
Wien. Als "stillen Beobachter im Hintergrund" sieht sich der Kärntner Fotograf Gert Eggenberger. Mit der Stille um seine Person ist es seit Anfang August vorbei. Die Gebrüder Scheuch lassen seither kein gutes Haar am Pressefotografen. Der jüngste Eklat trug sich im Kärntner Landtag zu. Zunächst ließ FPK-Landtagspräsident Josef Lobnig Eggenberger aus dem Plenarsaal entfernen. Wenig später folgte ein Zwischenfall im Foyer: Der neue stellvertretende Kärntner Landeshauptmann Kurt Scheuch (FPK) behauptete, er sei beim Verlassen des Plenarsaals von Eggenberger "bedrängt" worden. Der Fotograf war im Auftrag der Austria Presseagentur vor Ort gewesen.
In der "ZIB2" am Donnerstagabend legte Scheuch nach: "Ich weiß nicht, wie es Ihnen gehen würde, wenn man eine Kamera an Ihren Kopf hält, vier Zentimeter von Ihrem Auge entfernt. Es wird auf den Dauerauslöser gedrückt, man wird dreimal geblitzt und ich musste den Kopf zurückgeben, damit mich die Kamera nicht am Kopf trifft." Zunächst hatte Scheuch noch von 20 Zentimeter Entfernung gesprochen.
Gert Eggenberger widerspricht: Er habe - wie immer - gar keinen Blitz verwendet, betont er gegenüber der "Wiener Zeitung". Als Scheuch den Plenarsaal verlassen habe, sei er einen Meter entfernt von dem Eingang gestanden. Scheuch sei auf ihn zugegangen und dann stehen geblieben. Eggenberger habe sich wegdrehen müssen, um den Abstand zu Scheuch zu vergrößern. Eine Videoaufnahme des TV-Senders ATV, auf die sich Scheuch berief, belegt: Das Blitzlicht stammt von einem zweiten Fotografen. Eggenberger verwendet keinen Blitz.
Der Vorfall im Landtag ist ein weiterer Höhepunkt im Konflikt der Gebrüder Scheuch mit Eggenberger. Bereits Anfang August, als Uwe Scheuch seine Rücktrittspressekonferenz eröffnete, verwies er den 64-jährigen Fotografen des Saales. Er warf Eggenberger vor, Meuchelfotos von ihm verbreitet zu haben.
Es ist das erste Mal, dass Eggenberger, der bisher immer hinter der Kamera gestanden ist, so eine mediale Aufmerksamkeit bekommt. "Ich bin nicht wichtig", meint er. Seine Fotos müssten für sich sprechen. Zum Streit mit den Scheuchs will er nicht viel sagen. "Ich will denen keine Plattform bieten. Mir sind die wurscht."
Keine Probleme mit Haider
Angefangen mit dem Fotografieren hat Eggenberger 1975 beim Sport. Seine erste Lokalreportage machte er 1976 beim Erdbeben in Friaul. Heute zählen die Bischofspressestelle, die Klagenfurter Messe und heimische Print-Medien zu seinen Auftraggebern. Für deutsche Medien hat er auch schon gearbeitet. "Zur Zeit vom Haider war in Kärnten mehr los." Konflikte mit Politikern hat er bisher nicht erlebt: "Den Haider habe ich 30 Jahre lang in allen Variationen begleitet, vom Fasching bis zum Bungee-Jumping. Ihm hat das alles nichts ausgemacht. Nur den Scheuchs passen meine Bilder nicht."
Den Kärntner Landtag kennt Eggenberger schon "in und auswendig." Ihm ist bei dessen letzter Sitzung auch nicht entgangen, wie sich die FPK-Abgeordneten, um die vorgezogene Neuwahl hinauszuschieben, über einen Hintereingang hinausgeschlichen und sich hinter einem Kamin versteckt haben.
Die SPÖ sieht nach dem Vorfall im Landtag die Pressefreiheit gefährdet und fordert von der FPK eine Entschuldigung beim Pressefotografen. Für die Grünen bewegt sich die FPK demokratiepolitisch zurück in die Steinzeit. Protest gegen die "Einschränkung der Pressefreiheit" kam auch vom Österreichischen Journalisten Club.
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