Radio Ö1 widmet dem bayrischen Kabarettisten und Satiriker zwei Sendungen zum Siebziger, den er am 7. Mai begeht: ein Feature mit einem raren Interview in "Hörbilder" am Samstag (9.05 Uhr) und ein Porträt am Sonntag in "Contra - Kabarett und Kleinkunst" (22.05 Uhr).
"Das Abgründige im richtigen Leben" lautet der Titel der "Hörbilder", die ein Interview mit Gerhard Polt in seinem Wohnort am Schliersee bringen. Er will "kein hochgeputschter Wortproduzent" sein, und Vergleiche mit Karl Valentin findet er ebenso unpassend wie ärgerlich. Es gibt schwache Nummern von ihm, und manchmal ist er derb, dass es kracht. Und dennoch wird Gerhard Polt in Deutschland so geachtet wie kaum ein anderer Kabarettist.
Gerhard Polt ist ein Ereignis
Begonnen hat alles 1976 mit einer Hörspielproduktion des Hessischen Rundfunks, "Als wenn man ein Dachs wär’ in seinem Bau". Darin spielte Polt die Rollen von mehr als 30 verschiedenen Personen, die aus der Münchner Amalienstraße vertrieben werden. Der erste Bühnenauftritt folgte im selben Jahr mit dem kabarettistischen Programm "Kleine Nachtrevue" in der Münchner Kleinen Freiheit. Wenn Gerhard Polt heute mit der bayrischen Musik- und Kabarettgruppe Biermösl-Blosn im Münchner Residenztheater auftritt, gehen dort bis zu 15.000 Kartenwünsche ein. Wie schrieb doch Loriot einst im Wochenmagazin "Der Spiegel"? "Polt ist ein Ereignis."

In "Contra" am Sonntag sind "Die Zeiten für Satire immer gut - Sie stirbt nicht, solange der Mensch menschelt." Als Experte der bayrischen Lebens- und Wesensart, als politisch unbequemer Querdenker, sind es vor allem die Spießbürger, deren Strategien Polt bei seinen Bühnenauftritten entlarvt. Diese zum Ein-Mann-Theater verdichteten Beobachtungen sind dank Gerhard Polts satirischer Kraft zu einer eigenen Kunstform geworden. Eines steht jedenfalls fest: Polts Blick auf die Welt bleibt unerreicht.
"Nehma’s Leben wia’s is, ha?"
Die Würdigung Polts in "radio-Spitzen" (Samstag, 20.05 Uhr, Bayern2) trägt den Titel "Nehma’s Leben wia’s is, ha?" In der Sendung heißt es: "Wenn der Polt da ist, dann ist er da. So wie kein Zweiter. Steht im Raum oder auf der Bühne und, mag sie auch noch so groß sein, füllt sie aus. Mühelos. Spielend. Wobei: Spielt er überhaupt? Oder ist er einfach so wie er ist?" Angestiftet von Christoph Leibold denkt Gerhard Polt in dieser Sendung nach über Zeit, Gemütlich- und Vergänglichkeit. In der gebotenen Bierruhe, versteht sich. Sich aufregen hilft ja eh nix. Denn: Man muss das Leben nehmen wie es ist. Der Klassiksender des Bayerischen Rundfunks würdigt den Satiriker Polt am Montag mit einem Programm des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau, "Quasi modo Allegro" - Ein musikalisches Karussell" (19.05 Uhr). Moderation und Rezitation: Gerhard Polt. Und der Sender hr2 präsentiert Montag in "Doppelkopf" (12.05 Uhr) den "Gaudibursch" Polt.
Ab Mitte Mai ist Gerhard Polt in Österreich mit seiner szenischen Lesung von "Circus Maximus" (seine gesammelten Werke) unterwegs. Die schlechte Nachricht ist jedoch: In Wien, Linz und Salzburg hängt bereits das "ausverkauft"-Schild an der Kasse.
Gerhard Polt mehrfach im Radio
Samstag: Radio Ö1, 9.05 Uhr, "Hörbilder". Bayern 2, 20.05 Uhr, "radio-Spitzen". Sonntag: Ö1, 22.05 Uhr, "Con-
tra".Montag, hr2, 12.05 und 23.05 Uhr, "Doppel-Kopf". BR Klassik, 19.05 Uhr, "Quasi modo Allegro". www.poltseite.de