"Wiener Zeitung": Sie sind ja sehr fleißig, woher kommen Ihr Ehrgeiz und Ihre Arbeitswut?
Christian Rach: Arbeitswut weiß ich nicht, ich arbeite ganz normal und finde, man sollte so lange arbeiten, wie die Arbeit Spaß macht, und mir macht die Arbeit Spaß. Es ist großartig.

Sie könnten ja auch ganz normal als Koch irgendwo in einem Hotel arbeiten, stattdessen haben Sie sich mit "Rachs Restaurantschule" auf RTL etwas aufgebaut, wovon andere träumen.
Ich bin gerne Unternehmer. Und ein Unternehmer ist bekanntlich jemand, der etwas unternimmt. (lacht) So simpel ist das. Es gibt so viele tolle Dinge zu machen, die mich brennend interessieren und die ich sehr gerne mache.
Sie haben ja auch eine ganze Zeit lang Philosophie studiert?
Philosophie und Mathematik, das ist die ganz klassische Kombination, daraus ist alles andere entstanden. Philosophie ist die Übermutter aller Studiengänge. Darum ist es schon richtig, die beiden Fächer zu kombinieren.
Spielt die Philosophie in Ihrem Leben heute noch eine Rolle?
Na ja, was heißt die Philosophie? Es gibt momentan im deutschsprachigen Raum schon den ein oder anderen, der sich als Philosoph wieder öffentlich versucht. Die Philosophie hat es ja jahrzehntelang versäumt, Lebenswirklichkeiten in ihr Übergebäude einfließen zu lassen und Antworten und Führung zu liefern. Aber das beginnt jetzt wieder so ein bisschen und das finde ich natürlich auch ganz spannend.
Sie kommen in viele marode Gaststätten und Restaurants. Sehen Sie sofort, ob es noch Sinn macht?
Nein, sofort wäre übertrieben, das kann gar nicht sofort sein, das braucht seine Zeit. Es gibt natürlich Situationen, da sehe ich das am ersten Tag, aber es gibt auch Situationen, da fällt mir vier Tage lang nichts ein.
Machen Sie das mit einem Team zusammen?
Ich habe mein kleines, fünfköpfiges Dreh-Team. Mit dem bespreche ich mich natürlich, aber sonst mache ich das alleine.
Dass Sie sich in der Küche gut auskennen, weiß man ja, aber woher wissen Sie, wie ein Lokal auszusehen hat, um erfolgreich zu sein?
Da verlasse ich mich auf meinen guten Geschmack, weil alles andere gar keinen Sinn macht.
Als Zuschauer denkt man, da ist bestimmt noch ein Design-Team im Hintergrund.
Nein, gar nicht.
Wenn man in völlig verdreckte Lokale kommt, hat man da nicht den Impuls, gleich wieder rückwärts rauszugehen?
Das gibt es schon manchmal, aber deshalb bin ich ja da, weil es so aussieht.
Die Leute haben die Restaurants nicht umsonst so abgewirtschaftet. Glauben Sie wirklich, diese Leute ändern zu können?
Es gibt Leute, die sind plötzlich ganz offen, bei denen beseitige ich den Grauschleier des Nichtwissens und dann funktioniert das. Und es gibt Leute, die bleiben bis zur letzten Stunde beratungsresistent und es kommt immer wieder ein "Ja, aber".
Und was empfindet man in so einem Moment?
Das frustriert schon. Man muss aber auch mal bewusst sagen: "OK, fallen lassen, wer nicht will, der hat gewollt".
Bei manchen Teilnehmern hat man das Gefühl, die bräuchten eher einen Psychologen.
Zumindest einen Unternehmensberater. Ich bin kein Psychologe, aber ich versuche mit gesundem Menschenverstand und Fingerspitzengefühl vorzugehen.
Wie begegnen Sie Kritikern, die Ihre Sendung zerpflücken?
Der gemeinsame Nenner aller Lokale, die ich besuche, ist, dass sie pleite sind. Wenn sie nur einen von zehn retten können, dann ist das schon großartig. Ich stelle mich gerne jeder Kritik, aber sie muss öffentlich direkt geführt werden und nicht anonym übers Internet, das ist der größte Schwachsinn, den wir da erleben.
Theoretisch könnten Sie Ihr Konzept der "Restaurantschule" in jeder größeren Stadt umsetzen?
Ja, es geht aber eigentlich darum, dass Industrie und Schulen begreifen müssen, dass wir moderner denken müssen. Wir können uns heute nicht mehr leisten, Menschen im Abseits stehen zu lassen und nur zu alimentieren. Wir wissen heute, dass wir Leute, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, anders abholen müssen.