• vom 11.09.2012, 15:44 Uhr

Medien

Update: 11.09.2012, 16:42 Uhr
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Drogen, Sex und Dollars: US-Straßenmagazine beleuchten die Kehrseiten des amerikanischen Traums

Knast-Abos und Crack-Rezepte


Von Klaus Stimeder aus New York

  • Die Hefte verdienen damit an einer ganz besonderen Klientel.

New York. Wissen Sie, wie man Crack nach der Backpulver-Methode herstellt? Keine Angst, es ist nicht so schwer, wie Sie denken. Alles, was Sie brauchen, ist ein mittelgroßes Gefäß, ein wenig destilliertes Wasser, ein bisschen Alkohol, Backpulver, und, das Wichtigste: "Freebase Cocaine". Das ist jene Art von Kokain, dem die wasserlösliche Komponente fehlt. Jetzt geht es nur noch darum, die Zutaten in der richtigen Dosis abzumischen. Stichwort optimale Wirkung: "Schütteln Sie das Gefäß, bis das Wasser komplett abgekühlt ist. Wenn Sie alles richtig gemacht haben, sollte sich jetzt ein solider gelber Stein darin gebildet haben. Nehmen Sie ihn aus dem Glas und schneiden Sie ihn in die gewünschten Formen." Fertig, rein in die Pfeife, Feuerzeug anmachen, inhalieren.

Information

Illegale Rezepte, gut proportionierte Ghettoschönheiten in New Yorks Straßenmagazinen.

Illegale Rezepte, gut proportionierte Ghettoschönheiten in New Yorks Straßenmagazinen.Johnny Perez Illegale Rezepte, gut proportionierte Ghettoschönheiten in New Yorks Straßenmagazinen.Johnny Perez

Porträts von Gangmitgliedern
Diese besondere Art von Kochkurs bildet, umrahmt mit bunten Bildern, die den Vorgang illustrieren, das Coverthema der aktuellen Ausgabe des in Chicago erscheinenden Magazins "ASIS" ("Artists, Streets, Info, Style"). Willkommen in der wundersamen Welt amerikanischer "Street magazines", einer Art von Medien, die mit europäischen Straßenmagazinen vom Schlage eines "Augustin" ungefähr so viel gemein haben wie Snoop Dogg mit Marianne Mendt. Sie erscheinen monatlich, mindestens aber viermal im Jahr und tragen Namen wie "Straight Stuntin’", "Don Diva", "F.E.D.S" ("Finally every dimension of the streets"), oder eben "ASIS". Ihre bis zu 250 Hochglanzseiten füllen sie mit einer Mischung aus barbusigen Schönheiten - vornehmlich Afroamerikanerinnen und Latinas aus den Ghettos von Metropolen wie New York, Los Angeles und Chicago - und grenzgängerischen Inhalten, Marke Crack-Kochkurs. Dazu gesellen sich Interviews mit in der Regel zu lebenslanger Haft verurteilten Drogendealern, ehemaligen (beziehungsweise noch immer aktiven) Gangmitgliedern, deren Biografien nacherzählt werden, samt der Lehren, die sie (in der Regel nicht) daraus gezogen haben. Abgerundet wird die thematische Breite mit Lebenshilfe ("Wie man ohne College-Abschluss Karriere macht") und Storys über kommende oder ehemalige HipHop-Größen. So ziert etwa Birdman die aktuelle Ausgabe des in New York erscheinenden Magazins "Don Diva". Der Vogelmann heißt mit bürgerlichem Namen Brian Williams und zählt als Chef des Musiklabels Cash Money/YMCMB zu den letzten Tycoons der Musikindustrie: Mit Drake, Lil’ Wayne und Nicki Minaj stehen gleich drei Superstars bei ihm unter Vertrag. Und das, obwohl Williams - oder vielleicht genau deshalb - innerhalb eines dreiseitigen Interviews gefühlte 350 Mal das N-, das F- und das S-Wort benutzt. In Amerika nennt man das "Street cred talk", der Slang, der einen "auf der Straße" glaubwürdig macht. Es ist die Sprache jenes Teils der schwarzen und hispanischen Minderheiten, die nicht in den wohlhabenden Vierteln, sondern in den Sozialwohnbauten ("Housing Projects") oder sonstwo in den Ghettos der amerikanischen Großstädte aufgewachsen ist - und als deren publizistische Sprachrohre sich die Straßenmagazine begreifen. Obwohl keines von ihnen in einem der großen Publikumsverlage erscheint, lassen sie sich nicht als Randerscheinung abtun.




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US-Medien, Medien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-11 15:50:07
Letzte Änderung am 2012-09-11 16:42:10


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