
Wien. Die RTL Group ist die größte Fernsehsender-Gruppe Europas. Zur Familie gehören RTL, RTL2, SuperRTL, Vox, ntv und RTLnitro. Das Programm: vom Dschungelcamp bis zu Casting-Shows.
Mit Medienmagnat Gerhard Zeiler konnte der Charme von RTL für manchen noch erhalten bleiben. Seine Stärke sei, so steht es oft geschrieben, seine Schwäche für das Programm. Mit ihm kam die Einführung des Erfolgs-Formats "Wer wird Millionär". Er reiste viel, erforschte neue Märkte, immer auf der Suche nach dem neuesten TV-Format.
Mit dem Weggang Zeilers geht nun für RTL eine Ära zu Ende. "Mr. RTL" verließ mit 18. April sein Schiff. Seine Abschiedsfeier fand am selben Tag satt. Bei der Feier überreichte Luxemburgs Premiere Jean-Claude Juncker Gerhard Zeiler eine Medaille mit der Zeiler als Kommandant in den Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg aufgenommen wurde. Zwei Tage zuvor, am 16. April, wurde Zeiler bei der NAB Show in Las Vegas mit dem Core Award als Executive of the Year (Manager des Jahres) ausgezeichnet.

Seitdem ist Zeiler am Packen. Ab 1. Mai wird er in Salzburg in Österreich wohnen und als Berufspendler den amerikanischen Turner-Broadcasting-Konzern (u.a. CNN) leiten.
Die Fußstapfen Zeilers sind groß, gleich zwei Personen treten an seine Stelle: Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch. Für Interviews stehen sie noch nicht zur Verfügung. Man wolle erst einmal arbeiten, heißt es. Was vorher einer machte, machen nun zwei. Schäferkordt, die bereits die RTL-Group in Deutschland führte, wird für das gesamte deutsche Fernsehgeschäft verantwortlich sein, Guillaume de Posch werde sich um das internationale Broadcasting und die Fremantle.Media-Produktionen ("DSDS") kümmern, heißt es.
Den ehemaligen Pro7Sat1-Chef De Posch alleine an der Spitze wollte man anscheinend nicht haben. Ist er doch auch zu wenig TV- als vielmehr Zahlen-Mensch. Er hat seine Karriere als Unternehmensberater bei McKinsey begonnen, bis er vom amerikanischen Milliardär und Investor Haim Saban zur Pro7Sat1-Spitze geholt wurde.
Im Jahr 2003 übernahm Saban die Sendergruppe für vergleichsweise günstige 500 Millionen Euro. Drei Jahre später lohnte sich seine Investition: Er verkaufte an die Investoren Permira und KKR um drei Milliarden Euro. De Posch, von dem Haban einst sagte, er sei "der beste Fernseh-Manager in Europa und wahrscheinlich in der Welt", hinterließ für die Münchner Gruppe einen Scherbenhaufen. 2009 verließ De Posch den Sender. Die Verschuldung von Pro7Sat1 habe damals mehr als 3,4 Milliarden Euro betragen. Die Folge waren weitere Sparmaßnahmen beim Programm. Auch De Posch hatte zuvor Sparmaßnahmen eingeleitet, beim Personal und beim Programm. Sein mittlerweile oft zitierter Satz, den er im Alltag sehr oft sagen soll: "Die Zahlen, bitte."
Erste Frau im Bertelsmann Vorstand
Anke Schäferkordt passt da schon viel besser ins Bild. Auch sie ist als Betriebswirtin über ein kaufmännisches Führungskräftenachwuchsprogramm bei der Bertelsmann AG zum Fernsehen gekommen, hat aber den damaligen Verlustsender VOX zu einem neuen Image verholfen. 2005 übernahm sie überraschend die RTL-Führung und die Gesamtverantwortung der RTL-Gruppe in Deutschland. Liz Mohn, Vorsitzende der Bertelsmann-Mutter der RTL-Group, wünschte sich endlich eine Frau an der Spitze der bis jetzt äußerst einnahmeträchtigen Gruppe.