• vom 08.02.2012, 16:51 Uhr

Medien

Update: 08.02.2012, 17:21 Uhr
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Eine steile Karriere vom Ministersekretär an die Spitze des größten US-Medienkonzerns

Aus Ottakring zu CNN


Von Bernhard Baumgartner

  • Gerhard Zeiler verlässt RTL und wird Präsident der Time Warner TV-Sender.

Der Heimat immer noch verbunden: Gerhard Zeiler bei den Medientagen in Wien.

Der Heimat immer noch verbunden: Gerhard Zeiler bei den Medientagen in Wien.© APA/GEORG HOCHMUTH Der Heimat immer noch verbunden: Gerhard Zeiler bei den Medientagen in Wien.© APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Es ist eine Biografie, die nicht automatisch zum wichtigsten Fernsehmanager der Welt qualifiziert: 1973 Matura im Wiener Gymnasium Maroltingergasse, ein Psychologie-Studium an der Uni Wien, ein Job als Assistent - hier und da ein Beitrag als freier Mitarbeiter. Viele lassen es dabei bewenden - und sind mit dem Erfolg nicht unglücklich.

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Nicht jedoch Gerhard Zeiler. Der Ottakringer übernimmt nun die Letztverantwortung über derzeit 130 Fernsehkanäle in mehr als 200 Ländern, 3800 Mitarbeiter und zwei Milliarden Dollar Umsatz Jahresumsatz. Zu dem Medienhaus gehören Sender wie CNN, TNT oder Cartoon Network. Zeiler wird als Präsident der Turner Broadcasting System (TBS) - der TV-Tochter von Time Warner - für das Geschäft außerhalb von Nordamerika zuständig sein.

Die Personalie gilt in den USA als absoluter Coup für den Time-Warner-Konzern. Gerhard Zeiler (56) ist als Chef der RTL Group aus US-Wahrnehmung der wichtigsten TV-Manager Europas, der noch dazu - Krise hin oder her - stets satte Gewinne an die Konzernmutter abliefert. Die Doppelspitze aus Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch, die Zeiler nach seinem Abgang bei RTL ersetzen soll, dürfte es schwer haben, heißt es in deutschen Branchenkreisen. Die Fußstapfen, die Zeiler hinterlässt, sind sehr groß.

Tatsächlich ist Zeiler in seiner Karriere noch nie ernsthaft gescheitert - dabei waren die Herausforderungen keine kleinen. So war es Zeiler, der in den Achtziger Jahren SP-Politiker Fred Sinowatz zuerst als Unterrichtsminister dann als Bundeskanzler gegenüber der Presse vertrat. Als Franz Vranitzky Sinowatz beerbte, wurde Zeiler Generalsekretär im ORF. Nach einem Zwischenspiel bei RTL wurde er 1994 Generalintendant des ORF. Entnervt von den politischen Ränkespielen bewarb er sich 1998 nicht um eine weitere Amtszeit, sondern beerbte den Österreicher Helmut Thoma 1998 als Chef des TV-Senders RTL, wo er in der Folge eine beispiellose internationale Spitzenkarriere startete.

Schon 2000 wurde Zeiler Mitglied des Aufsichtsrates der RTL Group, zwei Jahre später auch der Bertelsmann-Stiftung. Nach dem Abgang von Manager Thomas Middelhoff wurde Zeiler im März 2003 auch Geschäftsführer der RTL Group. In dieser Funktion war Zeiler bereits Herr über 45 Fernseh- und 32 Radiosender am ganzen Kontinent. Die RTL Group ist Europas größter Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio. Ganz vom Sender RTL konnte er sich zunächst nicht trennen - erst 2006 gab er die Letztverantwortung für den deutschen Marktführer an Anke Schäferkordt ab.

Abgang zur richtigen Zeit
Beobachter sehen Zeilers Rückzug zum idealen Zeitpunkt. Die RTL Group liefert statte Gewinne an Bertelsmann, zuletzt spülte Zeilers Expansionskurs über ganz Europa 700 Millionen Euro pro Jahr in die krisengeschüttelten Kassen bei Bertelsmann. Dass sich das Verhältnis zwischen der Bertelsmann-Führung und Zeiler zuletzt merklich abgekühlt haben soll, führen Beobachter auch auf persönliche Inkompatibilität der handelnden Personen zurück, was in einem Familienbetrieb, als der Bertelsmann noch immer organisiert ist, stets Folgen hat.

Verstärkt hat dies wohl auch die bisher einzige Niederlage seiner Karriere: 2010 versuchte Zeiler, dessen privater Lebensmittelpunkt Salzburg ist, erneut Chef des ORF zu werden, scheiterte jedoch daran, dass die SPÖ Amtsinhaber Alexander Wrabetz dem internationalen Medien-Schwergewicht vorzog. Diese Pleite kommentierte Zeiler in "profil" ungewohnt bissig: Es habe sich herausgestellt, dass es "wesentlichen Teilen der Politik nicht darum geht, wer das Unternehmen am besten führen kann, sondern wer willfährig parteipolitische Personalwünsche umsetzt". Nun ist es CNN statt des ORF geworden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-08 16:56:09
Letzte Änderung am 2012-02-08 17:21:53


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