• vom 09.05.2017, 17:03 Uhr

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Außen begrenzt von sechs Flächen, innen grenzenlos: der Würfel von Brigitte Kowanz ("Reality Check").

Außen begrenzt von sechs Flächen, innen grenzenlos: der Würfel von Brigitte Kowanz ("Reality Check").© Tamara Rametsteiner, Courtesy: Galerie Krinzinger und Brigitte Kowanz Außen begrenzt von sechs Flächen, innen grenzenlos: der Würfel von Brigitte Kowanz ("Reality Check").© Tamara Rametsteiner, Courtesy: Galerie Krinzinger und Brigitte Kowanz

Räume

pflanzen


(cai) Man sieht ihn nicht (höchstens indirekt), er ist geruchlos (außer jemand düftelt ihn mit einem Raumspray ein) und geschmacklos (na ja, hängt von der Einrichtung ab). Um zu bemerken, dass er da ist, braucht man also sowieso ein bissl Vorstellungsvermögen. Okay, oft helfen einem die Wände dabei. Und auf denen von der Artmark Galerie befasst man sich jetzt grad kreativ mit diesem dreidimensionalen Phänomen: dem Raum ("imagine space").

Manfred Makra macht das sehr direkt. Appliziert seine Farbe auf die Architektur. Kompakte Wandinstallationen. Analytische Minidramen, wo die Dimensionen (Linie, Fläche, bemalte Holzklötze) ihre Spannungen gesittet austragen. Bei Barbara Höller zieht die Schwerkraft die Linien. Nämlich nach unten. Die flüssige Farbe. Schnurgerade. Und durch gezieltes Drehen des aufgespannten Stoffes knüpft die Künstlerin ein Netz von unglaublicher Präzision und mit diskreten 3D-Effekten. Franz Riedl wiederum ist ein virtuoser Chirurg. Er zeichnet mit dem Messer komplexeste Raumillusionen.

Beseelte Perfektion: Josef A. Moser haucht seinen weißen Objekten einen bunten Odem ein. Einen diffusen Farbnebel. Das ist keine Magie, sondern Physik. Reflexion. (Die schwebenden Flächen sind versteckt auf der Rückseite eingefärbt.) Und wie nennt sich die Richtung vom Guido Kucsko? Lustiger Minimalismus? Oder "listiger"? Der Künstler und Anwalt für Urheberrecht zieht sozusagen Malewitschs schwarzes Quadrat in die Länge und kritzelt aufs Taferl intim drauf: "Why am I so minimal." Galerist Thomas Mark bezieht die Ironie gleich auf sich: "I bin selber so a bacchantischer Typ, ich liebe aber das Reduzierte." Dann rebellieren die Rechtecke auch noch gegen ihre Zweidimensionalität. Zerknittern. (Witzig.)

Artmark Galerie

(Singerstraße 17)

"imagine space", bis 3. Juni

Do., Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Am Anfang der

Unendlichkeit

(cai) Kennen Sie den? Nämlich den folgenden Dialog aus einem Film von Martin Scorsese, wo der eine Einbrecher sagt, er würde viel lieber den Fernseher mitnehmen als das seltsame Kunstwerk? Darauf der andere: "Du hast doch keine Ahnung. Einen Fernseher du kannst machen aus, Kunst du hast immer." (Hört sich für mich eher abschreckend an.)

Die Kunst der heurigen Biennale-Teilnehmerin Brigitte Kowanz, die sich den Österreich-Pavillon in Venedig mit dem Erwin Wurm teilt, kann man aber sehr wohl ausschalten. Zumindest finster machen. Und wenn sie an ist, sieht man fern. In die Ferne. Sogar bis zur Unendlichkeit. Der Blick wird rasant eingesaugt. Von endlosen Tunneln aus zu Wörtern verbogenen Neonröhren zum Beispiel. Virtual Reality geht also auch analog. Ohne Computer. Dafür mit Spiegeln. "Re_Union" (Galerie Krinzinger) heißt die stimmungs- und effektvolle, poetische Ausstellung, die Räume entgrenzt. Wiedervereinigung? Damit ist vermutlich nicht die Hoffnung auf eine reumütige Rückkehr der Briten nach dem Brexit gemeint. Weil das wäre die "Bre_Union". Oder schon? Vielleicht ein bissl. Die Botschaft der Serie "Cables" dürfte ja sein: Zusammenhalt und Einigkeit in Europa. Und: Weltfrieden. In den beliebigen Schnörkeln (jedenfalls kein Steno) ist jeweils ein Datum versteckt. Oder eigentlich dahinter. Im (künstlichen) Schatten. Morsezeichen. Der "Fall of the Wall" von Berlin oder der Tag, an dem der EU der Friedensnobelpreis zuerkannt worden ist. Zum Entschlüsseln benötigt man eventuell doch den Computer. Um den Morsecode zu googeln. (Oder man liest einfach die Bildtitel auf der Preisliste.) Abstraktes mit Aha-Effekt.

Jedes Objekt eine Reise an die Grenzen der Wahrnehmung. Der "Reality Check" (die Leuchtschrift vervielfältigt sich zum Chaos): ein Würfel mit den Maßen 60 Zentimeter mal 60 Zentimeter mal unendlich. Denn wenn man sich drüberbeugt, hat man das Gefühl, man könne bis zum Mittelpunkt der Erde schauen und noch viel weiter. (Bis nach Australien?) Nix für Leute mit Höhenangst.

Nicht alles, was wirklich ist, ist real. Ja eh. Manches davon ist virtuell. Und es existiert trotzdem.

Galerie Krinzinger

(Seilerstätte 16)

Brigitte Kowanz, bis 24. Mai

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr




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