• vom 22.09.2017, 17:02 Uhr

Kunst

Update: 25.09.2017, 13:39 Uhr

Ausstellungskritik

Die Migration von Hitlers Eiche




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In der Auswahl der künstlerischen Positionen konzentriert sich Fuchs auf den Zeitraum von den 1960er Jahren bis heute. Da finden sich Positionen wie von Marcel Broodthaers, der mit Urlaubsfilmchen, Palmen und Supermarktmusik die ersten Trends der massentouristischen Naturvermarktung aufzeigt, oder die einprägsame Bilderserie von Candida Höfer von zoologischen Gärten rund um den Globus.
Die Fotos vermitteln durch die Inszenierung dramatisch die Idee von Zoos als imperiales Machtzeichen: das Einsperren und die Zurschaustellung von Tieren als Domestizierung durch Kolonialisten.

Auf die Auswirkungen von Kolonialherren nimmt auch die Installation "Ohne Titel (Wasser)" des chilenischen Künstlers Alfredo Jaar bezug. Im Vordergrund stehen drei große Fotolichtboxen mit Meeres- und Wellenmotiven. An der Wand hinter den Boxen ist eine Reihe kleiner Spiegel befestigt und erst beim Nähertreten bemerkt der Besucher, das sich auf der Rückseite der Boxen Fotografien von im Meer schwimmenden Menschen befinden, die partiell in den kleinen Spiegeln dahinter zu erkennen sind. Es sind die verstörenden wie verzweifelten Gesichtsausdrücke vietnamesischer Boatpeople, die dem Krieg in ihrem Land entfliehen wollten. Eine Arbeit aus dem Jahr 1992, der gerade in der heutigen Zeit eine erschreckende Aktualität innewohnt.

Aktuelle Entwicklungen
Auf aktuelle Entwicklungen nimmt Ingeborg Strobl mit einer ihrer letzten Arbeit "Rumex alpinus" bezug: Die vor einigen Monaten verstorbene Künstlerin macht mit Videos, Fotografien und Objekten nachdrücklich darauf aufmerksam, dass die meisten Sennhütten aus den heimischen Alpen verrottet und verschwunden sind. Ein Aspekt, der darauf hinweist, dass das Gros der Landwirte keinen Wert mehr darauf legt, im Sommer die Rinder auf die Alm zu treiben, sondern eher den finanziellen Vorteil in der Massentierhaltung sehen. Was unserem Konsumverhalten geschuldet ist. Kostengünstige Massenware gegen gesunde Qualitäten.

Mit der Ausstellung "Naturgeschichten" ist es Rainer Fuchs gelungen, ein unglaublich umfassendes Thema sehr klug, angenehm unaufgeregt und zugleich fesselnd in einen übergreifenden Rahmen zu stellen. Die einzelnen Blöcke vernetzen sich miteinander, sind nicht voneinander abgespalten und daher wird der Besuch zu einem nachvollziehbaren und nachhaltigen Parcours unterschiedlicher, künstlerischer Zugehensweisen.

ausstellung

Naturgeschichten -
Spuren des Politischen

Rainer Fuchs (Kurator)

Mumok Wien

Bis 14. Jänner 2018

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-22 17:06:07
Letzte ─nderung am 2017-09-25 13:39:05



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