Wien. Die Würfel dürften für den neuen ORF-Standort gefallen sein - und es sieht alles danach aus, als ob der Küniglberg neuer, zentraler Standort des ORF in Wien wird. Denn gestern, Dienstag, legte ORF-Chef Alexander Wrabetz dem Stiftungsrat einen Plan für weitere Schritte in der Standortentscheidung vor. Darin nicht enthalten: Ein von den Stiftungsräten für den Fall eines Umzugs geforderter Antrag für einen Neubau auf dem Areal neben dem Media Quarter in Neu Marx (Erdberg). Vielmehr schlägt Wrabetz lediglich eine weitere Detailplanung vor, eine Art Fahrplan, allerdings mit dem primären Ziel, die Wiener Standorte des ORF auf dem Küniglberg zu vereinigen.

Damit dürfte fix sein: Ein Neubau in Neu Marx findet nicht statt. Schließlich hat der ORF-Stiftungsrat in seiner Sitzung im Juni einstimmig einen Schlussstrich gezogen: Stellt Wrabetz bis zur Sitzung am 13. September keinen Antrag auf einen Neubau in Neu Marx , ist diese Variante gestorben und die bisherigen Standorte Küniglberg und Funkhaus sind zu modernisieren, hieß es damals.
"Damit ist die Neubauvariante vom Tisch", sagen nun Stiftungsräte angesichts der Unterlagen, die Wrabetz vor der Sitzung verschickte. "Nach drei Jahren Diskussion wieder alles offen zu lassen, kann sich ein Aufsichtsrat nicht gefallen lassen", so ein maßgeblicher Stiftungsrat zur "Wiener Zeitung", der von einem "Alibi-Papier" spricht, das Wrabetz vorgelegt hat.
Offen ist laut Stiftungsratskreisen nun nur, ob das Funkhaus aufgegeben wird und durch einen Neubau auf dem Küniglberg ersetzt wird, oder ob beide Standorte Funkhaus und Küniglberg erhalten bleiben. Fix ist, dass das Ö3-Haus auf der Heiligenstädter Lände in einen der Standorte eingegliedert wird.
Wrabetz Antrag sind dem Vernehmen nach Eckpunkte für die Projektorganisation und ein weiterer Zeitplan zu entnehmen. Dieser sieht vor, dass bis Ende 2013 ein Raum- und Funktionskonzept für den Küniglberg erstellt und auf dessen Basis ein Ideen- und Architektenwettbewerb durchgeführt wird. Federführend verantwortlich dafür ist der deutsche Bauingenieur Bert Müller, der auch den Neubau des RTL-Sendezentrums in Köln geplant hatte. Im Jahr 2014 würde ein detaillierter Bauplan erstellt und für 2015 wäre der Baubeginn geplant.
Wiener Polizei als "Plan B" für Neu Marx?
Im Frühjahr hatte sich der ORF-Generaldirektor ursprünglich für einen Neubau des ORF-Zentrums in St. Marx ausgesprochen, dafür im Stiftungsrat aber keine Mehrheit gesehen. Widerstand gegen einen Neubau kam vor allem vonseiten der ÖVP, während die Stadt Wien und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) dem Vernehmen nach auf einen Umzug von Hietzing nach Wien-Landstraße drängen. Gegen St. Marx machte auch die FPÖ lautstark Stimmung, während sich BZÖ und Grüne weitgehend bedeckt hielten.
Indessen stellt sich die Frage, was mit dem leer stehenden Grundstück in Neu Marx passiert, das der ORF, der eine Option darauf hielt, nun offenbar nicht mehr benötigt. Informationen der "Wiener Zeitung" zufolge gibt es bereits konkretere Überlegungen, die zentralen Dienststellen der Wiener Polizei auf dem Areal neben der Tangente zu konzentrieren. Schließlich stünden sowohl in der Zentrale am Schottenring als auch beim Bundeskriminalamt in Wien-Alsergrund Sanierungsarbeiten an. Auf Anfrage bei der Polizei heißt es, dass gerade der Raumbedarf der gesamten Polizei, immerhin 8000 Mitarbeiter, erhoben wird. Einige Dienststellen, etwas das Verkehrsamt am Liechtenwerderplatz seien suboptimal und sollen verlegt werden.
Eine Polizeizentrale in Neu Marx wäre wohl eine Abkehr vom grundsätzlichen Konzept, auf diesem Areal einen zentralen Medienstandort aufzubauen.