• vom 04.04.2017, 16:57 Uhr

Kunst


Galerien

Kunst




  • Artikel
  • Lesenswert (28)
  • Drucken
  • Leserbrief





Michael Endlicher zitiert eben gern Kunstkritiker. Ein kleiner Sadist offenbar. Freilich einer mit Humor. "Dieses Bild ist dieses Bild und nichts darüber hinaus": Obiges Zitat in seinen eigenen Worten? (Oder ist er ein Masochist? Im Video "Discussion" wird er ja zum regelrechten Märtyrer der Hermeneutik. Spuckt wie besessen total gscheite Sätze aus.) Endlicher: "Ich mag dieses Überfordern der Leute. Oder sag ma: ,Fordern.‘ Und das ,Über‘ davor in Klammer." Im Bildraum 07 gelingt ihm das bravourös. Bereits durch die Petersburger Hängung. (Alles auf die Wand draufklatschen, was man zu bieten hat.) Eine wilde Auswahl aus seinem vielfältigen Schaffen. Zentral: die Sprache.

Die "Dramenbleche" hätten echt das Zeug zur numerologischen Weltliteratur. Drei Wörter mit demselben Zahlenwert (A = 1, B = 2 . . .) auf einem Alublech erzählen erstaunlich brisante Geschichten: "92 Wahrheit - Politik - Schmerz." Und wieso sind die Namen Brus, Goya, Paik und Dalí zusammen auf einer Leinwand drauf? Weil die alle aus vier Buchstaben bestehen. Und immer wieder Selbstporträts. Meist gesichtslose. Auf einem ist ein Kranz abgelegt worden. Ein Kranz? Ist die Ausstellung womöglich ein Friedhof? Ach, deshalb die Nilpferd-Maske aus Kamerun! (Die trägt der Medizinmann bei Begräbnissen.) Und wer ist gestorben? Doch hoffentlich nicht die Malerei schon wieder. Nein, aber die Asseln, die in einer Mischtechnik bestattet worden sind, sind eindeutig tot. Und dieser sprechende Spiegel will mich anscheinend in den Selbstmord treiben. Mit autogenem Training. Dauernd sagt er: "Ich ruhe in Frieden." Tschuldigung: "Ich bin ganz ruhig." Und zum Schluss: "Ich werde es mit Stil beenden." (Es: mein Leben.)

Überall begegnet man sich selbst, blickt in einen Spiegel, fertigt also ein Selbstporträt an und wird selber zum Künstler. Kriegt eine Identitätskrise. Wie der Künstler, der mit dem Kritiker eins wird.

Bildraum 07

(Burggasse 7 - 9)

"Was tun? Frage nicht!", bis 5. Mai

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-04 17:03:05



Fotografie

Hans Weiss

Geboren 1950 in Hittisau/Vorarlberg; seine fotografische Ausbildung erhielt Hans Weiss am International Center of Photography in New York und an der... weiter




Fotografie

Gerlinde Miesenböck

Geboren 1978 in Freistadt; PhD an der Kunstuniversität Linz; Mag.art. für Visuelle Mediengestaltung/Grafik-Design & Fotografie an der Kunstuniversität... weiter




Fotografie

Robert Rutöd

Geboren 1959 in Wien, Fotograf und Filmemacher; seine Arbeiten wurden weltweit auf zahlreichen Festivals und Ausstellungen gezeigt und erhielten... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tausend Tränen tief
  2. Neue Wege auf dunklen Straßen
  3. Stürmisch
  4. Mit breitem Pinsel dünn aufgetragen
  5. Schwitzen und seufzen
Meistkommentiert
  1. Das Mittelmaß des Wahnsinns
  2. Mit breitem Pinsel dünn aufgetragen
  3. Dialekt jenseits seiner Grenzen
  4. Intensität ohne Netz
  5. Sängerin der Cranberries gestorben


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung