Köln. Es ist ein Entree mit Augenzwinkern: Im Skulpturenpark gleich im Eingangsbereich der Messehalle 11 begrüßen den Besucher zwei hochaufragende Holz-Skulpturen. Sie sind nichts anderes als die zur Kunst erklärten Fußböden aus dem Atelier von Dieter Roth. Mit so geschärftem Blick kann man den Werken des 1998 verstorbenen Schweizer Fluxus-Künstlers, der mit seinem Einwort-Stück "Murmel" an der Berliner Volksbühne gerade zum Kult avanciert, noch häufiger begegnen. Wenn auch ein paar Nummern kleiner - wie bei der Wiener Galerie Konzett.
Die Art Cologne kann sich heuer mit spürbarer Gelassenheit präsentieren. Seit Daniel Hug 2008 in bedrohter Lage die Direktion übernahm, hat sie sich nämlich, allen Unkenrufen zum Trotz, konsolidiert. Kunstwerke haben nichts von ihrer Besonderheit als harte Währungsreserve in Krisenzeiten eingebüßt. Wenn der als Messechef so erfolgreiche Enkel von László Maholy-Nagy es jetzt richtig findet, dass nach dem Aus für das Art Forum Berlin nunmehr keine ernst zu nehmende nationale Konkurrenz mehr existiert, kann man das leicht nachvollziehen.
Zahlungskräftige
Kunden am Rhein
Für die Berliner Galeristen ist der Weg nach Köln offenbar kein Problem. Wohl auch, weil am Rhein ohnehin die zahlungskräftigere Sammlerkundschaft zu finden ist. Von den auf eine Zahl von etwa 200 begrenzten Galerien aus 24 Ländern sind die Berliner denn auch mit 37 die größte regionale Gruppe und damit fast genau so stark wie die aus Düsseldorf und Köln zusammen. Danach folgen München und Österreich mit jeweils immerhin 13 Ausstellern.
Für den Besucher ist die Schau eine große Ausstellung für moderne Kunst. Natürlich gibt es die überall präsenten großen Namen an jeder Ecke zu noch größeren Preisen. Ein paar Nobelgalerien bieten die toten Heroes des 20. Jahrhunderts: Von Ernst Ludwig Kirchner (sein "Weg zur Stafel" bei Henze & Ketterer ist das mit drei Millionen teuerste Einzelstück) über Emil Nolde, Max Ernst und Picasso bis zu Joseph Beuys ist alles da. Natürlich auch die großen 80-Jährigen von heute wie Gerhard Richter und Heinz Mack. Der New Yorker Galerist und Art Cologne Rückkehrer David Zwirner bietet an, was man aus US-Perspektive für wichtig hält: Er präsentiert Isa Genzken, Daniel Richter, Thomas Ruff und den unvermeidlichen Neo Rauch. Für dessen deutschen Entdecker und Galeristen Gerd Harry Lybke ist Rauchs riesige zweite Plastik "Die Jägerin" möglicherweise ein gutes Geschäft, wenn er denn, die 600.000 Euro bekommt. Ein ästhetisches Glanzlicht für die Neue Leipziger Schule ist sie freilich nicht. Was sich mit den wie durch einen virtuellen Sturm gegangenen Bildern von David Schnell schon anders verhält.
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