• vom 09.07.2012, 17:33 Uhr

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Die BBC bestellt den ehemaligen Chef der TV-Nachrichten zum neuen Intendanten

Der unmögliche Job des neuen BBC-Chefs


Von Peter Nonnenmacher

  • George Entwistle soll der BBC einen Weg in eine ungewisse Zukunft weisen.

Selbstvertrauen ist nicht gerade das Problem des neuen BBC-Generals George Entwistle. Er muss den Traditions-Sender aufgrund von starken Kürzungen in stürmische Gewässer führen. - © dapd

Selbstvertrauen ist nicht gerade das Problem des neuen BBC-Generals George Entwistle. Er muss den Traditions-Sender aufgrund von starken Kürzungen in stürmische Gewässer führen. © dapd

London. Am Sonntag feierte er seinen 50. Geburtstag. Und dazu gibt es ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk. Lord Patten, der BBC-Rundfunkratsvorsitzende, hat George Entwistle zum neuen Intendanten des Senders bestellt. Der frühere Politik- und Philosophie-Student aus dem nordenglischen Yorkshire soll die bedeutendste Rundfunkanstalt der Welt durch die nicht unbeträchtlichen Klippen der kommenden Jahre steuern.

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Entwistle soll dafür sorgen, dass die öffentliche Anstalt auch unter einer Tory-geführten Koalition unabhängig bleibt und nicht in die Strudel zunehmender Kommerzialisierung und Privatisierung gerät. Aufs Jahr 2016 hin müssen neue Fernsehgebühren für die BBC mit der Regierung ausgehandelt werden - und viele konservative Politiker klagen schon jetzt über "diese Fernsehsteuer", für die es keine Legitimität mehr gäbe. Er muss zugleich seine Untergebenen mit weiteren Kürzungen aussöhnen. Er muss Top-Qualität garantieren, bei einer immer schmaleren finanziellen Basis der BBC.

Bereits jetzt sind die Fernsehgebühren, die 25 Millionen britischer Haushalte zahlen, eingefroren. Da der BBC außerdem neue Verpflichtungen wie die Betriebskosten des World Service aufgebürdet wurden, schrumpft das verfügbare Geld in Broadcasting House beständig. Zuletzt sind Einschnitte um 20 Prozent beschlossen und ganze Abteilungen in die Nähe Liverpools ausgelagert worden. Kündigungen hat es freilich schon seit einiger Zeit gegeben, tausende von Mitarbeitern sind in den letzten Jahren gefeuert worden. Dennoch hofft Entwistle, die Substanz der BBC zu retten und dem Sender eine sichere Zukunft zu verschaffen.

Start in der Thatcher-Ära
Der BBC beigetreten war der neue DG (Director General) kurz vor dem Ende der Thatcher-Ära, im Jahr 1989. Er zählte nicht zu den "Kometen" des Mediums, galt eher als äußerst verlässlich und loyal. Sein profiliertester Posten war der des Chefredakteurs der renommierten abendlichen Sendung "Newsnight". Daneben trug er zur Entwicklung einer BBC-Kulturshow bei. Erst im vorigen Jahr wurde er zum Direktor für BBC Vision bestellt und war damit verantwortlich für alle Fernsehproduktion des Senders.

Noch wenige Wochen vor seiner Ernennung schien diese in Frage zu stehen - die BBC-Übertragungen zum Diamantenen Dienstjubiläum der Königin, für die er verantwortlich zeichnete, trugen dem Sender wegen "falscher Tonlage" fast 5000 Beschwerden ein. Lord Patten aber, der Rundfunkrats-Chef, hatte sich "George" offenbar schon seit langem für den Posten vorgemerkt. Am Mittwoch erklärte Patten, der Aufsichtsrat habe einen einstimmigen Entschluss gefasst. Von Entwistle, so Patten, könne man sich "die kreative Führung einer kreativen Organisation" erwarten.

Der gegenwärtige Intendant, Mark Thompson, sprach gleichfalls von einer "brillanten Entscheidung". Thompson tritt im September ab. Er hatte die BBC acht Jahre lang geleitet. Auf Kritik stieß allerdings die übertriebene Heimlichkeit beim Entscheidungsprozess, der zur Ernennung Entwistles geführt hatte. Eine öffentliche Anstalt sollte sich etwas mehr Beteiligung der Öffentlichkeit leisten, fanden die Kritiker. "Lord Patten", hieß es gestern in Londons linksliberalem "Guardian", "scheint zu glauben, dass ihm die BBC gehört."



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Dokument erstellt am 2012-07-09 17:41:07


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