In Berlin ist so etwas vielleicht ein alter Hut, in Wien freut man sich noch über Innovationen wie diese. Künstler, die eine Idee haben, aber keinen Raum, um diese zu verwirklichen, bekommen jetzt ein eigenes Haus. Es ist zwar ein abbruchreifes Haus, dessen Tage buchstäblich gezählt sind, aber das gibt dem Ganzen wieder den besonderen Reiz.
Dieses Abbruchhaus steht im siebten Wiener Bezirk. Bereits der bekannte belgische Street Artist ROA hat sich dort verewigt. Sein schon zu einer Art Wahrzeichen gewordenes Graffiti mit einem Fuchs lieferte auch den Namen für das neue Projekt: 365 - The Fox House. Die Zahl steht für die Zeit, die das marode Haus in der Westbahnstraße 11 noch stehen bleibt. Denn in einem Jahr wird die ehemalige Location des Kunstvereins "das weiße Haus" abgerissen und renoviert.
Kunst, Mode, Essen
Aber was ist nun das 365 - The Fox House? Es soll als Startplatz für junge, talentierte Künstler dienen. Hinter dem Projekt stehen drei Menschen. Ziel sei es einmal, "das Fox House zu etablieren" meint Mitbegründerin Katrin Hofmann, die mit Projekten wie dem Feshmarkt auf sich aufmerksam gemacht hat. Aber das schönste wäre, "wenn ein Künstler im Fox House entdeckt würde und man Jahre später über seine Karriere liest", so Toni Tramezzini, der Fotokünstler, der Hofmann und David Kreytenberg von dem Projekt überzeugt hat.
Ein paar Tage vor der Eröffnung (am 1.März um 18 Uhr) steigt man noch über Schutt und Asche, um in die provisorischen Büroräumlichkeiten zu gelangen. Schon jetzt sei die "Resonanz riesig", meint Toni Tramezzini. "Auch von den Menschen in der Umgebung hier. Vielleicht fehlt so etwas bei uns in Wien". Denn eine Mischung aus Mode und Kunst gäbe es in dieser Art noch nicht.
Es gibt nämlich mehrere Bereiche im Fox House. Zum einen die Gallery, die Foto- und Kunstgalerie. Das Augenmerk liegt sicherlich auf "Urban Photography". Claudio Farkasch präsentiert am Eröffnungstag erstmals seine "Eventfotografie". Auch die vernachlässigte Dokumentarfotografie soll gefördert werden. Im Mai wird es etwa eine Ausstellung mit dem Titel "Pieces of Berlin" geben. Daneben gibt es den Fashionstore, wo Mode von jungen Designern gekauft werden kann. "Die Designer werden ständig wechseln", so Hofmann. Die Stücke kommen von Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum, als auch aus "Tschechien, Ungarn und New York". Wichtig sei, dass der Stil zum Fox House passt. Streetwear also. "Wir wollen junge Designer fördern, die sich keinen Store leisten können", so Toni Tramezzini.
Weitere Häuser gesucht
Die Designer müssen nur wenig Miete zahlen, der Ertrag bleibt aber gänzlich bei ihnen. Nur bei der Kunstgalerie wird ein Prozentsatz mit dem Künstler vereinbart, der dem Fox House zugute kommen soll.
Übrigens werden noch laufend Künstler gesucht. Es werden auch Bewerbungen für die Büroräumlichkeiten entgegengenommen. Außer den Betriebskosten muss man als Künstler dort nichts zahlen. Angst, dass einem die Decke auf den Kopf fällt, muss man übrigens nicht haben. Denn die Räume des Abbruchhauses wurden von einem Statiker geprüft.
Zu Mode und Kunst gehört im anständigen Lifestyle-Kombikonzept auch das Essen: Es gibt Mittagsmenüs und Snacks, aber um 22 Uhr ist Sperrstunde. Man möchte bei den umliegenden Nachbarn durch Lärm nicht in Ungnade fallen.
Das Haus in der Westbahnstraße wird zwar abgerissen, die Idee allerdings soll weiterleben. Das Projekt soll auch in anderen leerstehenden Gebäuden aufgezogen werden. Daher ist man auf der Suche nach Hauseigentümern, die ihr Haus für die Förderung junger Künstler zur Verfügung stellen wollen. "Angst, dass uns die Ideen ausgehen, haben wir nicht", so Tramezzini. Und er braucht auch keine Angst vor der Eröffnung haben. Auf Facebook haben bereits über 1000 Menschen zugesagt.
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