• vom 02.11.2010, 19:04 Uhr

Medien

Update: 02.11.2010, 19:06 Uhr

"Wiki-Watch": Neues Portal soll Online-Enzyklopädie Wikipedia transparenter machen

Die Kontrolle der Kontrolle




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Von Ina Weber

  • Europa-Uni Frankfurt liefert erste Umfrage über Wikipedia-Admins.
  • Medienrechtler Stock: "Edit-Wars" im Wikipedia sichtbar machen.
  • Für Dezember weitere Änderungen geplant.
  • Wien. Es ist gut eine Woche alt, das neue Portal "Wiki-Watch", das die Online-Enzyklopädie Wikipedia unter die Lupe nehmen will. Entstanden ist "Wiki-Watch" als Projekt der Europa-Universität Viadrina Frankfurt.
  • Kommentar: Kontrolle der Selbstkontrolle

Vor zehn Jahren glaubte niemand an die Idee des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales. Foto: dpa

Vor zehn Jahren glaubte niemand an die Idee des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales. Foto: dpa Vor zehn Jahren glaubte niemand an die Idee des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales. Foto: dpa

Die Initiatoren und Medienrechtler Wolfgang Stock und Johannes Weberling hatten die Idee anlässlich der Verbreitung eines falschen Vornamens des deutschen Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg in der Presse. "Es war ein Scherz eines Wikipedia-Editors, den die gesamte Presse übernahm", erzählte Stock gegenüber der "Wiener Zeitung". Die Macht von Wikipedia lag damit einmal mehr auf der Hand - aber auch das Risiko von Falschmeldungen.


Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Unter diesem Motto haben die Medienrechtler eine Website entwickelt, die Wikipedia-Nutzern zusätzliche Informationen gibt, etwa wie viele Autoren den Eintrag verfasst haben, welche Artikel wie oft gelesen wurden und über welche Einträge wie oft gestritten wurden. Die "Edit-Wars" oder "Löschkriege", wie sie die Wikipedianer nennen, sind wichtige Hinweis, um eine Information richtig einschätzen zu können.

Editoren-Anzahl rückläufig

Kaum jemand weiß wirklich, wie das Online-Lexikon Wikipedia, an dem jeder teilnehmen kann, funktioniert. Die Editoren, die Verfasser der Beiträge, sind laut Wikipedia rückläufig. Im deutschsprachigen Wikipedia sind es 281 Administratoren, die die Einträge überwachen und gegebenenfalls löschen, wenn es sich etwa um Vandalismus handelt.

Diese "Türsteher", wie Stock sie nennt, werden von stimmberechtigten Wikipedianern gewählt, einer kleinen Anzahl. Und stimmberechtigt ist jemand, der etwa 200 Edits pro Jahr verfasst.

Erstmals hat die Frankfurter Europa-Uni eine Umfrage unter den Administratoren von Wikipedia durchgeführt. Wer sitzt denn eigentlich an den Hebeln der Macht, so die Fragestellung. An der Umfrage, die im Vorfeld von den Administratoren nicht unumstritten zur Kenntnis genommen wurde, haben sich 20 Prozent der Admins beteiligt. Die Umfrage ist daher zwar nicht repräsentativ, aber dennoch interessant. Der typische Admin ist männlich, knappe 40 Jahre alt, ist täglich 2,5 Stunden mit Wikipedia beschäftigt, ist politisch links und liberal und er hat keine Lust mehr, diesen Job zu machen. Nur 63 Prozent von ihnen macht die Aufgabe wirklich Spaß. Das Arbeitsumfeld soll dem Vernehmen nach nicht sehr angenehm sein. Es soll ein Glaubenskrieg zwischen den "Inklusionisten", die möglichst viele Artikel in Wikipedia aufnehmen wollen, und den "Exklusionisten", die eher löschen wollen, ausgebrochen sein. Stock sprach von einer "alten Crew", die sich 2005, als das Wikipedia endgültig salonfähig wurde, dafür begeistert hat. Diese Gruppe entspreche aber nicht mehr dem Querschnitt der Benutzer.

Stock steht voll und ganz zu Wikipedia. "Wenn es das nicht schon gebe, müsste es sofort erfunden werden", meinte er. Es gehe der Website "Wiki-Watch" auch gar nicht um "richtig oder falsch" - daran könne auch "Wiki-Watch" nichts ändern - sondern es macht inhaltliche Auseinandersetzungen, Seitensperrungen und fehlende Quellen sofort sichtbar", sagt Stock.

Für Dezember kündigt der Medienrechtler zusätzliche grafische Elemente an, die die Website noch benutzerfreundlicher machen soll. Etwa sollen Wikipedia-Texte farblich unterlegt werden. "Grün steht für unumstritten und Rot für uneinig", so der Medienrechtler. "Wiki-Watch" ist ein Projekt unabhängig von Wikipedia, aber so wie das Online-Lexikon auf Spenden angewiesen. Wikipedia habe die Kontroll-Website akzeptiert, sagte Stock.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-11-02 19:04:49
Letzte Änderung am 2010-11-02 19:06:00


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