• vom 04.07.2012, 16:53 Uhr

Medien

Update: 04.07.2012, 17:22 Uhr
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Oliver Voigt im Interview

Die "Hybrid-Zeitung"


Von Ina Weber

  • "Österreich"-Geschäftsführer: VÖZ sollte veraltete Strukturen ablegen.

Die Tageszeitung "Österreich" wird weitaus mehr verschenkt als verkauft. - © APA

Die Tageszeitung "Österreich" wird weitaus mehr verschenkt als verkauft. © APA

Wien. Als am Mittwoch bekannt wurde, dass die Tageszeitung "Österreich" den Verein Österreichischer Presserat klagt, brachen alte Wunden wieder auf. Unabhängig davon, dass es "Österreich" so gar nicht schmeckte, dass ab und zu Mahnungen des Presserates auf das Medium herunterprasselten - aufgrund von medienunethischem Verhalten -, kam der jahrelange Konflikt zwischen dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und dem Blatt von Wolfgang Fellner zum Vorschein.

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Seit seiner Gründung versuchte "Österreich", Mitglied beim VÖZ zu werden. Der VÖZ verbindet alle namhaften Printmedien in Österreich, einschließlich der "Kronen Zeitung". Doch rasch wurde klar, was im Jahr 2009 in einem Urteil des Obersten Gerichtshofes kulminierte: Der VÖZ muss "Österreich" nicht aufnehmen, weil es eher ein "Gratis"-Medium ist. Der VÖZ müsse "nur solche Verleger und Herausgeber als Neumitglieder aufnehmen, die im Wesentlichen eine gleichgelagerte Geschäftsstrategie wie sie selbst verfolgen", hieß es.

Tatsächlich ist "Österreich" eine Sonderform. In der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) wird das Medium seit 2009 als Gratis-Medium geführt, in der Media-Analyse als "Hybrid-Produkt". "Ein Medium muss über 50 Prozent verkaufen, um als Kauftitel zu gelten", heißt es laut ÖAK. "Österreich" hatte im zweiten Halbjahr 2011 eine Auflage von 502.454 Stück. 323.809 wurden gratis vertrieben, 128.070 wurden verkauft. Somit wird das Blatt als Gratis-Medium geführt, auch wenn es einen Verkaufspreis hat.

"Laut den Statuten unseres Verbandes kann nur ein ‚gegen Entgelt abgegebenes Presseerzeugnis‘ Mitglied werden", bekräftigt VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger heute einmal mehr. "Der OGH sieht ‚Österreich‘ nicht als ein solches Medium an", sagt er zur "Wiener Zeitung". Man vertrete die Anliegen ausschließlich jener Zeitungsunternehmungen, die ein Geschäftskonzept als reine ,Kaufzeitungen‘ verfolgen, um sich von den ,Gratiszeitungen‘ abzugrenzen.

"Wir sind eine Zeitung", argumentiert "Österreich"-Geschäftsführer Oliver Voigt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Unsere verkaufte Auflage ist höher als bei so manch anderen Zeitungen, die Mitglied des VÖZ sind." Das OGH-Urteil von damals habe man zur Kenntnis genommen, doch die Welt habe sich in der Zwischenzeit weitergedreht. "Wir befinden uns mitten in einer digitalen Revolution. Da würde es einem Verband gut anstehen, seinen veralteten Radius zu erweitern." "Österreich" habe nun einmal verschiedene Vertriebswege.

Dass der Presserat ein unabhängiges Organ zur Selbstkontrolle der Presse ist, in dem namhafte Journalisten quer durch die Medienlandschaft vertreten sind, sieht Voigt nicht so. Der VÖZ - einer von sechs Trägern des Presserates - dominiere den Presserat. Dieser sei somit für "Österreich" keine Option, um mitzumachen. Und das, obwohl der Geschäftsführer dem Rat grundsätzlich positiv gegenübersteht. "Es ist eine gute Idee, zu diskutieren, aber es ist anmaßend, wenn pseudostaatliche Urteile über Nicht-Mitglieder verhängt werden."

Bereits nach dem Urteil 2009 kam es zum verbalen Schlagabtausch. Herausgeber Wolfgang Fellner wehrte sich gegen Bezeichnungen wie "Krawallblatt". Schon damals drohte er mit negativen Auswirkungen auf Kollektivvertrag und Presserat. Denn nur VÖZ-Mitglieder können Einfluss auf die Kollektivvertragsverhandlungen nehmen.

Ohne Kollektivvertrag
Und Gratis-Zeitungen? Die unterliegen gar keinem Kollektivvertrag. "Österreich" befindet sich irgendwo in der Mitte. Wie einst schon die "Krone", versucht nun "Österreich" den Gerichtsweg. Bis jetzt hat aber jedes Gericht für den Presserat entschieden. Dennoch wird gepoltert und gerasselt. Was bleibt, ist eine Zeitung zwischen den Stühlen, die aber sehr wohl auch schon auf den Presserat reagiert hat. Nachdem der Presserat den Live-Ticker beim Begräbnis eines von seinem Vater ermordeten Buben gerügt hatte, ließ Fellner die Berichterstattung kurzerhand einstellen. Sie sei "nicht adäquat" gewesen.

Die Redakteurin ist Ersatzmitglied des Österreichischen Presserats.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-04 16:59:05
Letzte Änderung am 2012-07-04 17:22:40


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