• vom 10.10.2017, 16:04 Uhr

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Sterben für die Kunst muss diese Cochenille-Laus. Für ein Bild von Johanna Kandl.

Sterben für die Kunst muss diese Cochenille-Laus. Für ein Bild von Johanna Kandl.© H. und J. Kandl Sterben für die Kunst muss diese Cochenille-Laus. Für ein Bild von Johanna Kandl.© H. und J. Kandl

Malen kommt von

Multiplizieren


(cai) Er ist kein Quantenphysiker. (Das sind diese Tierquäler, die ihre Katzen so perfide vergiften, dass diese sowohl mausetot als auch quicklebendig sind.) Eh nicht, er ist Maler. Trotzdem ist es mit seiner Malerei ein bissl wie mit Schrödingers Katze. Ach, sie ist bereits hinüber und zugleich noch am Leben, und erst, wenn man nachsieht, entscheidet sie sich für eins von beidem? Nein, aber Martin Schnurs Bilder (bechter kastowsky galerie) sind voller Paradoxien. (Und voller Brüche.)

Die Menschen sind drinnen und draußen oder es ist Tag und Nacht. Alles gleichzeitig. Und das, obwohl man ganz genau hinschaut. Oder gerade weil. Die Bild-im-Bild-Technik. Im Grunde lauter gemalte Collagen. Der Avramidis-Schüler, der von der Bildhauerei zur Malerei konvertiert ist, geht ja tatsächlich von kreativ kombinierten Fotos aus. Woher er die hat? Die macht eine Fotografin für ihn. Die Daniela Beranek. Wie ein Regisseur inszeniert er seine Modelle und das Licht. Setzt raffiniert Spiegel ein. Lustvoll führt er den Betrachter in die Irre, der sich in den Reflexionen und abrupt wechselnden Räumen zu orientieren versucht. Springt vom Interieur zur wildromantischen Landschaft. Zieht den Himmel wie ein Rollo herunter.

Seine Malerei (auch auf warmrotem Kupfer): sinnlich. Besonders wie er das Licht einfängt. Mit dem Spinnennetz zum Beispiel, an dem es gleißend und funkelnd picken bleibt. Der Pinsel: geradezu ein erotisches Instrument. Nicht, dass die "Non finito"-Serie, wo die nackte Leinwand mitspielen darf, ein Coitus interruptus wäre. Auch wenn das auszuckende Malgerät einfach mittendrin abhaut. Ziemlich sexy ist es allerdings schon, wie sich der Martin Schnur hier spontan aus der Natur rausmalt. Sich freimalt.

bechter kastowsky galerie

(Gluckgasse 3, Mezzanin)

"Imagina", bis 28. Oktober

Do., Fr.: 10 - 19 Uhr

Sa.: 10 - 15 Uhr

Kann man die

Kunst essen?

(cai) Und? Welche drei Dinge würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen? Der Helmut Kandl müsste da gar nicht lange überlegen: "Essen und Trinken sind die drei schönsten Sachen." Sind das nicht vier? Weil Essen zählt ja eigentlich für drei, oder? (Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise.)

"Material Touch": Die aktuelle Ausstellung von Johanna und Helmut Kandl (sie malt, er kocht und fotografiert, beide reisen und filmen - und essen) ist überhaupt sehr materialreich und sinnlich. Und man lernt sogar was. Über die Rohstoffe der Malerei, was die bunte Welt im Innersten zusammenhält (Bindemittel), und ob man’s essen kann. Beim Recherchieren nimmt das Künstlerpaar einige Strapazen auf sich. Johanna K.: "Man muss auf einen richtig hohen Berg steigen. Der ist richtig steil. Und es ist richtig heiß." (Auf der Insel Palawan. Beim Kopal-Harz.) Auf dem Roten Planeten waren die zwei auch. Okay, auf der Insel Hormuz im Persischen Golf, aber dort schaut’s aus wie auf dem Mars. Siehe die Fotos vom Helmut K. Die rote Erde färbt auf alles und jeden ab. Auf die, die sie abbauen, auf eine Wand im GPLcontemporary, und auf einer Art Palatschinke macht sie ein "Dripping". Einfühlsam zeigen die Bilder und Filme die arbeitenden Menschen. Daneben: Materialproben, die man einfach angreifen muss. Na ja, den Kaktus vielleicht nicht. Außerdem hat der Läuse. Cochenille-Schildläuse. Quasi den Todeskuss drückt Johanna K. einer weißen Leinwand auf. Weil für das Rot im Lippenstift müssen diese Viecher ja angeblich ebenfalls dran glauben. (E 120 klingt irgendwie appetitlicher.)

Helmut K. ergänzt mit witzigen Fotopaaren. Mit erotischem Humor. Links: seine Frau ästhetisch nackt am Wasser, rechts: ein Federnmassaker. "Da hat die Leda den Zeus ordentlich grupft." Hat die nicht später Eier gelegt? Ja. Freilich nicht, um daraus Eitempera zu machen (mit der die Johanna malt) oder Mayonnaise (mehr das Spezialgebiet vom Helmut), die übrigens beide nach demselben Grundrezept hergestellt werden: Ei und Öl. (Eitempera, o mores!)

GPLcontemporary

(Sonnenfelsgasse 6)

"Material Touch", bis 19. Oktober

Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr

Sa.: 10 - 16 Uhr




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Dokument erstellt am 2017-10-10 16:09:14



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Geboren 1960 in Linz; studierte Grafik und Medienkunst (1975- 1980) an der Höheren Lehranstalt für Kunst und Design in Linz und am... weiter




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Geboren 1949 in Innsbruck; Fotografenlehre für Werbung und Industrie; 1970-1979 Leitung der Fotodokumentation an der Universitätsklinik für... weiter





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