• vom 04.04.2012, 16:17 Uhr

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Update: 04.04.2012, 16:38 Uhr
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Frankreichs Verlagsbranche ringt um eine "französische Lösung"

Flammarion wird verkauft


Von Johannes Wetzel

  • Gerangel der potenziellen Käufer um französischen Traditionsverlag.

Michel Houellebecq ist einer der prominentesten Autoren, die bei Flammarion publizieren. - © APA

Michel Houellebecq ist einer der prominentesten Autoren, die bei Flammarion publizieren. © APA

Paris. Es war das Thema aller Cocktail-Parties beim Pariser Buchsalon: Die Karten unter den Giganten der Verlagsbranche werden neu gemischt. Denn ein französischer Traditionsverlag steht zum Verkauf, ein sehr rentabler zumal: Flammarion, 1876 vom Verleger Ernest Flammarion gegründet und seitdem - hinter Hachette, Editis und Gallimard - zur viertgrößten Verlagsgruppe Frankreichs herangewachsen. Neben der Hausmarke "Flammarion", unter der bekannte Schriftsteller wie Michel Houellebecq publizieren, umfasst die Gruppe Taschenbuch- und Sachbuchverlage, Comic-, Schul- und Kinderbuchverlage. Insgesamt verzeichnet der Verlagskatalog 27.000 Titel und 1300 Neuerscheinungen pro Jahr.

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Teresa Cremisi, die den Verlag seit 2005 leitet, konnte sich 2011 über einen Umsatz von 218,2 Millionen Euro freuen. Zur Gruppe gehören auch ein Netz von Buchhandlungen und eine eigene Verlagsauslieferung, die Lagerung und Vertrieb für zahlreiche kleinere Häuser übernimmt. Dieses Geschäft brachte noch einmal rund vierzig Millionen Euro Umsatz. Insgesamt verkauft Flammarion mit seinen rund 600 Beschäftigten jährlich über 33 Millionen eigene und fremde Bücher.

Vertriebsnetz als Lockmittel

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Kinder, Enkel und Urenkel des Gründers führten das Unternehmen - bis es die Erben 2000 für 160 Millionen Euro an die italienische RCS Mediagroup verkauften, der in Italien Verlage wie Rizzoli und Zeitungen wie "Corriere della Sera", in Spanien die Tageszeitung "El Mundo" gehören. Jetzt will RCS Mediagroup den Verlag für bis zu 300 Millionen Euro wieder abstoßen. Denn der Mailänder Konzern soll 938,2 Millionen Euro Schulden angehäuft und 2011 noch einmal 322 Millionen Verlust gemacht haben. "Ich hab’s vorausgesehen, als die Leute aus Mailand kamen, um hier abzusahnen", sagt melancholisch einer der ehemaligen Star-Lektoren von Flammarion, Raphaël Sorin.

Ein entsprechendes Angebot soll der französische Investmentfonds Chequers Capital bereits unterbreitet haben, der an rund 250 Unternehmen - von der Optiker-Kette bis zum Küchenbauer - beteiligt ist. Vielleicht ist es dieses Angebot eines branchenfremden Investors, das Flammarion am liebsten annähme. Denn anders als die Übernahme durch einen der konkurrierenden Verlage, die sich als Käufer gemeldet haben, sind dann keine internen Umwälzungen zu befürchten. Zumal Chequers-Chef Denis Metzger nicht nur einer der erfolgreichsten Investmentbanker Frankreichs ist, sondern auch einer der Begründer und Präsident der humanitären NGO "Aktion gegen Hunger". Das macht ihn sympathischer, als es Investmentbanker gemeinhin sind.

Ein alternatives Angebot haben die beiden Literaturverlage Actes Sud und Albin Michel gemeinsam vorgelegt. Sie sind vor allem am Vertriebsnetz interessiert. Denn Albin Michel - Jahresumsatz 170 Millionen Euro - und Actes Sud müssen dafür bisher die Dienste anderer Verlage in Anspruch nehmen. Für Françoise Nyssen, Tochter des Gründers von Actes Sud und Verlagschefin, wäre der Kauf auch sinnvoll, weil Actes Sud mit seinem Umsatz von 60 Millionen Euro zu 27,7 Prozent im Besitz von Flammarion ist. Die drei Verlage zusammen wären ein Branchenriese und würden Gallimard von Platz drei verdrängen.

Der legendäre, seit hundert Jahren und bis heute im Familienbesitz befindliche Verlag Gallimard setzt jährlich rund 240 Millionen Euro um. Wie schon 2000 bewirbt sich nun auch Verleger Antoine Gallimard um die Übernahme. Anders als Albin Michel und Actes Sud verfügt Gallimard allerdings bereits über eine Auslieferung - und könnte gegebenenfalls versucht sein, diese für die Konkurrenten wichtige Aktivität bei Flammarion aufzugeben.

Einig sind sich die französischen Verlage im Bemühen, Flammarion wieder unter französische Kontrolle zu bringen. Sogar der Staat ist bereit, sich an einer "französischen Lösung" zu beteiligen. Die beiden ausländischen Bewerber sind das amerikanische Verlagshaus HarperCollins, das zur Murdoch-Gruppe gehört, und der französische Branchenriese Editis mit einem Umsatz von 753 Millionen Euro (2010), zu dem unter anderem die Marken Robert Laffont, Plon, Nathan, Bordas, Pocket gehören. Denn Editis ist im Besitz der gigantischen spanischen Planeta-Gruppe. Die Entscheidung zwischen den fünf Angeboten soll im Mai fallen.




Schlagwörter

Literatur, Frankreich, Medien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-04 16:23:06
Letzte Änderung am 2012-04-04 16:38:07


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