig. Einprägsam brutal. Bereits vom Hinschauen schneidet man sich an den scharfen Kanten. Na ja, wenn Selbst-, Fremd- und Idealbild miteinander streiten und die unterdrückten Wünsche hochkommen, geht schon einmal was zu Bruch. Ein psychischer Zustand, den ein glattes Porträtfoto eben nicht zeigen kann.

"Menschensplitter" und nicht etwa "Grantscherben", obwohl die Stückln eher mürrisch zu einem Gesicht fusionieren, heißt die lebensgroße Fotoskulptur. Passend zur Splitter Art. Splitter Art, ist das eine Kunstrichtung, wo man mit der Rohrzertrümmerungsmaschine (englisch: splitter) arbeitet? Nein, das ist der Name der Galerie. Und die ist zugleich ein Hort der Worte. Ein Buchladen. Denn Batya Horn betreibt außerdem einen Verlag. Die Edition Splitter. Und man kriegt Leiberln, die machen einen zur lebenden Literaturskulptur. "Ich ignoriere Sie persönlich" (Martin Breindl) - der Spruch tät dem Splittermann auch gut stehen.

Galerie Splitter Art

(Salvatorgasse 10)

Ronnie Niedermeyer

Bis 12. Dezember

Mo. - Fr.: 15 - 17.30 Uhr

Humpty Dumpty ist

endlich geschlüpft

(cai) Warum ist in etwas mehr als drei Wochen Weihnachten? Na warum wohl? (Blöde Frage.) Weil beim Gerersdorfer Zeichnungen und Radierungen von Paul Flora hängen. Das ist jedes Jahr so. Zwischen diesen beiden Ereignissen besteht also definitiv ein kausaler Zusammenhang. Hm. Was war vorher da? Der Rabe oder das Ei (in W-ei-hnachten)?

Die Wände sind erstaunlich gut gefüllt (dafür, dass seit dem Tod des "Herrn der Raben", seit 2009, ja nix Neues mehr nachkommt), aber anscheinend muss Galerist Horst Gerersdorfer den menschelnden Zoo, die trink- und bergfesten Tiroler und die Venedig-Vedouten schön langsam rationieren. ("Einem Sammler hab ich gsagt, er darf diesmal nur eine Zeichnung kaufen.") Der Kalender für 2017 hat trotzdem noch zwölf Blätter. (Kein Opfer des berüchtigten Toblerone-Effekts.) Ein fetter, flugunfähiger Vogel auf einer Mauer: He, der Humpty Dumpty ist geschlüpft! Ein Pinguin, aha. Hätt’ ich nicht vermutet. (Flugunfähig? Okay, runterfliegen kann er.)

Mit pointiertem Strich und Humor erfasst Paul Flora seine liebenswert skurrilen Charaktere. Oder er verdichtet seine Schraffuren zum fulminanten Nachtstück. Sein Nosferatu löst sich in ägyptischer, Tschuldigung: transsylvanischer Finsternis auf. "Lauter Flaschen": Sicher ein Kommentar zur österreichischen Innenpolitik. Wieso hätte er sonst neun Weinflaschen rote Schnapsnasen gemacht? (Der Doppler mit dem Schnauzer hat ja tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem . . .) Prost Neujahr!

Galerie Gerersdorfer

(Währinger Straße 12)

Paul Flora: "Aus Absurdistan"

Bis 23. Dezember

Mi. - So.: 11 - 20 Uhr




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