• vom 25.04.2012, 16:37 Uhr

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Update: 25.04.2012, 18:09 Uhr
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Schauspieler Herbert Knaup wollte eigentlich Musiker werden

"Das war keine Hippie-Zeit"


Von Claudia Böhm

  • Im Krimi "Milchgeld" (ARD, 20.15 Uhr) spielt Knaup den Kommissar Kluftinger.

Herbert Knaup als "Schauspieler des Jahres 2010".

Herbert Knaup als "Schauspieler des Jahres 2010". Herbert Knaup als "Schauspieler des Jahres 2010".

"Wiener Zeitung": Für die Verfilmung des Krimis "Milchgeld" und das neue Hörbuch "Schutzpatron" sind Sie wieder in die Rolle des Kommissars Kluftinger geschlüpft. Kennen Sie Typen wie diesen Kluftinger auch privat?

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Herbert Knaup: Privat? Ich bin ja selten im Allgäu. Aber natürlich gibt’s die irgendwo. Wahrscheinlich gibt’s so behäbige Menschen, die trotzdem ganz schön schnell sind, in jedem Landstrich. Ein bisschen vorbildhaft, wenn auch nicht ganz so extrem, ist der Regisseur des Krimis, Rainer Kaufmann. Er hat ja selber auch so etwas Wohlbeleibtes und ist aber nicht zu unterschätzen. Er ist mit allen Wassern gewaschen und ist trotzdem im ersten Moment ein ganz Sympathischer. Er hat selber durchaus Kluftinger Gene in sich.

Als Schauspieler sind Sie Freiberufler. Hat man da nicht manchmal Existenzängste?

Man sollte in der Angst sein, um mit ihr umzugehen. Ganz angstfrei sind wir natürlich alle nicht, das ist kein Mensch.

Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie kein Schauspieler geworden wären?

Plan B wäre Musiker gewesen. Mein Talent lag auf dem Musischen. Auf der Schauspielschule hat man mir immer gesagt, ich soll Opernsänger werden, weil ich dreieinhalb Oktaven hatte. Ich wollte das aber nicht. Ich wollte weiter rauchen, damals habe ich noch geraucht, und die Opernwelt war überhaupt nicht meine Welt. Sänger in einer Rockband, das wäre es eigentlich gewesen. Damals habe ich einfach nicht gesehen, dass man mit der deutschen Sprache auch irgendwie zum Erfolg kommen kann, ich dachte immer, man muss Englisch oder Amerikanisch können, um wirklich ein Hit auf der Bühne zu werden. Da habe ich mich schwer ins eigene Fleisch geschnitten.

Ihr Vater war ja teilweise Begleitmusiker von Lale Andersen, haben Sie die mal kennengelernt?

Nein, da war ich noch gar nicht auf der Welt. Ich bin ja erst 1956 geboren, und mein Vater hat in den 40er, 50er Jahren seine Zeit als Begleitmusiker gehabt.

War Ihr Elternhaus streng oder eher lässig im Geiste der Alt-68er?

Mein Vater ist 1917 geboren und meine Mutter 1920, sie ist jetzt 92 Jahre alt. Als der Zweite Weltkrieg anfing, war mein Vater 22 Jahre alt, er war Stukka-Flieger bei Rommel, da können Sie sich vorstellen, was da los war, als der Krieg zu Ende war. Da gab es erst mal eine Depression im Hause und man sagte "Scheiße", man musste eben wieder neu anfangen. Da war keine Hippie-Zeit. Mein Elternhaus hatte etwas Lockeres, weil man irgendwie nicht mehr so weitermachen wollte wie vorher, es hatte aber auch etwas Strenges, weil man dachte, man müsste doch nochmal andere Saiten aufziehen. Mein Vater war Arbeiter, Schlosser, und da ging es dann auch mal deftiger zur Sache.

Ihr Vater soll zu Ihnen immer gesagt haben: "Du bist der Knaup, Du schaffst das schon."

Ja, so etwas wie eine Self-fullfilling-prophecy. Mein Vater war auch überhaupt nicht nachtragend, wenn man es mal nicht geschafft hatte, war das nicht schlimm.

Werden Sie Ihrem Vater im Alter eigentlich ähnlicher? Man sagt ja, dass man seinen Eltern im Alter immer ähnlicher würde.

Ja, vielleicht ein bisschen. Als mein Vater in meinem Alter war, ich bin jetzt 56 Jahre alt, da hat er auch noch gearbeitet, er hat schwer geschuftet an der Esse und immer noch Eisen geklopft. Ich lebe heute in Berlin-Kreuzberg mit einem völlig anderen Umfeld. Er war ein fröhlicher Kneipengänger, was ich nicht bin. Mein Vater hat um fünf Uhr Feierabend gehabt, dann kam er kurz nach Hause, hat sich den Dreck abgewaschen, ein weißes Hemd angezogen und ging in die Kneipe. Er wollte abschalten, trank seine zwei, drei Bier, machte dort Musik und hatte manchmal Auftritte. Im Wirtshaus kompensierte er irgendwie sein Glück, und ab und zu kam meine Mama dazu. Sie war eine Hausfrau, die genug zu tun hatte und den ganzen Alltag ihrer Kinder schmiss.

Wie gehen Sie mit dem Alter um?

Ich gehe damit leidenschaftlich um und freue mich darauf, dass es so ist, weil ich am Beispiel meiner Mutter sehe, dass sich das Kämpfen lohnt. Ich werde heuer mit meiner Mutter in unsere ursprüngliche Heimat, ins Allgäu fahren. Meine Mutter kennt noch die alten Weiber und Männer in ihren Bauernhäusern. Da geht’s dann in diese Urlandschaft zurück, wo du denkst, du bist bei den Dinosauriern.




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TV, Medien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-25 16:44:04
Letzte Änderung am 2012-04-25 18:09:09


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