
Seit es Zeitungen gibt, sind sie für Künstler Anlass und Objekt für ihre Werke. Die Zeitung ist für sie das Tor zu Welt, zugleich aber auch Material für Bilder, Skulpturen und Installationen. Die Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn hat die zeitgenössische Kunst nach den Verbindungslinien durchforstet und die Ausstellung ARTandPRESS zusammengestellt. Nach ihrer Premiere im Martin-Gropius-Bau in Berlin ist sie jetzt in etwas abgewandelter Form im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe zu sehen.
Die Schau demonstriert, dass das Massenmedium Zeitung aus der Kunst nicht wegzudenken ist. Gezeigt werden etwa 100 Werke von 50 Künstlern, darunter Joseph Beuys, Damien Hirst, Markus Lüpertz, Gerhard Richter und Anselm Kiefer. Mal nähern sie sich dem Medium mit Zuneigung, mal mit beißender Kritik. "Journalisten und Künstler sind Verbündete und Konkurrenten bei der Darstellung von Wirklichkeit", erklärte der österreichische ZKM-Leiter Peter Weibel das gespaltene Verhältnis bei der Präsentation am Donnerstag. Die Ausstellung ist ab Samstag bis 10. März 2013 geöffnet.
Die Palette der Werke reicht von "Dubrovnik" von Markus Lüpertz, in dem eine brennende Zeitung in der vom Balkankrieg gezeichneten Stadt steckt, bis zum "Kiosk der Neugier", in dem der Iraner Farhad Moshiri Teppiche mit Motiven von Zeitschriftentiteln feilbietet.
Der Franzose Christian Boltanski verweist darauf, dass Kunst und Zeitung etwas zum Gedächtnis der Gesellschaft beitragen. Dafür hat er Fotos von Unfallopfern aus Zeitungen vergrößert und zu einem Trauerkabinett zusammengestellt.
In eine ähnliche Richtung geht auch der Engländer Adam McEwen. Nur erfindet er Nachrufe von noch lebenden Persönlichkeiten wie Bill Clinton oder Jeff Koons und druckt sie auf übergroße Zeitungsseiten. "Das ist dann der Moment, in dem Wahn zur Wirklichkeit wird", sagte Stiftungsleiter Walter Smerling.
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