Wien. Das Bild eines Roma-Kindes mit Waffe auf der Titelseite der Schweizer "Weltwoche" hat Empörung und heftige Reaktionen ausgelöst. Unter dem Foto steht: "Die Roma kommen: Raubzüge durch die Schweiz". In der Schweiz, in Österreich sowie offenbar auch in Deutschland sind Anzeigen gegen das Schweizer Wochenmagazin eingegangen. Einer der Kläger ist der österreichische Journalist Klaus Kamolz. Die Redaktion der "Weltwoche" zeigte für die Empörung am Osterwochenende kein Verständnis.
Der in Wien lebende gebürtige Villacher will mit der Anzeige ein "symbolisches Zeichen" gegen die in seinen Augen durch die "Weltwoche" betriebene "Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher" setzen. Der 48-Jährige will auch, dass die österreichischen Behörden von sich aus aktiv werden, handle es sich doch beim Tatbestand der Verhetzung nach österreichischem Recht um ein "Offizialdelikt".
"Rassistische Züge"
Auch der Schweizer Medienrechtsexperte Peter Studer störte sich an der Botschaft des Fotos: "Es ist ein unerhörtes Bild" mit "rassistischen Zügen". Ansonsten sei der Bericht aber "sehr gut dokumentiert". Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus wird sich laut ihrer Präsidentin Martine Brunschwig Graf noch mit dem Bericht befassen. Philipp Gut, stellvertretender Chefredakteur der "Weltwoche" und Co-Autor des Hauptartikels, kann die Empörung nicht nachvollziehen. Die Aufnahme symbolisiere "den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen", so Gut.
Die "Weltwoche" war bis 2001 unter Chefredakteur Fredy Gsteiger linksliberal positioniert gewesen, ehe dieser von Roger Köppel abgelöst wurde. Köppel führte das Magazin seither mit neuer Redaktions-Mannschaft auf einen wirtschaftsliberalen und betont rechtskonservativen Kurs.