Wien. Die Medienwelt unterliegt einem Wandel, dem sich niemand entziehen kann: wirtschaftlicher Druck, größer werdende Konkurrenz und schnelle technologische Entwicklungen. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer kämpfen um optimale Arbeitsbedingungen. Auslagerungen, Zusammenschlüsse, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, schlechte Bezahlung sind oft die Folge.
Seit 2009 ringen Journalisten-Gewerkschaft (GPA-djp) und der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) um einen neuen Kollektivvertrag (KV). Bisher ohne Erfolge. Nach 22 Verhandlungsrunden heißt es zu den Gesprächen weiterhin, sie seien "konstruktiv". Ziel des VÖZ, der die Zeitungsherausgeber vertritt, sei es, einen "einheitlichen KV für Journalisten zu schaffen, unabhängig davon, ob diese im Print- oder im Online-Bereich arbeiten", sagt VÖZ-Verhandlungsführer und Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, Hermann Petz, zur "Wiener Zeitung". Für die Gewerkschaft geht es vor allem darum, die sogenannten "falschen Freien", Pauschalisten und Online-Journalisten, in den KV zu bringen. Denn es mache nur wenig Sinn, einen KV zu haben, wenn dieser aber von den Unternehmen umgangen wird.
Schon bei der letzten kollektivvertraglichen Änderung im Jahr 1999 ging es um die Online-Journalisten: "Journalistische Mitarbeiter im Online-Dienst" wurden sie genannt, um eine klare Abgrenzung zu den Online-Technikern zu formulieren. Allerdings wurde dies seitens der Arbeitgeber kaum berücksichtigt. Journalisten, die im Online-Bereich einer Zeitung tätig sind, werden vielerorts auf Basis des Gewerbe- oder IT-KVs bezahlt, welcher günstigere Bedingungen für den Arbeitgeber bietet. Dass aber Redakteure im Online-Bereich lediglich Texte übernehmen und nicht selbst recherchieren, ist längst überholt.
Für beide Fronten ist klar, Print und Online wachsen immer mehr zusammen. Der Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite Franz C. Bauer will "Online und Print unter einen Hut bringen". Es könne nicht sein, dass ein Printjournalist unter einem Journalisten-KV arbeitet und ein Onlinejournalist mit einem Gewerbe-KV, so Bauer zur "Wiener Zeitung". Die Online-Redakteure würden auch für die Printausgabe schreiben. Die Zeitungsherausgeber könnten in Zukunft den KV damit umgehen, dass sie nur noch Online-Journalisten mit dem "billigeren" Gewerbe-KV anstellen, die dann auch für die Printausgabe arbeiten, gibt er zu bedenken.