
Wien. August Zirner ist ein Schauspieler mit vielen Wurzeln. Er wurde als Sohn jüdischer Emigranten in den USA geboren und kam später für ein Studium am Max-Reinhardt-Seminar zurück nach Wien. Er wirkte in mehr als 60 Kino- und Fernsehfilmen mit, unter anderem im Oscar-prämierten Film "Die Fälscher" von Stefan Ruzowitzky. Für die ARD schlüpfte er in die Rolle des August Staudenmeyer im Fernsehfilm "Die Heimkehr" nach Hermann Hesse (20.15 Uhr, ORF2).
"Wiener Zeitung": Kannten Sie "Die Heimkehr" von Hesse?
August Zirner: Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich zwar wusste, wer Hermann Hesse ist, hatte aber vor Drehbeginn noch nie etwas von ihm gelesen. Als das Angebot kam, war ich froh über die Gelegenheit mich mit Hermann Hesse zu beschäftigen, und inzwischen bin ich ein Fan geworden. Viele sagen, diese Literatur sei zu konstruiert. Das finde ich gar nicht.
Womit haben Sie bei Hesse angefangen?
Ich habe mit den Kurzgeschichten angefangen. Sie haben mir geholfen, in das Drehbuch von Jo Baier hineinzukommen. Ich bin dann aber relativ schnell auf "Steppenwolf" und "Siddhartha" umgestiegen, und den "Steppenwolf" finde ich grandios. Meine Kinder haben Hermann Hesse natürlich schon in der Schule gelesen. Ich bin in Amerika aufgewachsen, und dort war der "Steppenwolf" ganz groß, weil es ja die gleichnamige Band gab.
Sie spielen den nach 30 Jahren in seinen Heimatort Gerbersau zurückkehrten August Staudenmeyer, einen Außenseiter. Waren Sie selber auch ein Außenseiter?
Ich bin im Prinzip ein Außenseiter, da ich in Amerika aufgewachsen bin. In Amerika hielten mich viele für einen Europäer. Als ich nach Wien auf die Schauspielschule ging, dachten dort alle, ich sei ein ungebildeter Ami, was ich auch war. Dann wollte ich wegen der Sprache und dem etwas präziseren Theater in den 70er Jahren unbedingt nach Deutschland, ich mochte das Österreichisch-Schlampige nicht. In Deutschland dachte man dann, ich wäre Österreicher. (lacht) Irgendwann habe ich mich sehr nach Österreich gesehnt, weil ich das Spielerische der österreichischen Sprache total mag, und in Österreich hielt man mich für den Deutschen.