• vom 21.08.2012, 17:00 Uhr

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Publizistik-Professor spricht in Alpbach über Herausforderungen von Social Media

Jeder ist sein eigener Verlag


Von Theresa Sophie Breitsching

  • Wittenbrink: "Buchbranche, so wie wir sie kennen, wird nicht mehr existieren."

"Jeder kann alles publizieren" , sagt Wittenbrink.

"Jeder kann alles publizieren" , sagt Wittenbrink.© Isopix / picturedesk.com "Jeder kann alles publizieren" , sagt Wittenbrink.© Isopix / picturedesk.com

Alpbach. Die Medien befinden sich im Umbruch. Mittlerweile ist es einfach, Informationen über Social-Media-Netzwerke schnell auf der ganzen Welt zu verbreiten. Online-Netzwerke wurden zu einem wichtigen und nicht mehr wegzudenkenden Tool in der Gesellschaft. Künftig werde es wesentlich "schwieriger, Informationen zu kontrollieren", meinte Heinz Wittenbrink bei der Alpbacher Seminarwoche. "Denn man kann sich über Social Media nicht nur informieren, sondern auch organisieren." Wittenbrink lehrt Online-Journalismus und Social Media an der Fachhochschule Joanneum in Graz.

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Wie man über einen kurzen Zeitraum sehen konnte, formieren sich Proteste nunmehr online, und auch Firmen finden immer öfter ihren ersten Start im Online-Bereich. So entstehen neue Formen der Kooperation. "Die größte Veränderung in der Zukunft wird sein, dass jeder alles publizieren und jede Art von Information beziehen kann", meint Wittenbrink. Somit verfügen viele Menschen über dieselben Informationen und können sich im Vergleich zum Offline-Zeitalter ganz anders und schneller zusammenschließen. Dies macht eine zentrale Kontrolle schwierig, denn "die Kontrolle liegt in den Händen von vielen Einzelnen".

Wittenbrink sieht aber das Datenkonglomerat, das über jeden Internet-User kursiert, eher als Chance denn als Gefahr. Wichtig sei aber die Bildung von Institutionen und die Entwicklung von Mechanismen, die "dafür sorgen, dass unsere Daten nicht missbraucht werden". So müsse man Standards vereinbaren und vernünftige Normen definieren. Gegen ein Internetgesetz hat Wittenbrink Bedenken, denn der Staat solle dafür nicht die Verantwortung übernehmen. Bisher sehe man, dass im Internet jene Strukturen funktionieren, auf die sich "alle" einigen, von Staaten sei die Basisstruktur nicht entwickelt worden: "Es spricht viel dafür, es auch dabei zu belassen."

Es sei auch niemandem gelungen, das Internet zu monopolisieren, denn als man dachte, Google hätte alles unter Kontrolle, sei Facebook gekommen. Eher sei die Gefahr, dass wenige große Firmen das Internet quasi unter sich aufteilen und kontrollieren, was veröffentlicht wird. Somit müsse man "auf offene Standards setzen" und Technologien nutzen, die frei und offen sind.

Freundeskreis wird breiter
Die Kommunikation hat sich in den vergangenen Jahren durch das Internet, aber vor allem durch Social Media verändert. Trotzdem zeigen Studien, dass Leute, die online gut vernetzt sind, auch offline ein gutes Netzwerk haben. "Die Online-Beziehungen erweitern die Offline-Freundschaften, ersetzten sie aber nicht", meint Wittenbrink. Doch böten die neuen Netzwerke die Möglichkeit, über größere Entfernungen in Kontakt zu bleiben und seine Netze dauerhaft aufrecht zu halten. "Am Beispiel Familie, in der jeder sein eigenes Netzwerk hat, sieht man, dass man auch hier bei örtlicher Entfernung online leicht kommunizieren kann."

Auch wenn sich vielleicht im unmittelbaren zwischenmenschlichen Bereich nicht viel ändert, sieht Wittenbrink die große Veränderung im Medienbereich der Zukunft. Auf Zeitungen, TV und Buchbranche kämen schwierige Jahre zu, denn "man braucht im Grunde keinen Verlag mehr, wenn jeder bloggen kann und Videotechnologien am Handy immer besser werden". Medien falle es beim Online-Einstieg schwer, beim schnellen Arbeiten des Internets mitzuhalten. Das Verlagsmodell sei überflüssig geworden: "Das Internet ist selbst ein Verlag; es sorgt bereits für die Distribution. Die Buchbranche, so wie wir sie kennen, wird in Zukunft nicht mehr existieren."

Wittenbrink sieht die große Chance im E-Book-Bereich, der in den USA und in Deutschland auf dem Vormarsch ist. "In Zukunft kann sich um jedes Buch wieder ein eigenes Social Network bilden." Auf "Readmill" etwa können User ihre Gedanken über ein Buch mit anderen teilen.

Einem Neueinsteiger in Social Media sei zu raten, sich erst einmal nur ein Service, wie Twitter oder Facebook, auszusuchen und dieses zunächst passiv zu benutzen. "Nicht fragen: Was soll ich schreiben? Sondern erst einmal: Was soll ich lesen?"




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Dokument erstellt am 2012-08-21 17:05:07


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