Mit dem Rückzug James Murdochs vom Vorstandsvorsitz beim Satellitensender BSkyB hat der Murdoch-Konzern versucht, dem Bröckeln der Konzern-Interessen an seiner britischen Front zu wehren. James und sein Vater Rupert finden sich aber weiter unter beträchtlichem Druck in London.
Der Medienausschuss des britischen Unterhauses will demnächst seinen lange erwarteten Untersuchungsbericht vorlegen, der James Murdoch im Zusammenhang mit der Abhöraffäre beim früheren Murdoch-Blatt "News of the World" scharf kritisieren dürfte. Ein Teil der Mitglieder des Ausschusses geht sogar davon aus, dass Murdoch das britische Parlament belogen hat.
In der letzten Aprilwoche müssen Rupert und James Murdoch außerdem vor dem Medien-Tribunal des Untersuchungsrichters Lord Levison in London erscheinen und sich gegen Vorwürfe mangelnder Moral bei ihren Verlagspraktiken verteidigen. Zugleich prüft die britische Medienaufsichts-Behörde Ofcom noch immer, ob die Murdochs überhaupt ihren 39-Prozent-Anteil an BSkyB sollen behalten dürfen - oder ob sie "ungeeignet" sind, Anteile an einem britischen Rundfunksender zu besitzen.
Die unmittelbare Sorge der Murdochs gilt jedoch der Veröffentlichung des Parlamentarier-Reports. Die Abgeordneten hatten James Murdoch bereits zweimal ins Parlament zitiert. Dabei hatte Murdoch darauf bestanden, dass er von illegalen Abhöraktionen der "News of the World" in seiner Zeit als Verlagschef der britischen Titel seines Vaters nichts gewusst hatte.
Erfolgreiche Pay-TV-Sender
Inzwischen wird ihm vorgeworfen, nicht nur über diese Aktionen informiert gewesen zu sein, sondern sie auch vor der Öffentlichkeit verheimlicht zu haben. Mehrere neue Affären, die die Murdochs schwer belasten, sind seither dazugekommen. Bei einer geht es um eine angeblich systematische Bestechung von Beamten durch das Murdoch-Blatt "The Sun". Die andere betrifft mutmaßliche Hacking-Aktionen im Pay-TV-Bereich, zur Ausschaltung von Konkurrenten Murdochs.
Vor dem Hintergrund des anwachsenden Drucks in Großbritannien beschlossen die Murdochs offenbar, dass der 39-jährige James es sich nicht leisten konnte, auf den Untersuchungsbericht und mögliche Rücktritts-Forderungen im Konzern selbst zu warten. James Murdoch zog daraus die Konsequenzen und gab seinen Vorstandsvorsitz bei BSkyB ab. Einen Direktorenposten ohne Geschäftsbereich behielt er allerdings bei. Sein Amt übernahm sein bisheriger Stellvertreter, der britische Private-Equity-Boss Nicholas Ferguson. Damit ist erstmals seit 1999 kein Mitglied der Murdoch-Familie mehr an der Führung BSkyBs beteiligt.
Leicht hatte James Murdoch der Verzicht auf den BSkyB-Vorsitz nicht fallen können. Der überaus erfolgreiche Pay-TV-Sender war seit Jahren seine Spezialität im väterlichen Konzern. Von 2003 bis 2007 war er bereits Generaldirektor des Senders gewesen. In dieser Rolle hatte er sich als Stratege für elektronische Medien profilieren können. Nun unterstehen ihm lediglich noch die italienischen, deutschen und asiatischen TV-Unternehmen seines Vaters.
Rückzug aus London
Erst vor kurzem hatte James Murdoch auch die Verantwortung für die Aufsicht über die britischen Zeitungs-Interessen Rupert Murdochs abgeben müssen. Damit ist sein Rückzug aus London ins New Yorker Hauptquartier des Murdoch-Konzerns News Corporation praktisch abgeschlossen. Bei News Corporation selbst steht er bisher aber noch an dritter Stelle, hinter seinem Vater und dessen langjährigem Partner Chase Carey.
Die weiteren Aussichten von Rupert Murdochs Sohn James werden aber als ungewiss betrachtet. Bis vorigen Sommer, als die Londoner Abhöraffäre ihn einholte, hatte James noch als sicherer Nachfolger seines mittlerweile 81-jährigen Vaters gegolten.
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