Wien. Bei den Tagezeitungen "Die Presse" und "WirtschaftsBlatt" bleibt kein Stein auf dem anderen. Die zur Styria Media Group gehörenden Wiener Blätter sollen künftig "deutlich enger zusammenarbeiten und teilweise integriert werden", wie Styria-Vorstand Klaus Schweighofer am Freitagvormittag in einer Aussendung mitteilte. Von einer "strategischen Neuausrichtung" war die Rede, die Redaktionen der beiden Marken würden aber eigenständig und unabhängig bleiben. Zugleich wird das komplette Führungsteam der beiden Tageszeitungen ausgewechselt.
Die Geschäftsführung von "Presse" und "WirtschaftBlatt" übernehmen mit 1. Oktober Michael Tillian als Vorsitzender sowie Herwig Langanger. Rainer Nowak soll Chefredakteur für "Die Presse", Esther Mitterstieler für das "WirtschaftsBlatt" werden. Bei Nowak bedarf es dazu noch der Zustimmung der "Presse"-Redakteursversammlung. "Presse"-Geschäftsführer Reinhold Gmeinbauer und "WirtschaftsBlatt"-Geschäftsführer Hans Gasser scheiden ebenso aus ihren Funktionen aus, wie "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker und "WirtschafsBlatt"-Chefredakteur Wolfgang Unterhuber.
Unabhängigkeit
"Damit reagieren wir auf die strukturellen Veränderungen in unseren Märkten", begründete Finanzvorstand Malte von Trotha den Schritt. "Wir gehen die Veränderungen jetzt aus einer Position der finanziellen Stärke an, haben eine Investitionskraft wie nie zuvor in der Konzerngeschichte und wollen diese nutzen. Unser Ziel ist es, neue Geschäftsmodelle und -felder zu erschließen und das Kerngeschäft an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen. Nur so werden wir auch künftig Qualitätsjournalismus bieten und die Unabhängigkeit bewahren können."
Die Styria Media Group war 2005 über die Magazingruppe ETM beim "WirtschaftsBlatt" eingestiegen, 2006 übernahm man schließlich die Mehrheit an der Wirtschaftszeitung. Das Kartellgericht genehmigte den Deal damals unter Auflagen. Titel und Redaktionen von "Presse" und "WirtschaftsBlatt" sind zumindest für fünf Jahre getrennt zu führen, drei Jahre sind Rabatte für Anzeigenkombinationen eingeschränkt, lauteten die Bedingungen der Kartellwächter.
Die wichtigsten beruflichen Stationen der künftigen "Presse"-"WirtschaftsBlatt"-Spitze
Michael Tillian (39) war als Projektleiter in der Styria für zahlreiche Unternehmenstransaktionen zuständig. So hat er etwa unter dem früheren Styria-Vorstandschef Horst Pirker, dem er auch als Assistent gedient hatte, den Erwerb der Aktienmehrheit an der WirtschaftsBlatt Verlags AG gemanagt. Von 2005 bis 2009 war er Mitglied des Vorstandes und ab 2008 Vorstandsvorsitzender der Styria Multi Media AG sowie stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Wirtschaftsblatt Verlags AG. Danach wechselte der gelernte Wirtschaftsanwalt für ein Jahr in die Wiener Anwaltskanzlei DLA Piper. Mitte 2010 kehrte Tillian ins Styria-Reich zurück und war als Vorstand der Regional Medien Austria AG in Wien tätig.
Herwig Langanger (34) begann seine Karriere 2004 bei der Styria in Graz, bevor ihn die "Presse"-Geschäftsführung 2005 als Leiter Controlling nach Wien holte. 2008 erhielt er die Prokura, 2009 wurde er mit der Umstrukturierung der "Presse"-Gruppe betraut. Seit Anfang 2010 war Langanger Geschäftsführer der Presse-Holding und verantwortet neben den Finanzen auch die Bereiche Produktion, Vertrieb, IT, Leserservice und Lesermarketing.
Rainer Nowak (39) schreibt seit 1996 für die Presse in Wien. Nach Stationen in der Chronik-, Kultur- und Innenpolitikredaktion wurde Nowak 2004 Ressortleiter der Chronik Wien. Gemeinsam mit Christian Ultsch (Außenpolitik) wurde er 2009 zum Redaktionsleiter der "Presse am Sonntag" bestellt. Seit 2010 leitete Nowak neben der Sonntags-"Presse" auch das Innenpolitik-Ressort des Traditionsblatts.
Esther Mitterstieler (43) begann ihre journalistische Laufbahn als Wirtschaftsredakteurin in Italien und wechselte 1998 nach Wien. Für das "WirtschaftsBlatt" war Mitterstiehler seit 2006 als Wirtschaftsredakteurin mit dem Schwerpunkt Unternehmen und Märkte tätig. Seit Ende 2007 leitete sie das Ressort Unternehmen und Märkte, seit 2009 fungierte sie auch stellvertretende Chefredakteurin der Wirtschafts-Tageszeitung.