Bern/Zürich/Wien. Das Bild eines Roma-Kindes mit Waffe auf der Titelseite der Schweizer "Weltwoche" hat Empörung und heftige Reaktionen ausgelöst. In der Schweiz, in Österreich sowie offenbar auch in Deutschland sind Anzeigen gegen das Schweizer Wochenmagazin eingegangen. Einer der Kläger ist der österreichische Journalist Klaus Kamolz. Die Redaktion der "Weltwoche" zeigte für die Empörung am Osterwochenende kein Verständnis.
Der in Wien lebende gebürtige Villacher will mit der Anzeige ein "symbolisches Zeichen" gegen die in seinen Augen durch die "Weltwoche" betriebene "Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher" setzen. Dies sagte er am Samstag auf Anfrage der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Der 48-Jährige will auch, dass die österreichischen Behörden von sich aus aktiv werden, handle es sich doch beim Tatbestand der Verhetzung nach österreichischem Recht um ein "Offizialdelikt".
Verhetzung, Beschimpfung oder Verächtlichmachung
Wie Kamolz am Samstag erklärt hatte, ist im vorliegenden Fall insbesondere Absatz 2 des Paragrafen 283 ("Verhetzung") relevant, der eine "für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbare" Verhetzung, Beschimpfung oder Verächtlichmachung betrifft.
Auf der Titelseite der am Donnerstag erschienen Ausgabe der "Weltwoche" ist ein kleiner Bub abgebildet, der eine Waffe in die Kamera hält. Unter dem Foto steht: "Die Roma kommen: Raubzüge durch die Schweiz". Das Foto stammt vom italienischen Fotografen Livio Mancini. Es wurde 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen, wie Mancini mitteilte.
"Das ist das Grindigste überhaupt"
Er sei in zahlreichen Mails auf die Verwendung seines Fotos durch die "Weltwoche" aufmerksam gemacht worden, schrieb Mancini der SDA. Er lasse die Bilderserie aus dem Kosovo über eine Agentur vertreiben und habe weder persönlichen Kontakt mit dem Magazin gehabt noch die Kontrolle darüber, in welchem Kontext die Aufnahme verwendet werde.
"Ein kleines Roma-Kind, das noch nie in der Schweiz war, nie in der Schweiz sein wird, von dem man dreieinhalb Jahre später nicht einmal weiß, ob es noch lebt, dieses Roma-Kind richtet seine Waffe auf die Schweiz?". Mit diesen Worten empörte sich Kamolz am Samstag gegenüber der APA. "Das ist das Grindigste überhaupt. Das ist der wahre Journalist Köppel."