• vom 05.09.2017, 16:20 Uhr

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Das Auge schwimmt mit. In ihrer sinnlichen Malerei möchte man am liebsten schnorcheln: Sigrid von Lintig. ("Blaues Kleid II.") - © Galerie Frey

Das Auge schwimmt mit. In ihrer sinnlichen Malerei möchte man am liebsten schnorcheln: Sigrid von Lintig. ("Blaues Kleid II.") © Galerie Frey

Das Blaue

unter der Sonne


(cai) "Blaue Lagune" - ach ja, das ist so ein "Zärtliche Cousinen"-Film aus dem Jahr 1980, wo zwei Kinder (der Vater des Buben ist der Onkel des Mädchens) auf einer einsamen Insel stranden und dann in der Pubertät Sex haben. Ach nein, das ist diese Ausstellung von Otto Zitko. 2017. Galerie Thoman.

Im titelgebenden Triptychon schaut jedenfalls niemand wie die Brooke Shields aus. Der Mittelteil ist nämlich ein Spiegel, und als ich hineingeblickt habe, war da nur diese Claudia Aigner. Die Arbeiten "spielen" halt nicht in der Südsee, sondern auf Island. Dort heißt ein Thermalfreibad "Blaue Lagune".

Mehr als 15 Jahre hat Zitko (Markenzeichen: die gekritzelte Linie, die forschend und zuckend über Wände wandert und ganze Räume einnimmt wie ein imposanter Vandalenakt) an seiner Island-Serie gearbeitet und sie vorerst im Atelier zurückgehalten. Da gibt’s das typische abstrakte Gewirr aus energiegeladenen, durchaus kraftvollen Endloslinien. Für mich aber trotzdem immer bloß ein Kricksi-Kracksi, von dem ich nie so recht weiß, was es mir sagen soll (der Weg ist das Ziel?), auch wenn die zeichnerischen Eruptionen das Wesen dieser naturgewaltigen, heißkalten Insel wohl erstaunlich treffend wiedergeben.

Daneben ungewohnt Malerisches. Der Strich will sich völlig zur Fläche verdichten. In einem klaren Blau, das so richtig zum Reinköpfeln ist. Und das einmal von unten schüchtern erwärmt wird. Von einem Orange "aus der Tiefe". Und die unzweideutige Zeichnung von einem Blowjob? Eine ziemlich deftige Liebeserklärung an Island. Geht es hier womöglich überhaupt um Sex? ("Acryl auf Aluminium", "Graphit auf Papier" - klingt zumindest sehr nach künstlerischer Missionarsstellung.)

Galerie Elisabeth &

Klaus Thoman

(Seilerstätte 7)

Otto Zitko: "Blaue Lagune"

Bis 9. September

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Ein Pinsel

macht blau

(cai) So, die Sommerferien sind jetzt vorbei. Die Sommerzeit geht freilich eh noch weiter. Weil die Uhren erst Ende Oktober auf Winter umgestellt werden. Und in der Galerie Frey gilt sogar die echte Sommerzeit ("Real Summertime"). Allerdings nur noch bis zum 16. September.

Dafür gibt’s da einen Pool. Okay, einen gemalten halt, aber man schwimmt ja auch mit den Augen, oder? Sigrid von Lintig füllt ihre Leinwände so überzeugend mit Chlorwasser, dass man das Chlor förmlich riechen kann. Zunächst hält man die Schwimmbecken-Impressionen sowieso für Fotos. Bis man die virtuose Malerei entdeckt. (Platsch! Und die Schwimmerin löst sich im dramatisch aufgewühlten Türkis selber auf. Abstrahiert.) Beim Tom Fleischhauer macht der Pinsel ebenfalls blau. (Viel Blau.) Badeidyllen aus lauter Blautönen. Wo die Sonnenstrahlen tanzen. (Und wie nennt man diesen Tanz? Impressionismus?) Überhaupt wird hier gern das Licht lebendig und warm eingefangen. Bernard Ammerer lockt es mit Fleisch an (einem Bauch), und bei Josephine Scianna darf es mit den Kindern fröhlich mitspielen. (Nicht, dass es reichen würde, sich die sonnigen Bilder anzuschauen, um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen.)

Bekömmliche Schönwetterkunst. Na ja, wann, wenn nicht im Sommer, soll man Urlaub von den Problemen machen? Die Menschen ziehen sich jedenfalls nicht wegen der Erderwärmung so luftig an. Beziehungsweise ist die ganz allein jahreszeitenbedingt. Die modebewussten Passanten, deren Gewand Corrado Zeni mit Hingabe schildert, dürften jedoch irgendwie krank sein. (Keiner glotzt auf ein Handy.) Und liegt’s vielleicht doch am Klimawandel, wenn ein perfektes Gesicht ein bissl mitgenommen ist, als wäre ein Sturm darübergefegt? Hat Harding Meyer seinen Farben nicht den Odem, sondern den Hurrikan des Malens eingeblasen? Leicht, aber nicht seicht.

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Real Summertime

Bis 16. September

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 14 Uhr




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Dokument erstellt am 2017-09-05 16:24:09



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