(cai) Was Judith Fegerl mit der Galerie vom Hubert Winter anstellt, ist auf jeden Fall irritierender, als Bilder an die Wand zu nageln. Sie operiert den Ausstellungsraum. Oder nimmt eigentlich minimalinvasive Untersuchungen vor. Und wie sie diesen urlangen Draht in die Wand eingeführt hat, das ist eine chirurgische Meisterleistung. Das grenzt schon an eine Herzkatheter-OP. Weil in meiner heimwerkerischen Naivität hab ich doch tatsächlich geglaubt, sie hätte den Draht pitzelig hinterm Verputz durchgezogen. Und nicht die Mauer aufgestemmt, den Draht versenkt und die Wunde wieder zugespachtelt. Nachher hat sie übrigens Strom durchgejagt. Und der glühende Draht hat eine schwarze Linie ins Weiß gebrannt.
Eine Elektroschocktherapie? Hat sie die Galerie energetisiert, damit sich die Kunst besser verkauft? Nein, das soll uns die verdrängten Stromleitungen bewusst machen. Fegerl prüft Räume nämlich auf Herz und Nieren. Diese speziellen Organe hat sie hier zwar nicht gefunden, aber gilt auch die Blase? Gut, die hat sie selber mitgebracht. Oder ist das ein Selbstporträt als Aquarium ohne Fische? Künstlerinnen enthalten ja enorm viel Wasser (sind halt ebenfalls nur Menschen). Und dieser Wasserbehälter stellt Kunstwerke her. Die eingetunkten Metallplatten werden dann bei der Finissage ausgestellt. Pikanterweise schlürft ein Schlauch das Wasser auf der einen Seite lautstark in sich hinein und spuckt es auf der andern wieder zurück. Kunst ist also doch eine Form der Selbstbefriedigung. Verdammt spröde Arbeiten. Von faszinierender Rätselhaftigkeit.

Galerie Hubert Winter
(Breite Gasse 17)
Judith Fegerl, bis 30. Juni
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 14 Uhr
He, verprügeln wir doch ein Quadrat!
(cai) Die Körpergröße hängt sowieso von der Tageszeit ab. In der Früh ist ein Mensch ja locker zwei Zentimeter größer als vorm Schlafengehen. (Nein, das ist keine Anspielung auf die sogenannte Morgenlatte.) Und im Laufe des Tages staucht einen die Schwerkraft halt wieder zusammen. Der Scheitel geht rauf und runter wie bei einem Jo-Jo. (Okay, nicht ganz so dramatisch.) Angela de la Cruz schrumpft freilich gleich um 30 Zentimeter, sobald sie das Bett verlässt. Ist plötzlich nur noch 1,23 Meter. (Seit sie ein Schlaganfall in den Rollstuhl gezwungen hat.) Und wer jetzt mit einem Maßbandl durch die Galerie Krinzinger schlendert, findet diese 123 Zentimeter überall.
Das ist zum Beispiel die Seitenlänge der quadratischen -lbilder in sturem Schwarz. (-l auf Alu.) Bilder? Ach, eigentlich schon Lebewesen, so körperlich, wie die sind. Die in London lebende Spanierin hat ihre Assistenten mit dem Hammer ordentlich draufhauen lassen, aufs Blech. Die misshandeln also das schwarze Quadrat vom Malewitsch (quasi), und was kommt raus? Frida Kahlo! Die hat ihren geschundenen Leib jedenfalls auch sehr drastisch dargestellt. Und die radikalen, kraftvollen Arbeiten von Angela de la Cruz sind doch ebenfalls insgeheim Selbstporträts. Ja, die umgekippten Plastiksessel, die hilflos wie Käfer auf dem Rücken liegen und im Zement festpicken, sind vielleicht ein bissl melodramatisch.
Galerie Krinzinger
(Seilerstätte 16)
Angela de la Cruz, bis 2. Juni
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Die Romantik lässt sich nicht auf eine Epoche oder einen Stil einengen, sie ist eher eine Gesinnung und mit ihrer dunklen Seite ist sie in der...weiter
Genzo Hattori, der die Firma Seiko groß gemacht hat, sammelte Meisterwerke der japanischen Malerei seit dem 12. Jahrhundert...weiter
"In einer Gesellschaft, die von einem Imperativ der Leistungen gekennzeichnet ist, einem Zwang zur Produktivität, zur Teilnahme an einer unter...weiter
Ab 25. Mai zeigt die Albertina eine große Retrospektive von Gottfried Helnweins Arbeiten. Vieles davon wird zum ersten Mal in Wien zu sehen sein...
weiter
Was eine Retrospektive zum 70. Geburtstag des Malers und Fotografen Manfred Bockelmann werden sollte, reduziert sich jetzt auf zwei Serien mit...
weiter
Jede Woche neu: ein aktuelles Bild aus der Welt der Kunst und Kultur. Falls Sie diesbezüglich Vorschläge haben, schicken Sie uns doch eine Mail.
weiter