Alles neu macht der September. Die größte und wichtigste internationale Kunstmesse Österreichs, die Viennafair, steht wieder einmal vor einem Neubeginn. Das zeigt sich nicht nur beim neuen Termin. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 2005 findet die Messe im September statt.
Der Wechsel an den Beginn der Herbst- und Wintersaison des Reigens internationaler Kunstmessen bringt einige Vorteile: Die Sammlergilde und das interessierte Publikum haben in der Sommerpause Kraft für den herbstlichen Kunstmarathon gesammelt. Denn im Gegensatz zum ehemaligen Termin im Frühjahr, der meist in unmittelbarer Konkurrenz stand zu anderen Kunstmessen in Brüssel, Mexico City, Chicago oder Köln, kann das nunmehrige Datum Kunst-Aficionados als willkommene Saisoneröffnung dienen. Auf dem Messe-Kalender öffnet lediglich die abc - artberlincontemporary - eine Woche zuvor ihre Pforten. Was ebenfalls ein Vorteil sein kann, denn Wien und Berlin liegen so nahe beieinander, dass es für professionelle Kunsttouristen verlockend sein kann, beide Messen zu besuchen.
Investor aus Russland
setzt auf Rentabilität
Die Wiener Messe ändert jedoch nicht ihr künstlerisches Konzept. Der Fokus auf Galerien und Künstler aus Staaten Zentral- und Osteuropas bleibt bestehen und wird sogar noch weiter in den Osten ausgeweitet. Die Neuaufstellung ist das Ergebnis massiver Veränderungen in der wirtschaftlichen und organisatorischen Struktur der Viennafair. Zunächst hat der russische Investor Sergey Skaterschikov Anfang 2012 mit einem Sammlerkonsortium die Messe vom bisherigen Veranstalter Reed-Messen übernommen.
In ersten Stellungnahmen betonte der 40-jährige Mathematiker und Investment-Spezialist, dass ihn an der bildenden Kunst vornehmlich die Geldanlage interessiere. Skaterschikov setzt sich seit dem Jahr 2004, seit bei einer Auktion Picassos Bild "Junge mit Pfeife" für mehr als 100 Millionen Dollar versteigert wurde, intensiv mit dem internationalen Kunstmarkt auseinander, hat eine Datenbank "Skate’s Art Investment" ins Leben gerufen und ein Handbuch für Kunstinvestoren herausgegeben.
Mit der dezidierten Ansage, dass er die Viennafair viel stärker auf dem internationalen Kunstmarkt positionieren wolle, erregte er einiges an Aufsehen im heimischen Blätterwald. Bislang ist es nicht geglückt, die Messe als Fixpunkt internationaler Sammler zu etablieren. Dieses ehrgeizige Vorhaben wurde von den Eigeninteressen und Eifersüchteleien der Beteiligten verunmöglicht.
Wird nun Sergey Skaterschikovs Konzept zum Erfolg führen? Zunächst sprang das Führungsteam ab. Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer haben die Messe gerade einmal im Jahr 2011 ausgerichtet und warfen das Handtuch. Das war vorhersehbar. Zu unterschiedliche Herangehensweisen an das Phänomen Kunstmesse prallten hier aufeinander. Verfolgten Saxenhuber und Schöllhammer das Konzept, die Messe in einen künstlerisch-kuratorischen Gesamtkontext einzubetten, der dem Kunstmarkt ebenbürtig sei, so steht bei Skaterschikov nun eindeutig Handel und Markt im Vordergrund.
Ein neues künstlerisches Führungsduo war bald gefunden. Die beiden Kuratorinnen Vita Zaman aus Litauen und Christina Steinbrecher, die in Kasachstan geboren wurde, übernahmen die Leitung der Messe. Beide können auf internationale Erfahrung bei Kuratierung und Organisation von Ausstellungen verweisen. Die heimische Kunstszene kannten sie jedoch nicht. Es muss nicht unbedingt von Nachteil sein, nicht schon seit Jahren in die österreichischen Kabalen involviert zu sein. Frühere Messeleiter brachten die engen Bande mitunter in die Bredouille.
Neue Sammler-Initiative
geführt von Edelbert Köb
Auf jeden Fall haben es die beiden Leiterinnen geschafft, die wichtigsten österreichischen Galerien zur Teilnahme zu motivieren. Insgesamt werden bei der diesjährigen Viennafair 125 nationale und internationale Galerien an den Start gehen.
Mehr als ein Drittel der Galerien kommt aus den Schwerpunktländern aus Zentral- und Osteuropa. Die Messestände dieser Galerien werden vom Hauptsponsor der Viennafair, der Erste Bank, großzügig unterstützt. Außerdem ist es dem künstlerischen Leitungsteam gelungen, für die Nebenschiene Diyalog sechs international renommierte Galerien, wie Galerist oder Rodeo, aus der aufstrebenden Weltmetropole Istanbul zu gewinnen. Dem Grundgedanken von Sergey Skaterschikov, dass sich eine Kunstmesse für Galerien vor allem finanziell rentieren muss, wurde mit der Gründung der "Art Vectors Investment Partnership" Rechnung getragen. Diese private, mit der Viennafair assoziierte Initiative von Kunstsammlern hat es sich zur Aufgabe gemacht, während der Messetage Arbeiten von vertretenen Künstlerinnen und Künstler zu erwerben und in eine Sammlung einzubringen. Die Partnerschaft hat für die Ankaufsentscheidungen einen internationalen Beirat eingerichtet, an dessen Spitze der langjährige Direktor des Mumoks Edelbert Köb steht. Für die Ankäufe wird in den kommenden fünf Jahren ein Budget von einer Million Euro zur Verfügung gestellt.
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