• vom 05.04.2017, 17:00 Uhr

Kunst

Update: 05.04.2017, 21:54 Uhr

Ausstellungskritik

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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Secession zeigt Anoka Faruqee, Rosa Barba und Jean-Luc Moulènes Secessions-Knoten.

Erinnerungen an Josef Albers Farbtheorien mit Anoka Faruqees "2015P-08".

Erinnerungen an Josef Albers Farbtheorien mit Anoka Faruqees "2015P-08".© Anoka Faruqee Erinnerungen an Josef Albers Farbtheorien mit Anoka Faruqees "2015P-08".© Anoka Faruqee

Die Secession eignet sich besonders für Reflexionen über die klassische Moderne. Und so bildet der Hauptraum für den Konzeptkünstler Jean-Luc Moulène eine Verknotung, die er als Metapher für diesen basilikalen Raum nutzt, indem er ihn mit schwarz lackierten Brettern bandartig durchschneidet. Die Konstruktion in mathematischer Poesie ist für ihn der Mengenlehre nahe, da fünf Knoten durch ihre Überschneidung einige Segmente bilden, in die der Künstler seine Objekte zwischen Skulptur und Alltagsgegenstand stellt: ein offener Hut, ein blauer Plastiksessel mit angelehnter Sense, ein Lavoir mit einem Bund gelber Narzissen, Knöpfe und Kaffeebohnen. Sie bleiben gewollt rätselhaft, während die Neongelb-Schwarz-Farbsymbolik wie in der Typografie konkrete Präsenz behält.

Wahrnehmungsfragen

Information

Barba, Faruqee und Moulène
Secession
Bis 18. (Moulène) und 25. Juni

Im Grafischen Kabinett sind die neuen Bildserien der amerikanischen Malerin Anoka Faruqee dem "Visible Spectrum" der Farbtheorien des Bauhäuslers Josef Albers verbunden, der nach 1938 seinen Einfluss über Europa hinaus durch Unterricht der Generation des abstrakten Expressionismus ausdehnte. Seine Wahrnehmungsfragen zu Form und Farbe im Lichte geometrischer Struktur erscheinen Faruqee für ihre seit 2012 entstehenden Werkgruppen "Moiré Paintings" und "Circle Paintings" wieder aktuell.

Jedoch geht sie auch in die Geschichte des Ornaments zurück in islamische Kulturen im orientalischen und indischen Raum, aber auch digitale Computerscreens wirken mit, wenn es um die schimmernde Oberfläche und Interferenzen von meist vier Grundfarben und ihre Übergänge geht. Die Texturen werden in die feuchte Farbmasse mittels Spachtel und einer sehr kontrollierten Handbewegung im Kreis oder wellenförmig eingekerbt - es ist legitim dabei an den österreichischen Künstler Jakob Gasteiger zu denken. Auch die Geschichte des Ornaments ist gerade in der Secession mit ihrem Gesamtkunstwerksgedanken schon um 1900 mit Beiträgen Leopold Stolbas zu finden. Das changierende Moiré war aber vor allem eine Errungenschaft der Op-Art, darüber hinaus ist aber bei Faruqee die kleine Fehlerstelle mit Rinnspuren und Kanten erlaubt, um das handwerkliche Experiment sichtbar zu machen. Ein Muster als Paradox langer Geschichte, das die in New Haven lebende Malerin mit erster Personale in Europa passend in die Secession führt.

In den Galerieräumen des Kellers präsentiert die deutsch-italienische Künstlerin Rosa Barba mit "Spacelength Thought" ihren skulpturalen und, wie sie es nennt, anarchischen Umgang mit Film. Es gibt zwei kinetische Boxen, in denen sie spezielle 35- mm-Filmstreifen in Leuchtkästen schlingernde Ornamente vollziehen lässt, angetrieben von zwei bis drei Spulen. "Stellar Populations" und "Bounderies of Consumption" gehen spielerisch mit dem flüchtigen Bild um. Unbelichteter Filmstreifen oder Konstruktionsmaterial als anders konsumierbare Ware dienen einer Bildhinterfragung im digitalen Zeitalter.

Daneben geht es Barba um den Begriff des Archivs und Reflexionen darüber - dazu nützt sie den Auftrag der Foundation Alexander Calders, um mit "Enigmatic Whisper" 2017 eines seiner Mobiles an der Decke des Ateliers in Roxbury mit der Improvisationsmusik von Jan St. Werner, John Colpitts und Andrew Barkers zu poetischer Dichte zu verknüpfen. Ein 35-mm-Film "The Hidden Conference: About The Shelf And Mantel" 2015 führt uns ins Depot der Tate Gallery in London, wo eine fiktive Kommunikation zwischen den gelagerten Werken beginnt. Auch ihre sozialen Film-Projekte wie "Disseminate And Hold" zum brutalen Einschnitt der Stadtautobahn durch São Paulo unter der Militärdiktatur 1969, und "Somnium" über den künstlich angelegten Hafen von Rotterdam mit parallelem Text Johannes Keplers von 1608, führen uns in eine utopische Randsituation: Ein Imker pflegt trotz oder wegen fraglicher Balance unseres Ökosystems seine Bienen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-05 17:09:05
Letzte nderung am 2017-04-05 21:54:46



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