• vom 16.04.2012, 18:11 Uhr

Medien

Update: 16.04.2012, 18:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wer saugt welche Daten ab - Internet-Riesen geraten sich in die Haare

Google greift Facebook an



  • Google-Gründer sieht Freiheit im Netz bedroht und gerät selbst unter Beschuss.

Google streitet mit Facebook -darüber, wer der größere Monopolist im Netz ist.

Google streitet mit Facebook -darüber, wer der größere Monopolist im Netz ist.

London. Google selbst gilt nicht gerade als Hort der Freiheit und Offenheit im Netz: Dem Konzern wird oft ein Streben nach Monopolismus vorgeworfen. Dennoch sieht Google-Mitbegründer Sergey Brin die Prinzipien des offenen Internets durch autoritäre Staaten wie China, Saudi-Arabien und den Iran, aber auch durch die Online-Politik der Unterhaltungsindustrie und die "vermauerten Gärten" der Google-Konkurrenten Facebook und Apple bedroht. "Rund um die Welt haben sich sehr mächtige Kräfte gegen das freie Internet formiert", sagte Brin der britischen Tageszeitung "Guardian". "Ich bin besorgter als je zuvor. Es ist beängstigend."

Werbung

Brin, der bei Google für "Spezial-Projekte" wie das selbstlenkende Auto und die kürzlich vorgestellte Daten-Brille Google Glass zuständig ist, attackierte in dem Interview insbesondere Facebook. "Man muss nach ihren Regeln spielen, und die sind wirklich restriktiv." In einer solchen Umgebung hätte er zusammen mit Larry Page niemals eine Suchmaschine wie Google entwickeln können. "Das funktionierte nur, weil das Netz so offen war. Wenn es erst einmal zu viele Regeln gibt, wird jede Innovation erstickt."

Streit geht seit Jahren
Google und Facebook streiten sich seit Jahren um Nutzerdaten. Google sperrte im Herbst 2010 dem weltgrößten Online-Netzwerk den Zugang zur Auswertung von E-Mail-Adresslisten - um Druck auf Facebook auszuüben und das Unternehmen dazu zu drängen, seine Datenbestände zu öffnen. Facebook bietet Nutzern an, ihre Kontaktlisten bei großen E-Mail-Anbietern wie GMail oder Hotmail zu durchsuchen, um schneller ihre Bekannten auch bei dem Sozialen Netzwerk zu finden. In dem Interview bekräftigte Brin die Kritik: "Facebook hat viele Jahre lang GMail-Kontakte rausgesaugt." Gleichzeitig mache es die Firma von Mark Zuckerberg den Anwendern nicht leicht, ihre Daten von Facebook zu einem anderen Dienst wie Google+ umzuziehen.

In harschen Worten kritisierte Brin die Unterhaltungsindustrie, die nach einer gesetzlichen Grundlage zur Blockade von unrechtmäßig kopierten Inhalten im Netz verlange. US-Gesetzesentwürfe wie Sopa und Pipa, die von der Musik- und Filmbranche befürwortet werden, führten die USA in denselben Ansatz, den auch China und der Iran bei ihrer Zensur verwendeten. "Die Unterhaltungsindustrie hat versagt, weil sie nicht einsieht, dass die Leute so lange Piraten-Inhalte herunterladen, solange es nicht einfacher ist, sich rechtmäßig erworbene Inhalte zu beschaffen."

Brin räumte ein, dass Google hin und wieder Daten an die US-Behörden übergeben müsse. Sein Unternehmen tue alles Mögliche zum Schutz der Daten und habe viele Anfragen zur Datenherausgabe abwehren können. "Wenn wir durch Zauberhand nicht mehr unter US-Recht fallen würden, wäre das großartig."

Kritik am Kritiker
Im Netz stießen die Meinungsäußerungen von Brin auf ein geteiltes Echo. Während manche Netz-Anwender den Einsatz für ein offenes Internet lobten, warfen andere dem Google-Mitbegründer vor, letztlich nur die kommerziellen Interessen des Unternehmens im Blick zu haben. "Die Google-Version des Open Web scheint sehr einfach: Lasst uns an alles rankommen", schrieb Chris Matyszczyk im Portal Cnet. "Egal ob es sich um Bücher, Straßen, Häuser, Facebook-Konten, iPhotos oder um die Überreste von Spaghetti Bolognese handelt."

Unterdessen gerät Google selbst erneut unter juristischen Beschuss. Die US-Behörden werfen dem Internetkonzern vor, die Untersuchungen im Zusammenhang mit seinem Dienst Street View zu behindern. Google habe ohne Erlaubnis persönliche Daten eingesammelt und danach bewusst nicht mit der Aufsicht FCC bei deren Untersuchungen kooperiert, teilte die US-Kommunikationsaufsicht mit. Aus diesem Grund verhängte sie eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Dollar. Google wies die Vorwürfe zurück und erklärte, das Unternehmen habe entsprechende Informationen an die Behörde weitergegeben. Eine Antwort auf das Vorgehen der Behörde werde vorbereitet, kündigte Google an.

Google hatte zwischen 2007 und 2010 für den Dienst "Google Street View" Daten in den USA und weltweit gesammelt. Mit Street View können sich Internetnutzer von Google Maps und Google Earth Straßenansichten anzeigen lassen. Der US-Konzern hat mit dem Dienst auch in Deutschland und Österreich den Unmut von Datenschützern und Konsumentenschützern auf sich gezogen.




Schlagwörter

Facebook, Google, Medien

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 16:17:13
Letzte Änderung am 2012-04-16 18:39:56


Beliebte Inhalte



16 Aufführungen sind in der Saison 2013/14 geplant, darunter acht neue Produktionen. Zu Ehren Verdis wird neben "La Traviata" auch "Il Trovatore" und "Simon Boccanegra" aufgeführt. - APAweb/EPA/CARLO FERRARO
  • Name des neuen Intendanten soll spätestens bis Juli bekannt gegeben werden.
  • weiter

Für große Namen hat Intendant Alexander Pereira (l.) - hier mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf - ein Faible. Aus dem Programm für den Sommer 2014 wird er dennoch manche streichen müssen. - apa/Barbara Gindl
  • Nach Kompromiss im Budgetstreit werden Pläne für 2014 publik, Prestigeprojekte werden nicht gestrichen.
  • weiter

Mit dem "Ring" in Wien zum Erfolg: Franz Welser-Möst. - epa
  • Wie viele Arten es doch gibt, Richard Wagners 200. Geburtstag zu begehen.
  • weiter

Ernst Kreneks Oper "Jonny spielt auf" (hier in einer Aufführung der Wiener Staatsoper mit Bo Skovhus und Nancy Gustafson) war für die Nationalsozialisten der Inbegriff der "entarteten Musik". - apa/Pfarrhofer
  • Der untaugliche Versuch, eine Irrlehre durch Beispiele zu bestätigen.
  • weiter

Wafaa El Saddik: "Die Ägypter werden immer verlangen, dass Nofretete zurückkommt." - Foto: Robert Newald
  • Interview mit Wafaa El Saddik, der ehemaligen Direktorin des Ägyptischen Museums.
  • weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter




Werbung



Quiz




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung