• vom 18.07.2017, 15:49 Uhr

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Update: 18.07.2017, 16:04 Uhr

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Einen Tschick muss man also eh nicht direkt im Mund studieren. Tom Wesselmanns "Study for Burning Cigarette".

Einen Tschick muss man also eh nicht direkt im Mund studieren. Tom Wesselmanns "Study for Burning Cigarette".© Galerie Hilger Einen Tschick muss man also eh nicht direkt im Mund studieren. Tom Wesselmanns "Study for Burning Cigarette".© Galerie Hilger

Der Mars ist keine Killertomate

(cai) Die Raumfahrt ist ja angeblich eine Form der Weltflucht. Die abstrakte Kunst aber eigentlich auch. So gesehen hat sich Dave Bopp seinen Berufswunsch ("Gerne wäre ich Astronaut geworden") doch irgendwie erfüllt. Obwohl er "nur" Maler geworden ist. Und die Strecke bis zur Internationalen Raumstation (die ist 400 Kilometer von der Erde weg) hat er immerhin schon zur Hälfte geschafft. Halt auf dem Boden. (Geboren in Basel, lebt und arbeitet in Stuttgart.)

"Space Seeds Do Not Turn Into Mutant Killer Tomatoes" nennt er seine Ausstellung in der Bäckerstraße 4. Samen aus dem All verwandeln sich also nicht in mutierte Killertomaten. Sondern? Hoffentlich bloß in "Teenage Mutant Ninja Tomatoes", die total auf Pizza stehen und sich auf jede sofort draufschmeißen. Die riesigen Aluplatten sind freilich viel üppiger "belegt" als Pizzaböden. (Und sie sind eckig.) Multimediale Orgien. Malerei, Collage, und der Computer macht ebenfalls mit. Analoge Malerei wird digital bearbeitet, ausgedruckt, aufs Bild zurückgepickt, dann kommt erneut Acrylharzlack. Sinnlich wuchernde, fremdartige Welten.

Enden die verhaltensoriginellen Gen-Paradeiser (sie brandschatzen, plündern, vergewaltigen und morden) in "Angriff der Killertomaten" nicht auch als abstrakte Kunst? Nämlich als Ketchup? Das runde rote Ding in den intimeren Papierarbeiten ist übrigens keine Killertomate. Dürfte der Mars sein.

Poetisch und fast ein bissl traurig: die Installation "When You Left Me I Left Earth". (Ein Zitat aus "Watchmen".) Häute aus Acrylharzlack. Abgezogen und aufgehängt. Ein begehbares Liebes(kummer)gedicht quasi. Wer sich da wohl so ausgiebig gehäutet hat? In Dave Bopps buntem Kosmos kann sich der Blick jedenfalls verlieren wie das Raumschiff Enterprise in den unendlichen Weiten.

Bäckerstraße 4 - Plattform für junge Kunst
Dave Bopp, bis 28. Juli
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr

Kunst und Kleben

(cai) Kunst kommt von Können. Etymologisch. Und sonst? Von "Sie können mich malen"? (Tschuldigung, ohne "en" am Ende.) Collage kommt dafür eindeutig von Kleben. "Vignette auf Windschutzscheibe" ist trotzdem keine Collage. Oder "Pflasterl auf Haut". Höchstens wenn das ein Künstler macht. Und Künstler kommen von . . . überallher. Die, die derzeit beim Hilger ausstellen, sind aus Österreich, den USA, Tschechien und Island.

"Simply The Best" - hört sich ganz nach einer typischen "Alle meine Künstler (und die sind sowieso die Besten)"-Sommerausstellung an. Mit dem Untertitel nimmt die Sache aber plötzlich eine überraschende Wendung: "Collagen - unterschätzte Werke großer Künstler." Galerist Ernst Hilger: "Ich mag ja Collagen. Das is irgendwie so a Schwäche von mir. Ich mag Papier überhaupt sehr gern." Auch Kleinformate können eine große Ausstrahlung haben. In den gezeigten Arbeiten von Mel Ramos liegt diese theoretisch am Blattgold, praktisch allerdings am Sexappeal seiner Pop-Art. Die eher unscheinbare Zigarette von Tom Wesselmann hat ebenfalls eine Aura. Und da meine ich nicht den aufsteigenden Rauch. Oder kriegt sie die erst, wenn man den Preis sieht? (10.000 Euro.) Und man sich ausgerechnet hat, dass man dafür fast 38.500 Tschick vom Philip Morris kriegen würde? (Marlboro.) Passenderweise ist der "Erwachsenenschnuller" gleich neben den Lippen von Andy Warhol platziert.

Errós kontrastreiche Bildsprache basiert generell auf der collageartigen Kombination von Hoch- und Populärkultur. Überbevölkerte Multikulti-Welten, die niemanden wegen seiner Herkunft diskriminieren. Ob er nun aus einem Comic-Heftl stammt, aus der Politik oder der Kunstgeschichte. Und Hermann Nitsch bringt Objekte aus der katholischen und seiner persönlichen Liturgie in eine ikonisch strenge, kompakte Ordnung. Eigenartigerweise wirkt das Pflasterl neben der priesterlichen Stola gar nicht banal.

Wenn jetzt ein Staudacher (ein Werk von ihm, nicht er selber) eine afrikanische Maske trägt, ist das dann noch eine Collage oder bereits eine Mischtechnik? Der Hilger steht ja nicht so auf Masken. "Ich mag Buddhas." He, und ich Schneekugeln. Falls das wen interessiert. Niemanden? Okay.

Galerie Ernst Hilger
(Dorotheergasse 5)
"Simply The Best", bis 28. Juli
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr





Schlagwörter

Galerien, Kunst, Kultur, Dave Bopp, Collagen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-18 15:54:06
Letzte ─nderung am 2017-07-18 16:04:04



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