Wien. (bau) Der ORF kommt in Sachen Personal nach der Streiterei um zwei neue Büroleiter der Geschäftsführung nicht zur Ruhe. Nun liefert sich der Stiftungsrat, das Aufsichtsgremium über den ORF, ein Match mit der Redakteursvertretung des Unternehmens. Streitpunkt ist eine geplante Beschwerde des Redakteursrates bei der Medienbehörde KommAustria gegen die Bestellung von Thomas Prantner zum ORF-Online-Hauptabteilungsleiter und stellvertretenden Direktor der technischen Direktion. Dies sei mit Redakteursstatut und Gesetz unvereinbar, weil damit journalistische Kompetenzen in die technische Direktion verlagert würden - so der offizielle Grund. Denn es dürfte auch die Tatsache, dass die Personalie ein FPÖ-Wunsch war, eine Rolle spielen.
Das ruft nun den Stiftungsrat auf den Plan: "Mit rechtlichen Schritten gegen das eigene Haus geht der Redakteursrat zu weit", konstatierten die Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp und ihr Stellvertreter Franz Medwenitsch. "Das ist unternehmensschädigend und die kritische Reaktion des Generaldirektors mehr als berechtigt. Wir unterstützen ihn dabei voll und ganz." Der Rat hatte im März gefordert, die Geschäftsführung möge härter gegen "rufschädigende öffentliche Wortmeldungen von ORF-Mitarbeitern" vorgehen.
"Mit Gesetz auf Kriegsfuß"
Das sieht der Redakteursrat anders: Vorsitzender Fritz Wendl sieht darin nur einen Beweis dafür, dass die Stiftungsräte "mit dem Einhalten des ORF-Gesetzes auf Kriegsfuß stehen". "Unternehmensschädigend" sei "das Verletzen des Gesetzes und nicht das Anrufen der zuständigen Behörde", so Wendl. Der Redakteursrat sei dazu verpflichtet, bei Verstößen gegen das Redakteursstatut tätig zu werden. Generaldirektor Alexander Wrabetz und OnlineChef Prantner hatten die Vorwürfe am Montag zurückgewiesen.