• vom 30.05.2017, 16:15 Uhr

Kunst

Update: 31.05.2017, 18:08 Uhr

Galerien

Kunst




  • Artikel
  • Lesenswert (53)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Galerien

Island ist ein Ölgemälde. Und Menschen? Mit freiem Auge kaum zu sehen. Na ja, der eine ist hinter der Kamera: David Mascha. - © David Mascha

Island ist ein Ölgemälde. Und Menschen? Mit freiem Auge kaum zu sehen. Na ja, der eine ist hinter der Kamera: David Mascha. © David Mascha

Den Strich auf den Punkt bringen

(cai) Laut Ausstellungstitel kriegt man "Striche" geboten. Das trifft es natürlich nicht einmal annähernd. Punkte sind nämlich auch welche zu sehen. Die Arbeiten von Michela Ghisetti sind sogar geradezu pointillistisch.

Der Stefan Zsaitsits macht aber eh vor allem Striche. Handfeste. Robuste. Mit dem Bleistift. Fabuliert wild drauflos. Hält mit seinen reichhaltigen Zeichnungen den Blick minutenlang bei Laune. Das allein ist schon eine Leistung. Erzählt surreale, oft ziemlich düstere Geschichten, in denen man ständig neue, verstörende Details entdeckt. He, der Badegast treibt auf seiner Luftmatratze an einem Hügelmassengrab vorbei! Überall kleine Katastrophen. "Haus am Pol" (schreibt man Pool nicht mit Doppel-o? - äh, welcher Pool?): Aus dem einen Fenster kommt Rauch, aus einem andern flüchten die Haustiere. Pinguine? Nein, Ameisen. Leben die am Nord- oder am Südpol? Dass der Künstler eine blühende Phantasie hat, gibt er übrigens ganz offen zu. Sein sehr floraler Frühling ("Primavera") ist quasi ein Geständnis. Männchen in Vase, aus dem Hals wuchert ein üppiger Strauß. Ein Selbstporträt als Blumenstillleben? Ein Wolf hat ebenfalls Frühlingsgefühle. Steigt einer Gans nach. Einer Gans? Witzig. Die Zeichnung hängt ja in der Galerie Gans.

Eine wahre Meisterin der delikaten Striche ist Michela Ghisetti. Die hat ihren Bleistift verdammt gut im Griff. An ihre bunte Periode hab ich mich deshalb erst gewöhnen müssen. An die abstrakten Farbgefilde. Hat gedauert, bis ich die Präzision und die Feinheiten erkannt habe. Linien und expressive Gesten lösen sich immer wieder in zahllose sauber gesetzte Punkte auf und die intensivsten Farben "treiben" es sinnlich miteinander. Darf ich mir trotzdem die Bleistiftstriche zurückwünschen?

Galerie Gans

(Kirchberggasse 4)

"Striche", bis 3. Juni

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 12 - 15 Uhr

Verdammt viel

Gegend

(cai) Das ist eindeutig eine Extremsportart: die Landschaftsfotografie. Welche Strapazen da manche auf sich nehmen . . .

Der David Mascha zum Beispiel. Der reist nach Island, kraxelt dort mit Steigeisen und Pickel auf dem Vatnajökull-Gletscher herum und überquert Flüsse, "die teilweise hüfttief und eiskalt sind; da ist es immer ratsam zu erfragen, wie hoch der momentane Wasserstand ist". Klingt wie eine Episode von "Ausgesetzt in der Wildnis". Nur dass der Fotograf und Grafikdesigner aus Wien nicht bloß mit einem Messer, einer Wasserflasche und einem Feuerstein auf der Insel aus Feuer und Eis überleben hat müssen oder gezwungen gewesen wäre, die proteinreichen Augen eines verunglückten Schafes zu snacken. Er war mit Zelt, Schlafsack, Gaskocher "und der notwendigen Nahrung" (Mascha) unterwegs. Und natürlich hatte er die Fotoausrüstung dabei, um diese gewaltigen, von den Elementen geformten Landschaften in atemberaubenden Bildern einzufangen. Ein Bergdrama mit Licht und Wolke, verschneite Hügel (wie in Öl gemalt), das Moos grünt unwirklich auf den Lavafeldern. Und auf dem Vulkansand am Meer sind türkise Gletschereisbrocken gestrandet wie Wale. (Studien zum Klimawandel?)

Die wichtigste (und vielleicht sogar einzige) isländische Wetterregel: "Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach fünf Minuten. Dann wird es noch viel schlechter." Und im Notfall gibt’s ja immer noch das Bildbearbeitungsprogramm. Aber eigentlich nutzt der David Mascha das sowieso nicht, um das Wetter zu ändern, sondern um "das gewisse Etwas" aus dem Motiv rauszuholen. Ist ihm gelungen.

Artbits Galerie

(Lindengasse 28)

"Sculpted Land", bis 3. Juni

Do., Fr.: 14 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-30 16:20:05
Letzte ─nderung am 2017-05-31 18:08:42



Fotografie

Hans Weiss

Geboren 1950 in Hittisau/Vorarlberg; seine fotografische Ausbildung erhielt Hans Weiss am International Center of Photography in New York und an der... weiter




Fotografie

Gerlinde Miesenböck

Geboren 1978 in Freistadt; PhD an der Kunstuniversität Linz; Mag.art. für Visuelle Mediengestaltung/Grafik-Design & Fotografie an der Kunstuniversität... weiter




Fotografie

Robert Rutöd

Geboren 1959 in Wien, Fotograf und Filmemacher; seine Arbeiten wurden weltweit auf zahlreichen Festivals und Ausstellungen gezeigt und erhielten... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tausend Tränen tief
  2. Neue Wege auf dunklen Straßen
  3. Songs aus dem Hochdruck-Kochtopf
  4. Wasser als Metapher
  5. Cool und vital
Meistkommentiert
  1. Das Mittelmaß des Wahnsinns
  2. Mit breitem Pinsel dünn aufgetragen
  3. Dialekt jenseits seiner Grenzen
  4. Intensität ohne Netz
  5. Sängerin der Cranberries gestorben


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung