• vom 10.11.2017, 16:13 Uhr

Kunst

Update: 10.11.2017, 16:23 Uhr

Louvre

Ein UFO für die Kunst




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  • Die Louvre-Dependance in Abu Dhabi prunkt mit kühner Architektur und erzählt die Menschheitsgeschichte in Artefakten.

Der neue Louvre zeigt Werke von Leonardo da Vinci bis Ai Weiwei. Emmanuel Macron (u.r.) eröffnete ihn mit Mohamad Khalifa al-Mubarak (l.) und Prinz Mohammed bin Zayed Al-Nahyan (M.). - © ap/afp/Cacace/Jebreili

Der neue Louvre zeigt Werke von Leonardo da Vinci bis Ai Weiwei. Emmanuel Macron (u.r.) eröffnete ihn mit Mohamad Khalifa al-Mubarak (l.) und Prinz Mohammed bin Zayed Al-Nahyan (M.). © ap/afp/Cacace/Jebreili



Abu Dhabi. (eb) Als wäre ein UFO in Abu Dhabi gelandet! - Die bisher einzige Dependance des Pariser Louvre schreibt bereits jetzt Architekturgeschichte. Heute, Samstag, werden der Bau, der mit österreichischer Beteiligung entstanden ist, und die Ausstellung erstmals für Besucher geöffnet. Am Mittwoch hat der französische Präsident Emmanuel Macron das neue Museum bei einer Zeremonie gewürdigt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitte und Kronprinz Mohammed bin Sajed al-Nahjan sowie 400 geladenen Gästen besichtigte der Staatschef den Neubau und sprach von der Schönheit als verbindendes Element.

Mehr als eine Milliarde Euro war dem Louvre genug Anreiz, seinen Namen für 30 Jahre nach Abu Dhabi zu vergeben - samt hunderter Leihgaben. Als Akt der Völkerfreundschaft will man das in Paris und in Abu Dhabi verstanden sehen. Doch es fehlt auch nicht an Unkenrufen: Sei der Louvre nicht eigentlich jene Gemäldegalerie, die dafür steht, dem Adel die privat gesammelte Kunst zu entreißen und sie dem ganz normalen Volk zugänglich zu machen, und das obendrein im ehemaligen Palast des Königs? Und stehe das Emirat Abu Dhabi nicht eigentlich im Widerspruch zu der demokratischen Gesinnung, die sich im Pariser Louvre eben auch ausdrückt?



Doch Öl-Geld regiert die Welt. Wer es hat, kann Prestigebauten aufführen, wie es sie seit den halb mythischen der Antike nicht mehr gab. So sollen weitere vier Museen auf Saadyat Island, der künstlichen Insel vor der Hauptstadt des Emirats, entstehen. Abu Dhabi strebt damit nichts weniger an als die weltweit größte Konzentration von Kulturgütern auf einem Platz. Dazu kommen 30 Hotels, 8000 Villen, 3800 Häuser und drei Yachthäfen. Insgesamt dürften 27 Billionen US-Dollar in das gigantomanische Projekt fließen.


Surreale Lichtlandschaft



Für die Louvre-Dependance hat der französische Star-Architekt Jean Nouvel einen Bau auf Saadyat Island gesetzt, dessen Kuppel allein mit 178 Meter Durchmesser die Größe von fünf Fußballfeldern hat. Ihre Ober- und Unterseite sind mit Gitterstrukturen aus Aluminiumprofilen versehen, die anmuten, als wären sie sowohl von den Arabesken der orientalischen Kunst inspiriert als auch von den Designs mancher Raumschiffe in Science-Fiction-Filmen.

An nur vier Punkten liegt die Kuppel auf dem darunterliegenden Mauerwerk auf und erweckt dadurch den Eindruck, über dem Gebäude zu schweben. Nouvel treibt dabei auch ein raffiniertes Spiel mit dem Licht: Während für die Ausstellungsräume gleichmäßige Lichtverhältnisse vorgesehen sind, inszeniert er an allen anderen Plätzen eine surreal gesprenkelte Lichtlandschaft.



Teile des Museumspavillons stehen zudem im Meer, was ein Wechselspiel von direktem und indirektem Lichteinfall erzeugt und somit ein weiteres Lichtspiel ergibt. Im Zusammenwirken aller Elemente bindet Nouvel seinen Bau an die Wüste an, die Abu Dhabi umgibt, und an das Meer, an die orientalischen Traditionen und an die europäische Moderne. "Poesie, die Schönheit der Weite und des unendlichen Horizonts. Die Wahrnehmung von Sand, Wind und natürlich die Wahrnehmung des Lichts" habe er von dem besonderen Ort gelernt, sagt der Architekt.

Ein einzigartiges Kuriosum des Baus ist übrigens dem heiß-trockenen Klima zu verdanken: Der Louvre in Abu Dhabi kommt ohne eine herkömmliche Dachhaut aus.

Die Ausstellung nun will in 12 Galerien die Menschheitsgeschichte in Kunstwerken erzählen von den ersten Dörfern über die Antike, die Renaissance bis hin zur Gegenwart mit Ai Weiwei. Heidnischer Kult, Christentum und Islam stehen friedlich nebeneinander, und die Pharaonen grüßen Leonardo da Vinci. Welch wunderbare Welt der Harmonie und Eintracht. Jetzt sollten einander nur noch die Zahlen zwischen Paris und Abu Dhabi angleichen: Der Pariser Louvre hat auf Twitter derzeit 1.270.000 Follower, der in Abu Dhabi gerade einmal 24.600. Aber der französische Senior hat ja auch beträchtlich mehr Zeit gehabt, sich einen Namen zu machen.




Schlagwörter

Louvre, Abu Dhabi

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-10 16:17:29
Letzte nderung am 2017-11-10 16:23:20



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