• vom 29.05.2012, 16:34 Uhr

Kultur

Update: 29.05.2012, 18:07 Uhr
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Galerienrundgang

Das grätenfreie Aquarium



Sitzen bis zum Umfallen? Und der Zement gibt einem den Rest. Ernüchternde Selbstbeschau von Angela de la Cruz. - Galerie Krinzinger

Sitzen bis zum Umfallen? Und der Zement gibt einem den Rest. Ernüchternde Selbstbeschau von Angela de la Cruz. Galerie Krinzinger

(cai) Was Judith Fegerl mit der Galerie vom Hubert Winter anstellt, ist auf jeden Fall irritierender, als Bilder an die Wand zu nageln. Sie operiert den Ausstellungsraum. Oder nimmt eigentlich minimalinvasive Untersuchungen vor. Und wie sie diesen urlangen Draht in die Wand eingeführt hat, das ist eine chirurgische Meisterleistung. Das grenzt schon an eine Herzkatheter-OP. Weil in meiner heimwerkerischen Naivität hab ich doch tatsächlich geglaubt, sie hätte den Draht pitzelig hinterm Verputz durchgezogen. Und nicht die Mauer aufgestemmt, den Draht versenkt und die Wunde wieder zugespachtelt. Nachher hat sie übrigens Strom durchgejagt. Und der glühende Draht hat eine schwarze Linie ins Weiß gebrannt.

Eine Elektroschocktherapie? Hat sie die Galerie energetisiert, damit sich die Kunst besser verkauft? Nein, das soll uns die verdrängten Stromleitungen bewusst machen. Fegerl prüft Räume nämlich auf Herz und Nieren. Diese speziellen Organe hat sie hier zwar nicht gefunden, aber gilt auch die Blase? Gut, die hat sie selber mitgebracht. Oder ist das ein Selbstporträt als Aquarium ohne Fische? Künstlerinnen enthalten ja enorm viel Wasser (sind halt ebenfalls nur Menschen). Und dieser Wasserbehälter stellt Kunstwerke her. Die eingetunkten Metallplatten werden dann bei der Finissage ausgestellt. Pikanterweise schlürft ein Schlauch das Wasser auf der einen Seite lautstark in sich hinein und spuckt es auf der andern wieder zurück. Kunst ist also doch eine Form der Selbstbefriedigung. Verdammt spröde Arbeiten. Von faszinierender Rätselhaftigkeit.


© Yantra - Fotolia © Yantra - Fotolia

Galerie Hubert Winter
(Breite Gasse 17)
Judith Fegerl, bis 30. Juni
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 14 Uhr

He, verprügeln wir doch ein Quadrat!

(cai) Die Körpergröße hängt sowieso von der Tageszeit ab. In der Früh ist ein Mensch ja locker zwei Zentimeter größer als vorm Schlafengehen. (Nein, das ist keine Anspielung auf die sogenannte Morgenlatte.) Und im Laufe des Tages staucht einen die Schwerkraft halt wieder zusammen. Der Scheitel geht rauf und runter wie bei einem Jo-Jo. (Okay, nicht ganz so dramatisch.) Angela de la Cruz schrumpft freilich gleich um 30 Zentimeter, sobald sie das Bett verlässt. Ist plötzlich nur noch 1,23 Meter. (Seit sie ein Schlaganfall in den Rollstuhl gezwungen hat.) Und wer jetzt mit einem Maßbandl durch die Galerie Krinzinger schlendert, findet diese 123 Zentimeter überall.

Das ist zum Beispiel die Seitenlänge der quadratischen -lbilder in sturem Schwarz. (-l auf Alu.) Bilder? Ach, eigentlich schon Lebewesen, so körperlich, wie die sind. Die in London lebende Spanierin hat ihre Assistenten mit dem Hammer ordentlich draufhauen lassen, aufs Blech. Die misshandeln also das schwarze Quadrat vom Malewitsch (quasi), und was kommt raus? Frida Kahlo! Die hat ihren geschundenen Leib jedenfalls auch sehr drastisch dargestellt. Und die radikalen, kraftvollen Arbeiten von Angela de la Cruz sind doch ebenfalls insgeheim Selbstporträts. Ja, die umgekippten Plastiksessel, die hilflos wie Käfer auf dem Rücken liegen und im Zement festpicken, sind vielleicht ein bissl melodramatisch.

Galerie Krinzinger
(Seilerstätte 16)
Angela de la Cruz, bis 2. Juni
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr




Schlagwörter

Galerien, Kunst

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-29 16:41:12
Letzte Änderung am 2012-05-29 18:07:22



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