Wien. "Tagebuch eines Platzwartes: Heute hat Hellas Kagran wieder gut gespielt. (. . .) Der Präsident war auch hier. Er wollte mir eine Stiftung einreden, viel dazu verdienen würde ich. Soll er doch die 90-Jährige fragen, die draußen am Sportplatz vorbei geht." Man muss nicht Till Eulenspiegel heißen, um Schabernack zu treiben und Politik und Gesellschaft an den Kragen zu gehen. Vier Satire-Magazine übernehmen diese Aufgabe für Österreich. Sie heißen "Bananenblatt", "Moff", "Hydra" und "Kloblatt", ganz in der Tradition des großen deutschen Vorbilds "Titanic".

So unterschiedlich sie in ihrer Aufmachung auch sind, sie sind allesamt auf den ersten Blick lustig bis komisch. Politiker werden durch den Kakao gezogen, gesellschaftliche Großereignisse wie die Fußball-EM karikiert. Sie nennen sich selbst Schundheftln und betreiben laut Christoph Haderer vom "Moff" "Anti-Marketing". Das 36 Seiten starke Heft im Piccoloformat wurde 2008 neu aufgelegt. "Bitte nicht lesen. Zu schmutzig", sagt der Sohn des Karikaturisten Gerhard Haderer zur "Wiener Zeitung" schmunzelnd. Sein Vater ist es auch, der jedes Mal aufs Neue den Inhalt des vierteljährlich erscheinenden Magazins zeichnet. Die Mischung zwischen Komik und Cartoon erscheint nicht online und hat bereits eine Auflage von 12.000 Stück. Finanziert werden die Liebhaber-Stücke über ein verkauftes Haderer-Original auf der Rückseite. "Unsere Wahrheit ist das gedruckte Heft", so Christoph Haderer. Der Anspruch kein geringerer als "die Welt zu retten" und "Scherz und Schund zu verbreiten".
Die schon oft zitierte Bananenrepublik bekam im Jahr 2010 ein weiteres Satire-Magazin dazu: das "Bananenblatt". Anfangs sei es schwer gewesen, erzählt Herausgeber Clemens Ettenauer. Doch seit der Weihnachtsausgabe sei es bergauf gegangen. Diese publizierte Beiträge von unter anderen Clemens Haipl, Renato Kaiser, Frajo und El Awadalla und scheute auch nicht davor zurück, den Papst persönlich auf die Schaufel zu nehmen. Der Fortsetzungsroman "Der Herr des Tanzes" erzählt die "unglaubliche, aber wahre Geschichte, wie aus Papst Benedikt dem XVI. und Detlef D! Soost (Choreograph von Casting-Shows, Anm.) mittels Verschmelzung eine Person wurde: Detlef D! Ratzinger". "Das Magazin wird immer dicker und die Nachfrage steigt", sagt Ettenauer. Die Konkurrenz ist dem "Bananenblatt"-Herausgeber aber nicht groß genug: "Ich finde es schade, dass es in einem Land wie Österreich, wo die Satire Tradition hat, nicht mehr solche Magazine gibt."
Wie gemein kann man sein?

Eines, welches es seit dem Jahr 2009 nicht mehr in Printausgaben, dafür aber weiterhin online gibt, ist das Satire-Magazin "Hydra". Hohe Ansprüche und Geldmangel führten zur Einstellung der gedruckten Version. "Wir wollen provozieren, ins Extreme gehen. Satire-Magazine haben es aber schwer, Inserate aufzustellen. Denn wie gemein, wie zynisch, wie konsumkritisch kann man dann noch sein", so "Hydra"-Chef curt cuisine. Eine der letzten Ausgaben zur Wirtschaftskrise produzierten sie gänzlich ohne Computer, so als hätte sie die Krise erwischt, mit Zetteln und hineingeklebten Fotos. Heute publiziert "Hydra" auch im "Bananenblatt", das zur Komische Künste Verlagsges.m.b.H. gehört. Auch "Rappelkopf" war ein Satire-Magazin, das seit 2009 allerdings nur viermal erschien. Derzeit ist die Polit-Satire auf Twitter unterwegs. "Das 4-blättrige Kloblatt" erscheint ebenfalls online und vereint "Literatur und Schund".
Die Auflagen steigen, die Hefte werden dicker, die Konkurrenz ist überschaubar. "Hydra" veröffentlicht nächste Woche ihr neuestes Buch im Holzbaum Verlag. Es ist das Wut-Buch mit dem Titel "Dieses Buch macht Dich fertig!"
"Eine Weltkarte, in der Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keine Beachtung, denn sie lässt die Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird"...
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"Ich habe all diese hässlichen Wörter einfach hingeschrieben und bin dabei allmählich in Fahrt gekommen. Ein stiller Schreibrausch hat mich erfasst"...
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Es gibt Dinge, auf dieser Welt (und jenseits davon), die werden besonders gern und besonders häufig totgesagt. An erster Stelle ist hier natürlich der...
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