• vom 28.03.2017, 16:26 Uhr

Kunst


Galerien

Kunst




  • Artikel
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Galerien

Wer hat das weiße Häufchen gemacht? (Couch, Boden.) Jessica Lajard: "Somewhere Where the Grass is Greener." - © M. Baschata/Galerie Steinek

Wer hat das weiße Häufchen gemacht? (Couch, Boden.) Jessica Lajard: "Somewhere Where the Grass is Greener." © M. Baschata/Galerie Steinek

Wenn Dinos Donuts

gefressen hätten


(cai) Man isst ja angeblich auch mit den Augen. Auch? Die Donuts von Taro Meissner kann man gar nicht anders als mit den Blicken aufjausnen. An ihnen würde man sich definitiv die Zähne ausbeißen. (Außerdem liegen sie sehr unhygienisch auf dem Fußboden herum.)

Gut, steinhart ist ja bereits seine legendäre Salami. (Das hat jetzt irgendwie viel unanständiger geklungen, als es gemeint war.) 2014 hat der Bildhauer jedenfalls ein leeres Geschäftslokal in Wien in eine Fleischhauerei verwandelt. Nur dass Wurst und Fleisch nicht vom Schwein oder Rind gestammt haben, sondern aus dem Steinbruch. Das komplette, in Farbe und Struktur täuschend echt aussehende Sortiment war aus Marmor.

Die drei Riesendonuts in der Galerie Reinthaler sind nicht ganz so appetitlich. Schon wegen der Farbe. (Grau.) Die wirken eher wie Fossilien. Versteinerte Lochkrapfen aus der Kreidezeit. Und damals wären diese Dinger sicherlich so groß gewesen. Mindestens. (Wenn also die Saurier Donuts gefressen hätten.) Erstaunlicherweise sind sie aus vorgefertigten Betonteilen vom Bau zusammengestückelt. Wie alles hier. Die rohe, brutale Ästhetik des Materials wird regelrecht zelebriert. (Der Titel "Shinpin" ist übrigens Japanisch. Für "brandneu". Meissner ist nämlich in Tokio geboren worden.)

Fünf Betonreifen rollen verspielt herum ("When We Were Playing All Day Long"), scheinen sich bloß für einen Augenblick auszuruhen. Wie der Sekundenzeiger, wenn man schnell hinschaut. Ein Lastengurt hält drei Scheiben in prekärer Balance, und zwei benützbare Sessel (Winkelsteine auf Stahlbeinen) schweigen sich hartnäckig an. Industriell hergestellte Elemente werden kreativ umoperiert, die klaren Formen mehr oder weniger spannungsgeladen geordnet. Die Betonwüste lebt. (Minimal.)

Galerie Reinthaler

(Gumpendorfer Straße 53)

Taro Meissner, bis 22. April

Mi. - Fr.: 14 - 18 Uhr

Sa.: 12 - 15 Uhr

Ein ganzer

Haufen Ton

(cai) Wir sitzen drauf, wir trinken daraus . . . igitt! Daraus trinken, das tun doch sonst nur die Hunde, oder? Schon. Aber es geht eh nicht um die Klomuschel. Jedenfalls nicht im Speziellen. Sondern um Keramik im Allgemeinen. Drum heißt die Ausstellung ja "KeramiK" und nicht "Bad und Sanitär".

Den Stoff, aus dem das Kaffeehäferl ist (und der selbstgetöpferte Aschenbecher), finden halt auch Künstler faszinierend. Und dann nimmt man ihre Sachen weniger ernst, als wenn sie aus Stein oder Bronze wären. "Das tut man immer ein bissl als Handarbeit ab." (Dietgard Grimmer, die Kuratorin.) Muss man in der Galerie Steinek jetzt also betont seriös dreinschauen? In Jessica Lajards fröhlich buntem Wohnzimmer würde einem das freilich sowieso nicht gelingen. He, das "Schoßhündchen" auf der Couch ist eindeutig ein Männchen! No na. Das besteht ja lediglich aus einem Penis. Und es ist nicht stubenrein. Hat ein Porzellanhäufchen hinterlassen.

Überhaupt eine ziemlich erotische Technik. Das Kneten, die sinnliche Glasur . . . Die bunten Säfte lässt Elmar Trenkwalder gschmackig über seine opulenten Oberflächen fließen. Ob das noch jugendfrei ist? Und Gerold Tuschs Prunkvasen muss man einfach begrapschen. Die haben gepolsterte rote Samtschwellungen. (Nein, auch die Kunst ist nicht selber schuld, wenn sie sexuell belästigt wird. Okay, die vielleicht schon.) Dagegen ist Barbara Reisingers leibhaftiges 3D-Bild fast asketisch. Und trotzdem aufregend. Wirkt wie gemalt, das Stillleben (nach einem Gemälde von Giorgio Morandi). "Nature Morte" von Jeanne Susplugas: Alles weiß wie bleiche Knochen. Das Obst, das Handy . . . Und als Vanitassymbole: Revolver und Tabletten. Unheimlich real. Da soll noch einer sagen, bei der Keramik ginge es nicht um Leben und Tod.

Galerie Steinek

(Eschenbachgasse 4)

"KeramiK", bis 15. April

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-28 16:30:13



Bildende Kunst

Franka Lechner

Geboren 1944 in Wien; die frühe Kindheit verbrachte sie in Südamerika, die Schulzeit in Wien. 1962-64 Studium an der Akademie der Bildenden Künste bei... weiter




Bildende Kunst

Reinhard Vitus Gombots

Geboren 1961 in Bildein (Burgenland); 1989-1992 Aktzeichnen und Modellieren; 1993 Besuch der Sommerakademie Salzburg; 1995 -1997 Gestaltung der Roma-... weiter




Fotografie

Marylise Vigneau

Aufgewachsen in einer konventionellen Familie in Paris, entwickelte Marylise Vigneau schon früh den Wunsch, durch Schlüssellöcher zu schauen und auf... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Irrsinn der Macht
  2. Drei Säulen auf unsicherem Fundament
  3. Spiellaune und Schwung
  4. Gleichsam nackt
  5. Spiel dich – verkühl dich nicht!
Meistkommentiert
  1. Helene Fischer muss zwei Wien-Termine streichen
  2. Der Irrsinn der Macht
  3. Drei Säulen auf unsicherem Fundament


Bille August.

Am Donnerstag, 15. Februar 2018, ging die Eröffnung der 68. Berlinale über den roten Teppich. Zahlreiche Stars aus nah und fern waren mit dabei.

Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer. Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede

Werbung



Werbung


Werbung