• vom 28.09.2017, 16:50 Uhr

Kunst

Update: 28.09.2017, 17:00 Uhr

Vienna Design Week

Wenn die Kreditkarte zur Gabel wird




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





Im Blauen Haus sorgen zwei Gegenüberstellungen des Gastlandes Rumänien für Spannung. Auf der einen Seite dokumentiert die Polytechnische Universität aus Timisoara eindrücklich die rumänische Diaspora und den damit einhergehenden Verlust kreativen und intellektuellen Potenzials des Landes. Auf der anderen Seite präsentiert sich aktuelles rumänisches Design als mehrheitlich ländlich-tradierte Handwerkskunst. Ein unmittelbarer, gewollter Zusammenhang?

Ein Projekt, das sich eindrucksvoll aus der Schau hervorhebt, ist die Präsentation traditioneller Gebrauchsgegenstände (meist aus Kupfer) der Roma, die mit kleinen zeitgenössischen Applikationen versehen wurden. Einige dieser Gegenstände können seit heuer in einem neu eingerichteten Shop in der Zentrale Nord erworben werden.

Kein regulärer Festival-
oder Museumsshop

Im Mittelpunkt steht nicht nur der Verkauf von Produkten, deren Ausarbeitung und Design gefällt, sondern die Intention, mit dem Erwerb Gutes zu tun. Die Produkte stammen von sozial engagierten Unternehmen wie Goodgood, Magdas Design oder Nut & Feder, die die Zusammenarbeit internationaler Designer mit den handwerklichen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen fördern.

Die soziale und gesellschaftliche Relevanz zeitgenössischen Designs stellt auch Ineke Hans in den Mittelpunkt ihrer Ausstellung "Was ist Loos?" in der Kunsthalle am Karlsplatz.

Für die niederländische Designerin geht es unbedingt darum, jede Funktion, jeden Anspruch von Design zu hinterfragen - auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung abzuklopfen. In ihrer kleinen wie sehenswerten Präsentation zeigt sie Arbeiten und Entwürfe, die auf die Herausforderungen gegenwärtigen Wohnens und Arbeitens reagieren. Etwa mit dem Entwurf eines Tisches, der über die Online-Plattform "Opendesk" angeboten wird und von einer weltweiten Kooperative von mehr als 500 kleinen Tischlereiunternehmen nach einer Bestellung via Internet angefertigt wird. Das erspart nicht nur teuren und umweltschädigenden Transport, sondern stärkt auch kleine Unternehmen in der jeweiligen Region.

Oder die Kreditkarte, die sich mit ein, zwei Handgriffen in Löffel und Gabel verwandeln lässt: Nach einem Aufenthalt der Designerin in der USA ein humorvolles Plädoyer, den übertriebenen und oft fettreichen Konsumwahn zu überdenken, um sich gesünder zu ernähren - die Gabel für den Salat und der Löffel für das Joghurt.

So sehenswert und kurzweilig Ineke Hans‘ Ausstellung ist, sie macht wieder deutlich, an welche Grenzen die Präsentation zeitgenössischen, angewandten Designs in einem museal-institutionellen Umfeld stößt: Die Gebrauchsgegenstände werden zu unnahbaren Ausstellungsobjekten geadelt. Der Besucher darf sich ihnen weder zu sehr nähern, noch dürfen sie berührt, besessen oder erfühlt werden. Das Verlangen muss sich der Besucher für den nächsten Besuch beim schwedischen Möbelhaus aufheben.

zurück zu Seite 1




Schlagwörter

Vienna Design Week

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-28 16:54:13
Letzte Änderung am 2017-09-28 17:00:08



Fotografie

Sonja Bachmayer

Geboren 1960 in Ybbs an der Donau; Studium der Ethnologie an der Universität Wien; 2000-2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am... weiter




Bildende Kunst

Johannes Deutsch

Geboren 1960 in Linz; studierte Grafik und Medienkunst (1975- 1980) an der Höheren Lehranstalt für Kunst und Design in Linz und am... weiter




Bildende Kunst

Tatjana Hardikov

Geboren 1977 in Zagreb/Kroatien; 2002-2004 Akademie der bildenden Künste Wien Prof. Franz Graf; 2004-2005 Erasmus-Stipendium Accademia di belle Arti... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Neue szenische Wege
  2. Hosentürlreiber mit Jukebox-Hintergrund
  3. Schatten in der Nacht
  4. Permanente Rutschgefahr
  5. Auffi, obi - und eini
Meistkommentiert
  1. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
  2. Interkontinental


Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

Werbung



Werbung


Werbung