• vom 21.11.2011, 16:03 Uhr

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Update: 22.11.2011, 09:23 Uhr

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Von Bruno Jaschke

  • Ist der Online-Journalismus für die Verlage ein Journalismus zweiter Klasse?
  • Experten diskutierten die Zukunft des Online-Journalismus.

News-Futter, nicht nur für die neuen Plattformen.

News-Futter, nicht nur für die neuen Plattformen.© © David Brabyn/Corbis News-Futter, nicht nur für die neuen Plattformen.© © David Brabyn/Corbis

Vor etwa 15 Jahren, erinnert sich Fred Thurnheim, Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), habe er als ORF-Redakteur mit der "FAZ" eine Kooperation in Sachen Neue Medien anzuleiern versucht. "Die wussten nicht, was ,Internet ist. Die dachten, das sei was zum Essen."

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Österreichs Journalismus war damals dem Netz gegenüber wesentlich aufgeschlossener als der deutsche. Doch das Verhältnis habe sich mittlerweile umgekehrt. Bei der Podiumsdiskussion "Die Zukunft des Online-Journalismus", die in der gläsernen "Adria" am Donaukanal im Rahmen der Verleihung des diesjährigen New Media Journalism Award an die Diskussions-Plattform supertaalk.com stattfand, konstatierte Thurnheim, dass der österreichische Online-Journalismus dem deutschen beträchtlich hinterherhinke und obendrein branchenintern nicht akzeptiert werde.

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Grundsätzlich gelten Online-Journalisten als die besonders armen Hunde im sowieso immer größer werdenden Kader des journalistischen Prekariats. Dem Vernehmen nach arbeiten sie unter außerordentlich stressigen Arbeits-Bedingungen bei außerordentlich bescheidener Entlohnung.

Nimmt man die Verhältnisse von reichweitenstarken Tageszeitungs-Portalen wie derstandard.at oder diepresse.com zum Maßstab, so trifft dieses Bild im Großen noch immer zu und bedarf kleinerer Korrekturen en detail. Online-Journalisten arbeiten nicht notwendigerweise länger, aber unter größerem Aktualitätsdruck als ihre Print-Kollegen und müssen zumeist auch (digital-)fotografische Fertigkeiten mitbringen.

Im Chor stöhnen die Redakteure über die unerträgliche Leichtigkeit des Lohnsäckels. Die Printkollegen verdienten mehr, klagen Mitarbeiter sowohl bei der standard.at wie auch diepresse.com.

Derstandard.at-Chefin Gerlinde Hinterleitner, vom Branchenmagazin "Der Österreichische Journalist" zur Medienmanagerin des Jahres geadelt, relativiert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" allerdings: "Ein Print-Einsteiger verdient beim ,Standard nicht mehr als ein Online-Einsteiger. Das Gefälle ergibt sich erst im Vergleich zu Print-Kollegen, die schon lange dabei sind." Ein einfacher Redakteur in seinem fünften Jahr verdiene bei dem (seit 2005 Gewinne schreibenden) "Standard"-Portal etwa 2500 Euro, erklärt Hinterleitner, die ebenso wie Thurnheim die Aufnahme von Onlinern in den journalistischen Kollektivvertrag einfordert.

Schlechtere Kollektivvertrag
Die meisten Online-Journalisten sind derzeit in den KVs IT und Werbung erfasst. "Das institutionalisiert regelrecht ihren Rang als Journalisten zweiter Klasse", kritisiert diepresse.com-Chef vom Dienst Günter Felbermayer, der in die gegenwärtig zwischen der Journalistengewerkschaft und dem Verband der Zeitungsverleger laufenden Verhandlungen um einen journalistischen KV für Online-Redakteure involviert ist.

Nicht nur bei der Vergütung ihrer Arbeit, sondern auch in ihrem Ruf als Wiederkäuer von Agenturmeldungen sehen sich Online-Journalisten ungerecht eingestuft. "Einige KollegInnen", klagt Birgit Riegler, Webstandard, "sind der Meinung, dass Online-Journalismus prinzipiell von minderer Qualität sei als Print-Journalismus. Tatsache ist aber, dass wir einen sehr hohen Anteil an eigenständig recherchierten Artikeln haben. Auch exklusive Meldungen, die oft umfangreicher informieren, da wir uns nicht an vorgegebene Textlängen halten und so vielleicht wertvolle Zusatzinformationen streichen müssten."

Das große Mysterium des Online-Journalismus ist und bleibt der Umgang mit dem permanenten Zeitdruck. Nicht von ungefähr kommen die Begriffe "Echtzeit" und "Qualität" als Antagonismus ins Spiel: So hatten es etwa bei den Terroranschlägen in Norwegen Meldungen von islamischen Tätern voreilig auf viele Nachrichten- und Zeitungsportale gebracht. "Echtzeit" muss aber nicht immer "zu schnell" bedeuten. "Beim Super-GAU in Fukushima", erzählte Markus Kienast von Supertaalk, "war kein Medium in Österreich in der Lage, die Informationen so aufzuarbeiten, dass eine vernünftige Einschätzung möglich war. Wir hätten viel schneller von einer Kernschmelze wissen können!"

In beiden Fällen fehlte eine Instanz, die Fakten, Wahrscheinlichkeiten, Gerüchte und Spekulationen richtig zu gewichten und einzuordnen wusste. Und darin, als effektiven Filter in der Informationsflut, sehen Experten eine der künftigen Kernkompetenzen des Online-Journalismus. Einer anderen trug die Preisverleihung an Supertaalk durch den ÖJC-Vorstand Rechnung: als Forum zur Erörterung gesellschaftlich relevanter Themen.




Schlagwörter

Medien, Online, Journalismus, Digital

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2011-11-21 16:08:11
Letzte Änderung am 2011-11-22 09:23:31


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