Wien. Es gibt sie, selten, aber doch: Erfolgsgeschichten, die wie ein Märchen klingen. Eine haben Kristina Schinegger und Stefan Rutzinger vom österreichischen Architekturbüro soma zu erzählen. 2009 hatten sich die beiden Absolventen der Universität für Angewandte Kunst in ihrem Wohnzimmer an einen Wettbewerbsentwurf für Südkorea gemacht - ohne je zuvor auch nur ein einziges Gebäude errichtet zu haben. Am Mittwoch bricht Rutzinger nach Yeosu auf. Dort wird am Freitag die EXPO 2012 eröffnet. Und das von soma geplante, 36 Millionen Euro teure und 6.900 Quadratmeter große Gebäude ist der zentrale Themenpavillon der Weltausstellung.
"Ein wenig überrollt"
"Es fühlt sich für uns nicht falsch an - auch nicht von der Größe des Projekts", antwortet Stefan Rutzinger beim APA-Besuch in den Arbeitsräumen in Wien-Leopoldstadt kurz vor seiner Abreise auf die Frage, ob er sich nicht gelegentlich zwicken müsse, um festzustellen, ob er nicht doch träume. "Zu Beginn wird man schon ein wenig überrollt, weil man mit ungewohnten Dingen konfrontiert wird - mit PR-Arbeit etwa, oder mit internationalen Vertragsverhandlungen. Aber jetzt fühlen wir uns ganz wohl damit. Und wir würden gerne nachlegen."
Leicht dürfte es den südkoreanischen Bauherren dennoch nicht gefallen sein, zu realisieren, dass sie einem gänzlich unerfahrenen Quartett aus Österreich, das weder ein Büro noch eine eigene Website hatte, im Wettbewerb gegen 135 internationale Einreichungen das wichtigste Gebäude ihrer Weltausstellung anvertraut hatten. Noch dazu, wo das Thema der Expo ("The Living Ocean and Coast") nicht eben als ein ur-österreichisches gelten kann. "Bei den ersten Pressekonferenzen war das gleich eine Frage: Wie schaffen wir es als Vertreter eines Binnenlandes, das Thema Meer so gut auszudrücken?", lacht Rutzinger. "Ein Präsentator ist uns dann zu Hilfe gekommen und hat gemeint: Weil wir so intensiv davon träumen..."
Baukörper mit Aussichtsterrassen und Dachgärten
Dass der Traum Wirklichkeit werden konnte und soma nun so etwas wie die österreichischen Vertreter auf der Expo sind, nachdem Österreich selbst auf eine Teilnahme verzichtet hatte, hat auch mit der größeren Offenheit des asiatischen Raums zu tun. "Dort ist man vor allem an Ideen interessiert. Man glaubt, dass man die Umsetzung schon in den Griff bekommen wird." Mit ihren Ideen punkteten auch die Architekten von soma (Griechisch für "Körper"): Sie entwarfen für eine vorgelagerte Insel einen fließenden, geschwungenen Baukörper mit Aussichtsterrassen und Dachgärten, dessen konische Bauteile vom Meer her wie eine abgeschliffene Felsformation wirken, dessen neuartige kinetische Fassade an der Festlandseite dagegen mittels Lamellen veränderbar ist und an einen riesigen, gestrandeten Fisch erinnert.
"Wir haben diese kiemenartige Öffnungen angedacht, aber wie sie tatsächlich realisiert werden können, haben wir damals noch nicht gewusst." Deutsche Ingenieure und ein Bionic-Forschungsprojekt in Stuttgart ermöglichten schließlich die technische Umsetzung. "Dennoch war viel Überzeugungsarbeit zu leisten", sagt Kristina Schinegger. Als einzige des Quartetts wird sie übrigens am Freitag nicht in Yeosu bei der Eröffnungsfeier dabei sein. Der Grund dafür heißt Dorian, ist ganze drei Wochen alt und "unser bisher gelungenstes Projekt", strahlt die Architektin.
Der Erfolg in Südkorea soll, so hoffen die Architekten, weitere nach sich ziehen. Bei einem Wettbewerb um den Taiwan Tower haben sie knapp den ersten Platz verfehlt. In Salzburg (wo soma ein zweites Büro hat) entsteht gerade die Erweiterung der dortigen Bauakademie, nach einem temporären Musikpavillon für die Salzburg Biennale 2011 ihr erster Bau in Österreich. Dass es in Österreich, wo anonyme Wettbewerbe eine Seltenheit sind, schwerer ist als anderswo, haben sie vor nicht allzu langer Zeit erfahren. Beim Wettbewerb für die Erweiterung der Angewandten hätten sie gerne gezeigt, was sie können. Mangels Referenzbauten scheiterten sie bereits vor Projektabgabe. "Wir wurden nicht einmal zugelassen."
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Soma
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