• vom 17.04.2012, 15:50 Uhr

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Update: 17.04.2012, 16:32 Uhr
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Spaniens elektronische Medien geraten aufgrund der Krise unter Sparzwang

Rotstift in Spaniens TV


Von Manuel Meyer

  • Madrid verfügt Massenkündigungen, Senderschließung und klamme Budgets.

Vize-Premier Soraya Sáenz de Santamaría verordnet Sparkurs.

Vize-Premier Soraya Sáenz de Santamaría verordnet Sparkurs. Vize-Premier Soraya Sáenz de Santamaría verordnet Sparkurs.

Madrid. "Ganz ehrlich. So kann man einfach keine Qualität mehr produzieren", sagt Rubén B. Der 34-jährige Journalist arbeitet beim spanischen Staatsfernsehen TVE in einem Nachmittagsprogramm. Die Sendung lebt von Gesellschaftsthemen und Nachrichten über Stars, Sportler sowie vom Klatsch und Tratsch.

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"Gerade in diesem Bereich braucht man eigene Bilder und eigene Nachrichten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Doch seit Wochen werden wir kaum noch zu eigenen Reportagen rausgeschickt. Es wird gespart, wo es nur geht", beklagt sich Rubén. "Die meisten Berichte werden mit Agenturbildern im Studio gefertigt. Das wird sich so schnell auch wohl nicht ändern."

Die Wirtschaftslage in Spanien sieht nicht gut aus. Defizitprobleme, Rezession und eine Rekordarbeitslosigkeit von derzeit 23 Prozent haben die neue spanische Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (PP) bereits in der vergangenen Woche gezwungen, einen verspätet vorgelegten Haushalt 2012 vorzustellen, der radikale Einsparungen von mehr als 27 Milliarden Euro vorsieht. Die spanische Regierung will damit das mit der EU-Kommission vereinbarte Ziel erreichen, das Haushaltsdefizit heuer von 8,5 auf 5,3 Prozent zu senken, womit auch die Finanzmärkte beruhigt werden sollen.

Gespart wird überall: im Gesundheits- und Bildungsbereich, im öffentlichen Dienst, Straßenbau, in Forschung und Entwicklungspolitik. Sogar Spaniens König muss mit weniger Geld auskommen. Besonders hart hat die Rotstiftpolitik jedoch die staatliche Fernseh- und Rundfunkanstalt getroffen. Der Etat für RTVE wurde um 40 Prozent von 535 auf 331 Millionen Euro gestrichen.

Spaniens Finanzminister Cristobal Montoro (PP) erklärte, der Regierung bleibe angesichts der "wirtschaftlichen Grenzsituation" nichts anderes übrig. Der RTVE-Vorstandsrat versuchte noch in einem Gespräch mit Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría zudem einen progressiven Abbau der staatlichen Subventionen zu erwirken, traf allerdings auf taube Ohren. TVE-Direktor Santiago González reichte daraufhin seine Kündigung ein.

Die Folgen der Budgetkürzung sind bereits zu spüren: Eigenproduktionen werden auf ein Minimum heruntergefahren, auf das große Heer freier Mitarbeiter wird größtenteils verzichtet, hinzukommen Gehaltskürzungen und Abschaffung von Firmenwagen. Auch die Fortsetzung von hauseigenen Erfolgsserien wie "Águila Roja" oder "Cuéntame" sind in Gefahr. Übertragungsrechte von Sportereignissen wie Roland Garros sollen nicht verlängert werden. Auch die Rechte an der spanischen Basketball-Liga sollen an einen Privatsender abgegeben werden. Welche Folgen die Budgetkürzungen haben, zeigen auch die Olympischen Sommerspiele in London. Spontan reduzierte TVE die Journalisten und Kameramänner um 25 Prozent.

Regionalsender schließen
Während das Staatsfernsehen empfindliche Budgetkürzungen von 40 Prozent verkraften muss, kämpfen viele spanische Regionalsender gar ums Überleben. Spanien zählt 13 staatliche Regionalsender, die jährlich insgesamt 1,4 Milliarden Euro Staatsgelder verschlingen. Viel zu viel, sagt Madrid.

Spaniens Regionalregierungen sind hoch verschuldet und müssen sparen, wo es nur geht. Dabei macht ein Absturz der Werbeeinnahmen bei Spaniens Regionalsender von 30 Prozent die Situation nicht leichter. "In den kommenden zwei Jahren dürfte der eine oder andere Regionalsender wohl geschlossen werden", prophezeit Pablo Carrasco, Vorsitzender des Verbands staatlicher Regionalsender Forta.

Besonders schlimm sieht die Situation für die regionalen Fernsehsender in den hoch verschuldeten Mittelmeerregionen Valencia und Katalonien aus. Der valencianische "Canal 9" hat bereits Massenentlassungen angekündigt. Auch in Aragonien, Murcia, Asturien und auf den Balearen stehen Massenentlassungen im Raum. Das Budget des kanarischen Regionalsenders beträgt in diesem Jahr nur noch 33 Millionen Euro. Vor vier Jahren stand dem Inselfernsehen mit 66,9 Millionen Euro noch doppelt so viel zur Verfügung. Das baskische Fernsehen Eitb muss in diesem Jahr Kürzungen von 12 Millionen Euro verkraften.

Alle Sender versuchen derzeit, den Gürtel enger zu schnallen. Telemadrid verzichtet auf seine Übertragungsrechte der Fußball Champions League, Aragón TV schließt seinen HD-Kanal, RTP Asturias überträgt in Zukunft weder die spanische Fußball-Liga noch Formel-1-Rennen.




Schlagwörter

Radio, Einsparungen, Spanien, TV, Medien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-17 15:56:04
Letzte Änderung am 2012-04-17 16:32:10


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