
"Wiener Zeitung": Seit 2009, also heuer zum vierten Mal, veranstalten Sie das BLK River Festival. Was hat sich seit dem ersten Mal verändert und mit welchen Schwierigkeiten fühlt man sich als Veranstalter immer noch konfrontiert?
Sydney Ogidan: Wir sind jetzt wieder da, wo wir 2009 begonnen haben. Ohne Förderung, ohne Subventionen, ohne Sponsoren. Der Vorteil ist, dass wir Schritte wahnsinnig schnell umsetzen können, man ist auf niemanden angewiesen und muss niemandem Rechenschaft abliefern. Letztes Jahr haben wir beispielsweise mit "Diesel" als Sponsor gearbeitet, der zwar sehr viel gezahlt hat, aber als Gegenleistung natürlich auch sehr viel wollte. Wenn man jetzt aber mit Street Art zu tun hat, sind gewisse Dinge am kommerziellen Sektor Tabu, vor allem wenn man mit einer gewissen Qualität an Künstlern arbeitet, wie wir es tun.
Über welche Qualitäten reden wir?
Heuer kommt beispielsweise wieder der italienische Künstler "Blu". Sein oberstes Kriterium für die Auswahl der Festivals ist, welche und wie viele Sponsoren dort vertreten sind. Je weniger, desto besser. Mittlerweile haben wir 70 Projekte im öffentlichen Raum gemacht und noch nie eine Genehmigung bekommen, aber auch noch nie nach einer gefragt. Letztes Jahr hatten wir dann zum ersten Mal mit der Polizei zu tun, als zwei Künstler 200 Liter Farbe über ein parkendes Auto gelehrt haben. Optisch natürlich ein Traum! Den dort anwesenden Polizisten gefiel es im Übrigen auch. Das ist unser Alltag. Es ist ein Kampf im öffentlichen Raum. Es wurde nie ausgefochten, wem der öffentliche Raum eigentlich gehört, aber in Wahrheit gehört er doch uns allen.
Ist das Klischee, das Österreich sich geradezu traditionell gegen so progressive Formen der Kunst verwehrt, noch zu halten?
Ich kann nur von Wien sprechen und stelle fest, dass die Leute hier gegenüber jeglicher Form von Aktionen und Irritationen im öffentlichen Raum total aufgeschlossen sind. Was man nicht mag, sind eben "Tags"(Graffiti-Jargon für Signaturkürzel der Sprayer, Anm.). "Tags" sind "schiach" hört man immer wieder. Die Leute wollen dabei aber nicht akzeptieren, dass "Tags" eine Kommunikationsform einer abgeschlossenen Gruppe von Menschen darstellen, wo es eben nicht darum geht, einem Außenstehenden etwas mitteilen zu wollen. Natürlich sorgt dieser Umstand für Irritationen, grundsätzlich jedoch steht Wien der Szene überaus liberal gegenüber.

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